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Justus Möser.
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mehr Bettler) als wo eine unüberlegte Gütig-keit .sich als christliches Mitleid zeigt und jedenArmen ernährt; nirgends giebt es weniger, alsbei den Fabriken, wo man den Bettler, dernoch arbeiten kann, auf dem Misthaufen ster- 5den läßt, um andre zum Fleiße zu zwingen.
Doch ich will die Sache gelassen betrachten.
Bon dem großen Gesetze, daß niemand im Staatsein Brod umsonst haben müsse, weil die Ver-suchung zur Faulheit sonst zu stark werden tuwürde, und daß es besser sey, denjenigen, dernur noch einzig und allein ein gesundes Augeübrig hat, sein Brod durch eine ihm anver-trauete Aufsicht verdienen zu lassen, als ihnauf dem Faulbette zu ernähren, will ich jetzt 15nichts erwähnen. Es ist bekannt genug, derSatz, worauf ich bauen will, soll seun: Ar-muth muß verächtlich bleiben.
Nur muß man mich wobl verstehen. Eingesunder fleißiger Mensch ist nie arm. Der 20Reichthum bestehet nicht im Gelde, sonder» inStärke, Geschicklichkeit und Fleiß. Diese habeneinen güldnen Boden, und verlassen einen nie,das Geld aber sehr oft. In der letzten Erndlesah ich die Frau eines Heuermanns, deren Man» 25ein Hollandsgänger ist, welche selbst mähete undband, und ihr vierteljähriges Kind neben sichin der Furche liegen hatte, wo es so geruhig,als in der besten Wiege schlief. Nach einerWeile warf sie muthig ihre Sense nieder, setzte 5»sich auf eine Garbe, legte das Kind an die ge-sunde Brust und hing mit einem zufriedenenund mütterlichen Blicke über den saugendenKnaben. Wie groß, wie reich, dachte ich, istpicht diese Frau,? Zu mähen, binden, säugen 55und Frau zu seyn, gehören sonst vier Personen.Aber dieser ihre Gesundheit und Geschicklichkeitdienet für viere. Die Natur zeigt hier einehomerische Allegorie für die Arbeitsamkeit, ohneCaylus und Winkelmann. .
Wenn ich es also als ein Gesetz annehme,daß Armuth schimpfen müsse, sobald sie nichtdurch ein besonderes Unglück ehrlich* gemachtwird: so. verstehe ich darunter den Mangel, der ,,aus Ungeschicklichkeit und Faulheit entspringt; ^und mache mit Fleiß dieses große Gesetz hart,weil wir von Natur ohne!,in wcichberzig genugsind, mit jedem Armen ohne Untersuchung Mit-leid zu haben, und unser Herz insgemein den ^Verstand betrügt, wenn es aufs Wohlthun an-kömmt. Das Sprichwort: Armuth schimpftniemand, dienet insgemein nur dem stolzen Ar-men, dessen Eitelkeit sich beleidigt fühlt. Undwenn wir mit dem Armen ins Verhör gehen: ^so finden sich immer viele zweideutige Umständezu seiner Entschuldigung. Daher mag die Ar-muth überhaupt immer etwas Verächtliches be-halten, wenn wir nur dabei unsre Hochachtunggegen die Frau, die zugleich mähet, bindet und ....säuget, verdoppeln. Jene Verachtung und diese "Hochachtung müssen zusammen bleiben und dieBewegungsgründe zum Fleiße verstärken.
Dieses Gesetz muß aber nicht eher in Uebungkommen, bevor wir nicht einige Veranstaltun- «5gen gemacht haben, wozu folgende, meines Er-messens, hinreichen werden. Man theile alleArme in drei Klassen.
In die erste Klasse sollen diejenigen kommen,
welche durch Unglücksfälle oder Gebrechlichkeitarm sind und einige Schonung verdienen.
In die andre: alle, welche eben keine Scho-nung verdienen, und sich nur damit entschuldi-gen, daß sie keine Gelegenheit zu arbeiten ha-den, um ihr Brod zu gewinnen.
In die dritte: alle muthwilliqe Bettler, diedurch ihr eigen Verschulden arm sind, und garnicht arbeiten wollen, ohnerachtet sie Gelegen-heit, Geschicklichkeit und Kräfte dazu haben.
Die Einrichtung dieser Klaffen werden mitZuziehung der Pfarrer und mit der genauestenUntersuchung gemacht; sodann aber die erstereKlaffe durch öffentliche Vorsorge zu Hause ver-sorgt; die andere mit Arbeit versehen; und diedritte in dem angelegten Werkhause dazu ge-zwungen.
Man sieht leicht ein, daß bei diesem Planalles auf die Vorkehrungen für die zweite Klasseankomme. Und wenn ich zeige, daß mit denArmengeldern, welche jetzt vertheilet werden,noch halb so viel mehr als sonst ausgerichtetwerden könne: so glaube ich wenigstens einenguten Rath dazu mitgetheilt zu haben. Ichwill solchen auf einen ganz leichten Satz bauen.„Man nehme z. E. in seine Hand zwei Tha-„ ler, und gebe einigen Armen davon V Mgr.:„so sind 12 Personen versorgt. Man lasse aber„diese 12 Personen jede 2 Stücke Garn, welche„zusammen ? Mgr. werth sind, spinnen, und„bezahle ihnen solche mit 8 Mgr: so ernährt„ man
„->) mit eben diesen zwei Thalern 18 Perso-nen; jede davon bekömmt„>>) 2 Mgr. mehr; es bleiben„o) die Armen durch die Arbeit gesund; siegenießen
„ll) ihr Brod nicht umsonst; locken also„<!) andere nicht zum Unfleiße, und laufen„t'j nicht herum."
Diese Sätze sind klar; nur wird man sagen:Die Armen werden entweder das Garnvon andern aufkaufen, oder es werdenauch selbst fleißige Leute sich zu den Ar-men gesellen, um ihr Garn zum dop-pelten Preise zu verkaufen.
Der Einwurf ist richtig. Allein hier mußman durch einigen Schimpf vorbauen.
Man wähle folglich ein öffentliches Zimmerauf einem Armenhofe. Dort seyn Räder undFlachs. Dieses sey des Winters gewärmt underleuchtet, und von dem frühesten Morgen biszum spätesten Abend keinem Armen verschlossen.Und was in diesem Zimmer gesponnen wird,das werde doppelt bezahlt. Der Schimpf, ineinem öffentlichen Zimmer zu spinnen, und inder Zahl der Armen bek mni zu seyn, wird denfleißigen und empfindlichen Mann hinlänglichabhalten, seine Harch sinken zu lassen. Hinge-gen ist eben dieser Schimpf ,flcht unschwer fürdiejenigen zu rragen die sonst auf den Gaffenbetteln und von Obrigkeitswcgen in die zweiteKlaffe gesetzt sind. Die Anstalt wird den Be-trug verhüten, und bei einem Lichte und einerWärme können mehrere Personen zusammensitzen, mithin vieles ersparen. Dabey hat jederArme seine Freiheit zu gehen und zu kommen,und wenn er des Tages eine bessere Arbeit findet, solcher nachzugehen.