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Iustus Möser.
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einer Art von öffentlicher Beschimpfung gelebthaben, weil ein jeder von mir gesagt habenwürde: Der Mann hat keine Verdienste. Glau-ben Sie mir gewiß, so lange wir Menschenbleiben, ist es besser, daß unterweilen auchGlück und Gunst die Preise austheilen, als daßeine menschliche Weisheit solche jedem nach sei-nen Verdiensten zuwäge; es ist besser, daß Ge-burt und Alter, als wahrer Werth die Rang-ordnung in der Welt bestimme. Ja ich getrauemir zu sagen, der Dienst würde gar nicht be-stehen können, wenn jede Beförderung sich le-diglich auf das Verdienst gründete. Denn allediejenigen, so mit dem Beförderten in gleicherHoffnung gestanden — und dieses würde natür-licher Weise der Fall aller derjenigen gewesenseyn, die nur irgend eine gute Meinung vonsich gehabt hätten — würden sich für beleidigtund beschimpft halten. Ihre Gesinnungen wür-den sich gegen ihn, gegen den Dienst undgegen den Herrn wenden; sie würden in Haßund Feindschaft ausbrcchcn; und in kurzer Zeitwürde man unter allen Kriegs - und Landesbe-dienten eben die Auftritte sehen, welche mansonst nur an Höfen und auf Universitäten sieht,wo der Ruhm persönlicher Verdienste näher inBetracht kömmt, folglich auch alle obige Fehlererzeugt. Erwägen Sie dagegegen den Fall, wodieser durch eine höhere Geburt, jener durchseine mehrern Jahre im Dienste, und dann undwann auch einer durch einen glücklichen Zufallbefördert wird: so bleibt es einem jeden frei, sichdamit zu schmeicheln, daß es nicht nach Verdienstenin der Welt gehe; es kann sich so leicht nie-mand für beschimpft halten; die Eigenliebe be-ruhiget sich, und man denkt: Glück und Zeitenwerden uns auch an die Reibe bringen. Mitdiesen Gedanken vertreiben wir unsern Kummer,fassen neue Hoffnungen, arbeiten fort, vertra-gen den Glücklichern, und der Dienst wird nichtgehindert. Anstatt daß der Fähndrich dem Lieu-tenant, und dieser dem Hauptmann heimlichzu schaden suchen würde, wenn der Obere demUntern bloß seines größer» Verdienstes halbervorgesetzet worden. Die größte Zwietracht findetsich insgemein unter den Generals, weil dieHauptausführungen bisweilen große Verdiensteerfordern. Allein diese Zwietracht würde allgemeinseyn, wenn die Offiziere nach den Grundsätzenbefördert würden, nach welchen Generale zuAusführungen erwählet werden.
Und wie viele Ungerechtigkeiten würden nichtin einem Staate, unter dem Scheine das Ver-dienst zu befördern, vorgenommen werden kön-nen? Der Fürst ist nicht allemal ein einsichts-voller Richter; er kann auch von seiner Höhenicht alles übersehen. Diesem würde ein Günst-ling, jenem eine Maitresse Verdienste leihen,und wahrscheinlich würde der dreiste Stümperden bescheidnen Künstler, der gefällige Schmeich-ler den stillen Redlichen, der unruhige Projcc-rcnmacher den erfahrnen Kammeralistcn, unddas Schtmmernde allemal das Wahre verdrän-gen. Der Fürst, wo er wider alle Wahrschcin-keit nicht zugleich der größte Mann von Ein-sicht und Redlichkeit wäre, würde sich wenigstensin der größten Verlegenheit befinden; oder sichunter dem Vorwande, das Verdienst zu beloh-
nen, zu einem orientalischen Despoten erheben,der zuerst aus einem ähnlichen Grundsätze ab-gereiset ist, wie er einen Sclaven zu seinemersten Minister verordnete, alle Klaffen derMenschen durch einander mischte, und sich alleinzum Ungeheuer machte. Wer ruhig in der Weltleben; wer die Süßigkeit der Freundschaft ge-nießen ; wer den Beifall der Redlichen behaltenund große Endzwecke befördern wollte : würdesein Verdienst verläugnen, und sich vor allenäußerlichen Belohnungen desselben mit der größ-ten Sorgfalt in Acht nehmen müssen.
Wären wir Menschen nicht so beschaffen,daß jeder nicht die beste Meinung von sich selbsthätte: so möchte es freilich anders seyn. Alleinso lange wir unsre jetzige Natur und unsreLeidenschaften behalten, und so lange es gewisser- -maßen nöthig ist, daß jeder eine gute Meinungvon sich selbst habe, scheinet mir die Beförderungnach Verdiensten gerade das Mittel zu seyn,alles zu verwirren. Schon jetzt ist es im Mili-tärstande eine Art von Gesetz, daß der ältereOffizier seinen Abschied nehmen muß, wennihm ein jüngerer vorgezogen wird. Was würdees dann nicht seyn, wenn das Avancement nachVerdiensten ginge, wenn auf einmal der General-adjutant, der einem allen General jetzt zumRathgcber zugegeben wird, diesem und allenübrigen vorgesetzet würde? Würden hier nichtalle diejenigen öffentlich gescholten und außerStand gesetzt werden, länger zu dienen, wenndas Verdienst alles entschiede?
Zwar hat ein großer König unsrer Zeitenein Mittel erfunden, auch in diesen Fällen dieGemüther zu beruhigen. Er geht oft die Ord-nung des Dienstalters vorbei, zieht einen ge-schickten dem ältern vor, und befördert nacheiniger Zeit einen vorbeigegangenen auf eine soschmeichelhafte Art, daß jeder übergangcne alle-zeit im Zweifel erhalten wird, ob der Königihn nur zu einer bessern Beförderung gesparet,oder aber aus Mangel von Verdiensten zurück-gesetzet habe. Allein dieses Mittel wird allezeitals außerordentlich betrachtet werden müssen;es gehört blos für den Herrn, den Einsicht undErfahrung zu dessen Gebrauch privilegiren. Injeder andern Hand würde es das gefährlichstefür die Ruhe der Menschen, und der helle Wegzur äußersten Sclaverei seyn.
Sie wenden mir ein, bei großen Verdienstenfinde sich auch alle Zeit Bescheidenheit und Mä-ßigung, und mit Hülfe dieser Tugenden würdeder Glückliche sich mit dem Unglücklichen leichtversöhne», und die Empfindungen des Haffesund Neides ersticken, welche sich zum Nachtheildes Dienstes in der Brust aller Zurückgesetztenerzeugen könnten. Allein sobald Verdienste öf-fentlich erkannt nnd belobet sind, wird einemdie Bescheidenheit und Mäßigung nur für Po-litik angerechnet, und man kann davon keineWirkung hoffen. Ja ich möchte sagen, die Be-scheidenheit vermehre oft nur die Kränkung desUnbclohnten, weil dieser nicht selten wünscht,an dem Glücklichen einen Fehler zu finden, umihn zu seiner eigenen Ruhe desto rechtmäßigerhassen zu können: so sind wir Menschen. Zu-dem wiegt der Sraat die Verdienste nicht wieder Sittenlehrer ab. Jener zieht oft große
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