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Justus Möser.
ganzes Verdienst setzt, unter uns würbet. Andreunter ihnen haben sich daher der großen Beredt-samkeit, worin das Herz des heiligen Paulusentbrannte, ganz enthalten, und dafür Gründ-lichkeit mit Simplicität verbunden. Ich glaube 5auch inimer, daß wir Deutschen Hiebei wenigerwagen, als wenn wir mit den Flcchiers undMassill ons die Harfe Davids ergreifen, ohneden Geist zu haben.
Wie land, den Deutschland jetzt als den 10Meister in der Kunst, die Schleichwege desmenschlichen Herzens zu entblößen, und denwahren Gang unsrer Leidenschaften auf einelehrreiche und angenehme Art vorzustellen, be-wundert, schien mir in seinen ersten Versuchen 15ein unwahrer Dichter: seine Rede glühete mehrund sein Colorit war weit lebhafter als seineEmpfindung; oder diese war, wie es der Ju-gend gewöhnlich ist, nicht hinlänglich genährtund gesättigt. Daher liefet man seine ersten 2VGedichte nicht mehr so gern wie seine spätern.Allein mit den Jahren wie mit dem Genusseward seine Empfindung mächtig; nun wardihm die Sprache oft zu enge, die volle Empfin-dung quoll über den Ausdruck, und man sah 25in seinen spätern Werken immer mehr Schönheit,als ihm die Sprache zu zeigen verstattete.
Wahrscheinlich ist es auch nicht, daß wiruns so ganz in die Empfindung unsrer Mach-baren versetzen werden. So wie diese andre 30Bedürfnisse haben, so ist ibnen auch dieses undjenes weit angelegener als uns. Die Spanierinnhöret eine Serenade mit einer ganz andern Ent-zückung, als eine Deutsche; die Schönheit desSonnets, welches der Italiener als das wahre 35Ebenmaaß einer Grazie mit Recht bewundert,ist in Deutschland nie gehörig empfunden, unddas Meisterstück von Filicaja würde denmehrsten unter uns unbekannt geblieben seyn,wenn es ihnen R.ichardson nicht gezeigethätte. 40Die französische Bühne steht mit der National-Erziehung in dem richtigsten Verhältnisse; und,indem der Deutsche schreiben muß um Professorzu werden, geht der Engländer zur See umErfahrungen zu sammeln. Obne nun in den 45nehmlichen Verhältnissen zu stehen und die Be-dürfnisse zu fühlen, welche die Spanierinn lau-schen macht, und den Sinn des Italieners fürsEbenmaaß in Bewsgung setzt, werden wir niewie sie empfinden; und so können auch ihre 50Ausdrücke und Tropen bey uns nie den Gradder Wahrheit erhalten, den sie in ihrem wahrenDaterlande haben. Selbst ein Mensch kann sichnicht des andern Worte so zueignen, daß sie inseinem Munde die Wahrheit haben, womit der 55andre sie vorbringt. Wie Ihr König'ehedembey einer Menge trauriger Nachrichten sagte:<)ue oela lait perüre courage! und mit Wärmehinzusetzte: il kaut q»n no»s roüoukljons nmiu-tenant nos «Horts; so ist niemand im Stande 60ihm dieses mit dem Grade der Wahrheit undder Empfindung nachzusprechen, womit er cs>selbst hervorgebracht hat. Der schöne Uebergangdes Abbv Eoyer, womit er die Erzählungdessen was an dem Tage nach dem Entsatze von 65Wien vorgefallen ist, anfängt: Im lonümnai»<>'»»o violviro «st o„o«,o „n Iion» s»»r, wirdnicht leicht irgendwo wahrer als auf dieserStelle seyn, wo die rettenden Fürsten in hoher
Kurz, Pros. Lik.
Freude den Dank der Geretteten annehmen,erhaltene Freunde einander am Halse hangen,und jedermann in Erkenntlichkeits - und Freu-denlhränen zerfließt.
Meiner Meinung nach, müssen wir alsodurchaus mehr aus uns selbst und aus unsermBoden ziehen, als wir bisher gethan haben,und die Kunst unsrer Machbaren höchstens nurin so weit nutzen, als sie z„r Verbesserungunsrer eigenthümlichen Güter und ihrer Kulturdienet. Wir müssen es wie Rousseau machen,der alle Regeln und Gesetze seiner Zeit um sichherum stehen oder falle» ließ, um aus sich selbstzu schöpfen und seine Empfindungen allein aus-zudrücken; oder wie Klopstock, der nicht erstden Milton laß, um seinen Messias zu bilden.
Zwar können wir auf diese Weise leicht aufIrrwege gerathen- Denn indem wir tief in unszurückgehen, und was wir also empfinden, aus-drücken: verlassen wir einen Pfad, welchen auchschon Meister vor uns geebnet haben, und ge-rathen leicht auf Verhältnisse, die wir hernachmit der Rechnung nicht bezwingen können; oderwir folgen, wie Göthe in Werthers Leiden,bloß der erhöhetcu Empfindung, und opfern dielogische Wahrheit der ästhetischen auf. Alleinwir bringen doch damit eigne edle Erze zu Tage,und es werden sich dann auch Philosophen un-ter uns finden, welche sie prüfen, läutern undzu großen Werken verarbeiten werden.
Ich will jedoch hiemit gar nicht sagen, daßwir uns nicht auch fremdes Gut zu Nutze ma-chen sollen- Wir müßten unsern Hagedorn,der mit so vielem Fleiße als Erfolge nach dengrößten Meistern unsrer Machbaren studiret undihre schönsten Früchte bey uns einheimisch ge-macht, und veredelt hat, nicht lieben; wirmüßten undankbar gegen Gleim, Namlerund die Karfchin seyn, welche deutsches Gutmit römischer Kunst bearbeitet, und unsererSprache neue Kraft verschaffet haben; wir müß-ten unsern geliebten Geliert, der in seinerschönen und kunstvollen Nachlässigkeit seine Meisterübertreffen hat, vergessen haben, wenn wir die-ses thun wollten. Mein Wunsch ist nur, daßwir uns von dem Könige nicht so einzig an diegroßen Ausländer verweisen lassen, und unsernGötzen von Bcrlichingen sogleich mit Verachtungbegegnen sollen. Auch die Klingcr, die Lenzeund die Wagner zeigten in einzelnen Theilen eineStärke wie Herkules, ob sie sich gleich auch wiedieser zuerst mit einer schmutzigen Arbeit be-schäftigten, und vielleicht zu früh für deutscheKunst und ihren Ruhm verstorben. Und esbedürfte nur noch eines Lessings, um dendeutschen Produkten diejenige Vollkommenheitzu geben, die sie erreichen, und womit sie derNation gefallen können.
Nun noch ein Wort von unsrer Sprache,die der König der französischen so sehr nachsetzt,und ihr bald Armuth bald Uebellaut vorrückt.Sie ist, so sehr sie sich auch seit GottschedsZeiten bereichert hat, ich gestehe es, in manchemBetracht noch immer arm; aber das ist derFehler aller Buchsprachen, und am mehrstender französischen, die wiederum so sehr gerei-niget, verfeinert und verschönert ist, daß mankaum ein mächtiges, rohes oder schnurrigesBild darin ausdrücken kann, obne wider ihren