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Justus Möser.
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und fruchtbarer ausdrücken. Bis dahin aberwird die Geschichte, nach dem Wunsche Mil-lers, höchstens ein Urkundenbuch zur Sitten-lehre, und ihre Sprache natürlicher Weise er-baulicher oder gelehrter Vortrug bleiben, deruns unterrichtet aber nicht umsonst begeistert;in so fern wir nicht auch, nachdem wir wiedie Franzosen alle Arten von Romanen erschöpfethaben werden, die ernsthafte Muse der Ge-schichte zur Dienerinn unsrer Ueppigkeit ernie-drigen wollen.
Alle diese glücklichen Veränderungen sindaber während der Regierung des Königs vor-gefallen, wie er schon seinen Vorgeschmack nachden bessern Mustern andrer Nationen gebildethatte, und in unsrer Sprache vielleicht nurMemorialien und Dekrete zu lesen bekam. Erhatte nachher Voltaire um sich, einen Mannder durch die Großheit seiner Empfindungenund seiner Manier, alles um sich herum undseine eigenen Fehler verdunkelte; er liebte Al-garotti, den feinsten und nettesten Denkerseiner Zeit; er zog die wenigen großen Leute,welche Frankreich hatte, an sich; und unter dendeutschen Gelehrten fand sich noch kein Dal-berg, kein Fürstenberg, der aus die Ehre,welche er dem ausländischen Verdienste gab,Anspruch machen konnte. Hiezu kömmt, daßseine Gedanken über die deutsche Litteratur undSprache wahrscheinlich weit früher niederge-schrieben als gedruckt sind; und so ist es keinWunder, wenn sie unsrer neuen Litteratur keineGerechtigkeit haben wiederfahren lassen.
Und doch glaube ich nicht zu viel zu wagen,
wenn ich behaupte daß der König selbst, dawo er sich als Deutscher zeigt, wo Kopf undHerz zu großen Zwecken mächtig und dauerhaftarbeiten, größer ist, als wo er mit den Aus-5 ländern um den Preis in ihren Künsten wetteifert.In seiner „Jnstrucktion für seine Generale" ister mir wenigstens mehr als Cäsar, durch denGeist und die Ordnung womit er viele verwi-ckelte Fälle auf wenige einfache Regeln zurück-10 bringt; in seinen vertrauten Briefen, die erbey schweren Vorfällen geschrieben hat, finde ichdeutsche Kraft und Dauer; seiner Abhand-lung über die, Vaterlandsliebe, den systemati-schen Geist der Deutschen; und in seinen Ge-lb danken über unsre Litteratur, ein edles deutschesHerz, das nicht spotten, sondern würklich nü-tzen und bessern will. Da hingegen, wo es aufVerzierungen ankömmt, sehe ich in seinenSchriften oft die Manier des fremden Meisters:20 und es geht mir als einem Deutschen nahe, ihn,der in allem übrigen ihr Meister ist, und auchin deutscher Art und Kunst unser aller Meisterseyn könnte, hinter Voltairen zu erblicken.
Schließlich muß ich Ihnen, liebster Freund,25 noch sagen, wie es mir an vielen von unsernDeutschen nicht gefalle, daß sie den Ausländernzu wenig Gerechtigkeit wiederfahren lassen. Ichdenke in diesem Stücke, wie Pinto: „alle„Nationen können handeln und reich werden,3» „ohne daß sie nöthig haben sich einander zu„schaden;" und alle Nationen können in derArt ihrer Litteratur groß werden, ohne daßsie ihre Mitminner') zu verachten brauchen.
IX. Osnabrück'g älteste Verfassung.
g. 1. Die Herkunft der erstenEinwohner.
Das Stift Osnabrück hat gleich andern 45Sprengeln den Namen von dem Orte seinerbischöflichen Kirche bekommen. Vorhin und ehediese Stiftung geschehen, ist also wohl ein Ort,aber kein Staat oder Land gleiches Namensvorhanden gewesen. Allein auch dieser Ort 50kann kein großes Alterthum haben, indem dieEinwohner Deutschlandes lange keine Städteund Dörfer unter sich duldeten. ?) Eine gleicheVorstellung kann man sich von allen benach-barten Stiftern und Grafschaften machen. Sie 55sind nach einem Städtchen, Schlosse oder Dorfebenannt. Und wenn man über diesen ihrenbekannten Ursprung hinausgeht; so verlierensich ihre heutigen Namen und Gränzen, und
alles vermischt sich in einer dunklen Ferne, so-bald man in die Zeiten steigt, worin die Deut-schen noch keine Kriege mit den Römern führ-ten. Es lassen sich also von der Herkunft unsrerVorfahren, und von ihren ersten Einrichtungenund Kriegen nur allgemeine Vermuthungenwagen. Vielleicht haben sie eben so gut, alsandere Völker, ihre Helden und Dichter gehabt,und sind beides. Thaten und Lieder vergessen.
g. 2 . Die wahren Landeseinwohnerwohnen noch einzeln.
Etwas Merkwürdiges aber ist es wohl daßdie wahren Landeseinwohner insgesammt nocheinzeln auf abgesonderten und insgemein rings-umher aufgeworfenen Höfen wohnen, welche keinallgemeines Maaß H oder Verhältniß zu einan-der haben. Man theilet sie in ganze, halbe und
>i bleclomlmmms, sagt der Holländer für liivnux.
2) ..Daß die Germanischen Völker keine Städte bewohnen, ist bekannt genug, ja daß sie nicht einmal untersich verbundene Wohnsitze dulden." TacituS, Germania, Cap. >6. Sie sahen solche entweder als Zuchthäuser, oderals Anlagen wider die gemeine Freiheit an. TacituS Geschichte 4, 84.
g) In keiner Urkunde und in keinem Lehnbricfe findet man eine Hübe, oder einen Acker, oder ein VorlingLandes. Morgen trifft man nur vor Städten, oder in Eschen (gemeinschaftlichen Fluren) an. Der Bauer bcsitzet Stücken Landes, Kämpe, und andere Plätze, welche das Gepräge einer alhcn Maaße nicht an sich habe»,und jetzt nach Schcffelsaat überschlage» werden.