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Johann Georg Hamann.
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ein Schwabe ist, so haben sie beide die langeWeile des Publicums zu ihrem Ruhm vertrie-ben; wiewohl das Publicum auch für die Ge-fälligkeit, womit es die ungleichen Fehler die-ser Rationalschriftsteller übersehen, gelobt zuwerden verdient.
Deslandes, ein Autor von encyclischemWitz, hat eine chinesische Kaminpuppe für dasKabinet des gallicanischen Geschmacks hervorge-bracht. Der Schöpfer der schönen Naturscheint die größten Köpfe Frankreichs, wie Ju-piter ehmals die Riesen, zur Schmiede derStrahlen und Schwärmer verdammt zu haben,die er zum tauben Wetterleuchten und ätheri-schen Feuerwerken nöthig hat.
Aus den Urtheilen, die ich über alle dieseehrlichen und feinen Versuche von einem kriti-schen System der philosophischen Geschichte ge-fällt, läßt sich mehr als wahrscheinlich schließen,daß ich keines davon gelesen, sondern bloß denSchwung und Ton des gelehrten Haufens nach-zuahmen, und denjenigen, zu deren Besten ichschreibe, durch ihre Nachahmung zu schmeichelnsuche. Unterdessen glaube ich zuverläßiger, daßunsere Philosophie eine andere Gestalt nothwen-dig haben müßte, wenn man die Schicksale die-ses Namens oder Wortes: Pbilosopbie, nachden Schattirungen der Zeiten, Köpfe, Geschlech-ter und Völker, nicht wie ein Gelehrter oderWeltweiser selbst, sondern als ein müßiger >)Zuschauer ihrer olympischen Spiele studirt hätteoder zu studiren wüßte.
Ein Phrygier, wie Aesop, der sich nachden Gesetzen seines Klima, wie man jetzt re-det, Zeit nebmen mußte, klug zu werden, undein so natürlicher Tropf, als ein La Fontaine,der sich besser in die Denkungsart der Thiereals der Menschen zu schicken und zu verwan-deln wußte, würden uns anstatt gemalter Phi-losophen oder ihrer zierlich verstümmelten Brust-bilder, ganz andere Geschöpfe zeigen, und ihreSitten und Sprüche, die Legenden ihrer Lehrenund Thaten mir Farben nachahmen, die demLeben nässer kämen-
Doch sind vielleicht die philosophischen Chro-niken und Bildcrgallericn weniger zu tadeln,als der schlechte Gebrauch, den ikre Liebhaberdavon machen. Ein wenig Schwärmerey undAberglauben würde hier nicht nur Nachsicht ver-dienen, sondern etwas von diesem Sauerteigegehört dazu, um die Seele zu einem philoso-phischen Heroismus in Gährung zu setzen. Einbrennender Ehrgeitz nach Wahrheit und Tugend,und eine Eroberungswuch aller Lügen und La-ster, die nämlich nicht dafür erkannt werden,noch seyn wollen; hierin besteht der Heldengeisteines Wcltweisen.
Wenn Cäsar Thränen vergießt bey derSäule des macedonischen Jünalings, und dieserbey dem Grabe Achills mir Eifersucht an einenHerold des Ruhms denkt, wie der blinde Min-nesänger war: so biegt ein Erasmus im Spottsein Knie für den heiligen Sakrales, und diehellenistische Muse unsers von Bar muß den
komischen Schatten eines Thomas Diafoi-rus beunruhigen, um uns die unterirdischeWahrheit zu predigen-: daß es göttliche Men-schen unter den Heiden gab, daß wir die Wolke5 dieser Zeugen nicht verachten sollen. daß sie derHimmel zu seinen Boten und Dollmetschernsalbte, und zu eben dem Berufe unter ihremGeschlecht einweihte, den die Propheten unterden Juden hatte».
lt> Wie die Natur uns gegeben, unsere Auge»zu öffnen; so die Geschichte, unsere Ohren.Einen Körper und eine Begebenheit bis aufihre ersten Elemente zergliedern, heißt, Gottesunsichtbares Wesen, seine ewige Kraft und15 Gottheit ertappen wollen. Wer Messe und denPropheten nicht glaubt, wird daher immer einDichter, wider sein Wissen und Wollen, wieBusfon über die Geschichte der Schöpfung,und Montesquieu über die Geschichte des2» römischen Reichs.
Wenn kein junger Sperling ohne unser»Gott auf die Erde fällt, so ist kein Denkmalaller Zeiten für uns verloren gegangen, daswir zu beklagen hätten. Sollte seine Vorsorge25 sich nicht über Schriften erstrecken, da ErSelbst ein Schriftsteller geworden, und derGeist Gottes so genau gewesen, den Werth derersten verbotenen Bücher aufzuzeichnen, die einfrommer Eifer unserer Religion dem Feuer ge-30 opfert? sApostelgesch.X1X.il>.> Wir bewundernes an Pompejus als eine kluge und edle Hand-lung, daß er die Schriften seines Feindes Ser-lorius aus dem Wege räumte; warum nichtan unserm Herrn, daß er die Schriften eines35 EelsuS untergehen lassen? Ich meine also nichtohne Grund, daß Gott für alle Bücher, woranuns was gelegen, wenigstens so viel Aufmerk-samkeit getragen, als Cäsar für die beschriebeneRolle, mit der er in die See sprang, oder40 Paulus für sei» Pergamen zu Lroada. >2. Tim.IV, 13.)
Halte der Künstler, welcher mir einer Linsedurch ein Nadelöhr traf, nicht an einem SchefftlLinsen genug zur Uebung seiner erworbenen45 Geschicklichkeir? Diese Frage möchte man an alleGelehrte thun, welche die Werke der Alte»nicht klüger, als jener die Linsen, zu brauchenwissen. Wenn wir mehr hätten, als- uns dieZeit hat schenken wollen, so würden wir selbst50 gcnöihigel werden, unsere Ladungen über Bordzu werfen, unsere Bibliotheken in Brand zustecken, wie die Holländer das Gewürz.
Mich wundert, daß noch keiner so viel überdie Historie gewagt, als Baco für die Physik55 gethan. 2) Bolingbroke giebt seinem Schülerden Rath, die ältere Geschichte überhaupt wiedie heidnische Götterlehre und als ein poetischWörterbuch zu studiren. Doch vielleicht ist dieganze Historie mehr Mythologie, als es dieser00 Philosoph meynr, und gleich der Natur einversiegelt Buch ein verdecktes Zeugniß, einRäthsel, das sich nicht auslösen läßt, ohne mireinem andern Kalbe, als unserer Vernunft,zu pflügen.
t> Ein Mensch ohne Geschäfte heißt ans griechisch Argus.
2) Die Geschichte. Wissenschaft des scharfsinnigen Ehladcnins ist btnß als ei» nützlich Supplement unsererscholastischen oder akaeemischeu Pcrnunsllchrc anzusehen.