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Johann Georg Hamann.
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zu strafen, kein Kenner seines guten Herzensseyn. Daß er das ihm beschuldigte Laster gehaßt,wissen wir aus seinem Eifer gegen dasselbe,und in seiner Geschichte sind Merkmale seinerUnschuld, die ihn beynahe lossprechen. Mankann keine lebhafte Freundschaft ohne Sinnlich-keit fühlen, und eine metaphysische Liebe sündigtvielleicht gröber am Nervensaft, als eine thie-rische an Fleisch und Blut. Sakrales hat alsoohne Zweifel für seine Lust an einer Harmonieder äußerlichen und innerlichen Schönheit, insich selbst leiden und streiten müssen. Ueberdießwurden Schönheit, Stärke des Leibes undGeistes, nebst dem Reichthum an Kindern undGütern, in dem jugendlichen Alter der Weltfür Sinnbilder göttlicher Eigenschaften undFußstapfen göttlicher Gegenwart erklärt. Wirdenken jetzt zu abstrakt und männlich, diemenschliche Natur nach dergleichen Zufälligkeitenzu beurtheilen. Selbst die Religion lehrt unseinen Gott, der kein Ansehen der Person hat;ohngeachtet der Mißverstand des Gesetzes dieJuden an gleiche Vorurtheile hierin mit denHeiden gebunden hielt. Ihre gesunde Vernunft,woran es den Juden und Griechen so wenigfehlte als unsern Christen und Muselmännern,stieß sich daran, daß der Schönste unter denMenschenkindern ihnen zum Erlöser ver-sprochen war, und daß ein Mann der Schmer-zen, voller Wunden und Striemen, der Heldihrer Erwartung seyn sollte. Die Heiden wa-ren durch die klugen Fabeln ihrer Dichteran dergleichen Widersprüche gewöhnt; bis ihreSophisten, wie unsere, solche als einen Vater-mord verdammten, den man an den erstenGrundsätzen der menschlichen Erkenntniß begeht.
Von solchem Widerspruch finden wir einBeyspiel an dem Delphischen Orakel, das den-jenigen für den weisesten erkannte, der gleich-wohl von sich gestand, daß er nichts wisse.Strafte Sokrates das Orakel Lügen, oder dasOrakel 'ihn? Die stärksten Geister unserer Zeithaben für diesesmal die Priesterinn für eineWahrsagerinn gehalten, und sich innerlich überihre Ähnlichkeit mit dem Vater Sokrates gefreut,der es für gleich anständig hielt, einen Idiotenzu spielen oder Göttern zu glauben. Ist übri-gens der Verdacht gegründet, daß /ich Apollnach den Menschen richte, weil diese zu dummsind sich nach ihm zu richten: so handelt er alsein Gott, dem es leichter fällt zu philippisirenoder zu sokratisiren, als uns, Apollos zu seyn.
Die Ueberlieferung eines Götterspruches willaber so wenig als ein Komet sagen für einenPhilosophen von heutigem Geschmack. Wirmüssen nach seiner Meynung in dem Buche,welches das thörichste Volk auf uns gebracht,und in den Ueberbleibseln der Griechen undRömer, sobald es auf Orakel, Erscheinungen,Träume und dergleichen Meteore ankommt,diese Mährchen unserer Kinder und Ammen(denn Kinder und Ammen sind alle ver-floßne Jahrhunderte gegen unser lebendes inder Kunst zu erfahren und zu denken) ')absondern, oder selbige als die Schnörkel unserer
Alpendichter bewundern. Gesetzt, dieses würdealles so reichlich eingeräumt, als man unver-schämt seyn könnte es zu fordern: so wirdBayle, einer ihrer Propheten, zu dessenFüßen diese Kreter mit so viel Anstand zugähnen gewohnt sind, weil ihr Gamaliel?)gähnt, diesen Zweiflern antworten, daß, wennalle diese Begebenheiten mit dem Einfluß derGestirne in gleichem Grade der Falschheit ste-hen, wenn alles gleichartig erlogen und erdachtist, dennoch der Wahn, die Einbildung und derGlaube ?aran zu ihrer Zeit und. an ihrem Ortwirklich größere Wunder veranlaßt habe undveranlassen könne, als man den Kometen,Orakelsprüchen und Träumen selbst jemals zu-geschrieben hat, noch zuschreiben wird. In die-sem Verstände sollten aber die Zweifler mehrRecht als unsere Empiriker behalten, weil esmenschlicher und Gott anständiger aussieht, unsdurch unsere eigene Grillen und Hirngespinste,als durch eine so entfernte und kostbare Ma-schinerey, wie das Firmament und die Gei-sterwelt unseren blöden Augen vorkommt, zuseinen Absichten zu regieren.
Zweiter Abschnitt.
Ein Mann, der Geld zu verlieren hatte,und vermuthlich auch Geld zu verlieren verstand,den die Geschichte Kriton nennt, soll die Un-kosten getragen haben, unsern Bildhauer .ineinen Sophisten zu verwandeln. Wer der ety-mologischen Miene seines Namens traut, wirddiesen Anschlag einem weitsehcnden Urtheil, einleichtgläubiger Schüler der täglichen Erfahrunghingegen einem blinden Geschmack an Sokrateszuschreiben.
Die Reihe der Lehrmeister und Lehrmeister-innen, die man dem Sakrales giebt, und dieKriton ohne Zweifel besolden mußte, ist an-sehnlich genug; und doch blieb Sokrates un-wissend. Das freche Geständniß davon wargewißermaßen eine Beleidigung, die man aberdem aufrichtigen Clienten und Candidalen scheintvergeben zu haben, weil sie auf ihn selbst amschwersten zurück siel. Das Loos der Unwissen-heit und die Bloße derselben macht eben so un-versöhnliche Feinde als die Ueberlegenheit anVerdiensten und die Schau davon. War Sa-krales wirklich unwissend, so mußte ihm auchdie Schande unwissend seyn, die vernünftigeLeute sich ergrübeln, unwissend zu scheinen.
Ein Mensch der nichts weiß, und der nichtshat, sind Zwillinge eines Schicksals. DerFürwitzige und Argwöhnische zeichnen und fol-tern den ersten als einen Betrüger; wieder Gläubiger und Räuber den letzten, unter-dessen der Baucrstolz des reichen Mannes undPolyhistors beide verachtet. Eben daher bleibtdie philosophische Göttin des Glücks eine be-währte Freundinn des Dummen, und durchihre Vorsorge entgehen die Einfälle des Armenden Motten länger als blanke Kleider und rau-schende Schlafröcke, als die Hypothesen undFormeln der Kalender - System - und Projekt-
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I) Das heißt, Essais und Pcnsccs oder Loisirs zu schreiben.
2> Bayle eiferte für die NcligioiiSduldung wie dieser Pharisäer. Apost. Gesch. S.