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Johann Georg Hamann.
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wacher, als die sibyllinischen Blätter der Stern-und Skaalsseher.
Sakrales scheint von seiner Unwissenheit soviel geredet zu haben als ein Hypochondrist vonfeiner eingebildeten Krankheit. Wie man diesesUebel selbst kennen muß, um einen Milzsüch-kigen zu verstehen und aus ihm klug zu wer-den ; so gehört vielleicht eine Sympathie derUnwissenheit dazu, von der sokratischen einenBegriff zu haben.
Erkenne dich selbst! sagt die Thür jenesberühmten Tempels allen denen, die hcreingin-gen, dem Gott der Weisheit zu opfern undihn über ihre kleinen Händel um Rath zufragen. Alle lasen, bewunderten und wußtenauswendig diesen Spruch. Man trug ihn wieder Stein, in den er gegraben war, vor derStirn, ohne den Sinn davon zu begreifen.Der Gott lachte ohne Zweifel unter seinemgüldenen Bart, als ihm die küzliche Aufgabezu Sakrales Zeiten vorgelegt wurde: Wer derweiseste unter allen damals lebenden Menschenwäre? Sophokles und Euripides würdennicht so große Muster für die Schaubühne,ohne Zergliederungskunst des menschliche» Her-zens, geworden seyn. Sakrales übertraf sieaber beide an Weisheit, weil er in der Selbst-erkenntniß weiter als jene gekommen war, undwußte, daß er nichts wußte. Apoll antwortetejedem schon vor der Schwelle: wer weise wäreund wie man es werden könne? jetzt war dieFrage übrig: Wer Sich Selbst erkenne? undworan man sich in dieser Prüfung zu haltenhätte? Geh, Eherephon, lern es von Dei-nem Freunde. Kein Südlicher kann dieAchtsamkeit und Entäußerung eines Lehrmeisterssittsamer treiben, als womit Apoll seine Anbeterzum Verstände seiner Geheimnisse gängelte. Allediese Winke und Bruchstücke der älteste» Ge-schichte und Tradition bestätigen die Beobach-tung, welche Paulus und Barnabas den Ly-kaoniern vorhielten, daß Gort auch unter ihnensich selbst nicht un bezeuget gelassen, auchihnen vom Himmel Regen und fruchtbareZeiten gegeben. (Apostelgesch. k4.) Mit wieviel Wahrheit singt also nicht unsere Kirche:
Wohl uns des feinen Herren!
Ein sorgfältiger Ausleger muß die Natur-forscher nachahmen. Wie diese einen Körperin allerhand willkührliche Verbindungen mitandern Körpern versetzen, und künstliche Er-fahrungen erfinden, seine Eigenschaften auszu-holen , so macht es jener mir seinem Texte.2ch habe des Sakrales Sprüchwort mir derDelphischem Ucberschrifc zusammen gehalten: jetztwill ich einige andere Versuche thun, die Ener-gie desselben sinnlicher zu machen.
Die Wörter haben ihren Werth, wie dieZahlen, von der Stelle, wo sie stehen, undihre Begriffe sind in ihren Bestimmungen undVerhältnissen, gleich den Münzen, nach Ortund Zeit wandelbar. Wenn die Schlange derEva beweiset: Ihr werdet seyn wie Gottund Jehopha weissagt: Siehe Adam istworden als Unser einer; wenn Salomoausruft: Alles ist eitel! und ein alter Geckes ihm nachpfeift: so sieht man, daß einerleyWahrheiten mir einem sehr entgegengesetztenGeist ausgesprochen werde» können.
Ueberdem leidet jeder Satz, wenn er auchaus einem Munde und Herzen quillt, unend-lich viel Ncbenbegriffe, welche ihm die geben,so ihn annehmen, auf eben die Art, als dieLichlstralen diese oder jene Farbe werden, nachder Fläche, von der sie in unser Auge zurück-fallen. Wenn Sakrales dem Kriron durchsein: Nichts weiß ich! Rechenschaft ablegte,mir eben diesem Worte die gelehrten und neu-gierigen Athenienser abwies, und seinen schönenJünglingen die Verleugnung ihrer Eitelkeit zuerleichtern, und ihr Vertrauen durch seineGleichheit mit ihnen zu gewinnen suchte: sowürden die Umschreibungen, die man nach die-sem dreyfachen Gesichtspunkte von seinem Wahl-spruche machen müßte, so ungleich einanderaussehen, als bisweilen drey Brüder, die Söhneeines leiblichen Vaters sind.
Wir wollen annehmen, daß wir einem Un-bekannten ein Kartenspiel anböten. Wenn dieseruns antwortete: Ich spiele nicht; so wür-den wir dieß entweder auslegen müssen , daß erdas Spiel nicht verstände, oder eine Abneigungdagegen härten, die in ökonomischen, sittlichenoder andern Gründen liegen mag. Gesetztaber, ein ehrlicher Mann, von dem man wüßte,daß er alle mögliche Stärke im Spiel besäßeund in den Regeln sowohl, als verbotenenKünsten desselben bewandert wäre, der einSpiel aber niemals anders als auf den Fußeines unschuldigen Zeitvertreibes lieben undtreiben könnte, würde in einer Gesellschaft vonseinen Betrügern, die für gute Spieler gälten,und denen er von beiden Seiten gewachsenwäre, zu einer Parlhie mit ihnen aufgefordert.Wenn dieser sagte: Ich spiele nicht, sowürden wir mit ihm den Leuten ins Gesichtsehen müssen, mit denen er redet, und seineWorte'also ergänzen können: Ich spielenicht, nämlich, „mit solchen, als ihr seyd,„welche die Gesetze des Spieles brechen und das„Glück desselben stehlen. Wenn ihr ein Spiel„anbietet, so ist unser gegenseitiger Vergleich,„den Eigensinn des Zufalls für unsern Meister„zu erkennen, und ihr nennt die Wissenschaft„eurer geschwinden Finger Zufall, und ich„muß ihn dafür annehmen, wenn ich will,„ oder die Gefahr wagen, euch zu beleidigen,„oder die Schande wählen, euch nachzuahmen.„Hättet ihr mir den Antrag gethan, mit ein-ander zu versuchen, wer der beste Taschen-spieler von uns in Karle» wäre-, so hätte ich„anders antworten, und vielleicht mitspielen„wollen, um euch zu zeigen, daß ihr so schlecht„ gelernt habt Karten machen, als ihr versteht,„die euch gegeben werden, nach der Kunst zu„werfen." In diese rauhen Töne läßt sich dieMeinung des Sokrates auflösen, wenn er denSophisten, den Gelehrten seiner Zeit, sagte:Ich weiß nichts. Daher kam es, daß diesesWort ein Dorn in ihren Augen und eine Geisselauf ihren Rücken war. Alle Einfälle desSokrates, die nichts als Auswürfe und Ab-sonderungen seiner Unwissenheit waren,schienen ihnen so fürchterlich, als die Haare andem Haupte MedusenS, dem Nabel der Aegide-
Die Unwissenheit des Sokrates war Em-pfindung. Zwischen Empfindung aber undeinem Lehrsatz ist ein größerer Unterscheid, als
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