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Johann Georg Hamann.
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Vielleicht fehlte es ihm auch in seinem Hausean der Ruhe, Stille und Heiterkeit, die einPhilosoph zum Schreiben nöthig hat, der sichund andere dadurch lehren und ergötzen will-Das Vorurtheil gegen Lantippe, das durch denersten classischen Autor unserer Schulen an-steckend und tief eingewurzelt worden, hat durchdie Acta Philosophoruin nicht ausgerottet wer-den können, wie es zum Behuf der Wahrheitund Sittlichkeit zu wünschen wäre. Unterdessenmüssen wir säst ein Hauskreuz von dem Schlageannehmen, um eine» solchen Weisen als Sa-krales zu bilden. Die Reitzbarkeit seinerEinfälle konnte vielleicht aus Mangel und Eckcldaran von Lantippcn nicht behender gedämpftwerden, als durch Grobheiten, Beleidigungenund ihren Rachtspiegel: Einer Frau, welchedie Haushaltung eines Philosophen führen, undeinem Mann, der die Regierungsgeschäfte un-vermögender Großveziere verwalten soll, istfreylich die Zeit zu edel, Wortspiele zu ersin-nen und verblümt zu reden. Mit eben so we-nig Grunde hat man auch als einer Verläum-dung einer ähnlichen Erzählung von SokrarcsHeftigkeit widersprochen, mit der er sich aufdem Markte bisweilen die Haare aus demHaupte gerauft und wie außer sich gewesen seynsoll. Gab es nicht Sophisten und Priester zuAthen, mit denen Sakrales in einer solchenVerstellung seiner selbst reden mußte? Wurdenicht der sanftmürhige und herzlich de-müthige Menschen-Lehrer gedrungen, einWehe über das andere gegen die Gelehrten undfrommen Leute seines Volkes auszustoßcn?
In Vergleichung eines Lenophons undPlatons würde vielleicht der Styl des Sakra-les nach dem Meißel eines Bildhauers ausge-sehen haben, und seine Schreibart mehr plastischals malerisch gewesen seyn. Die Kunstlich-ter waren mit seinen Anspielungen nichtzufrieden, und tadelten die Gleichnisse seinesmündlichen Vertrages bald als zu weit herge-holt, bald als pöbelhaft. Alcibiades aber ver-glich seine Parabeln gewissen heiligen Bildernder Götter und Göttinnen, die man nach da-maliger Mode in einem kleinen Gehäuse trug,auf denen nichts als die Gestalt eines ziegen-füßigen Satyrs zu sehen war.
Hier ist ein Beyspiel davon. Sakrales ver-glich sich mit einem Arzte, der in einem gemei-nen Wesen von Kindern die Kuchen und dasAuckerbrod verbieten wollte. Wenn diese, sagteer, den Arzt vor einem Gerichte verklagenmöchten, das aus lauter Kindern bestände, sowäre sein Schicksal entschieden. Man machtezu Athen so viel Anschläge, an der Ruhe derGötter Theil zu nehmen, und gleich ihnen weiseund glücklich zu werden, als man heul zu Lagemacht nach Brod- und Ehrenstellen. Jeder neueGötzendienst war eine Finanzgrube der Priester,welche das öffentliche Wohl vermehren sollte;jede neue Secte der Sophisten versprach eineEncuclopaedie der gesunden Vernunft und Er-fahrung. Diese Projekte waren die Näschereyen,welche Sakrales seinen Mitbürgern zu verlei-den suchte.
Athen, das den Homer als einen Rasen-den zu einer Geldbuße verdammt haben soll,verurtheilte den Sakrales als einen Missethäterzum Tode.
5 Sein erstes Verbrechen wav, daß er dieGöltet; nicht geehrt und neue hätte einführenwollen. Plato läßt ihn gleichwohl in seinenGesprächen öfter bei den Göttern schwören, alsein verliebter Stutzer bey seiner Seele, oder10 ein irrender Ritter bei den Furien seiner Ah-nen lügt. In den letzten Augenblicken seinesLebens, da Sokratcs schon die Kräfte des Ge-sundbrunnens in seinen Gliedern fühlte, er-suchte er noch aufs inständigste seinen Äriton,15 einen Hahn zu bezahlen und in seinem Namendem Aeskulap zu opfern. Sein zweytes Verbrechenwar, ein Verführer der Jugend gewesen zuseyn, durch seine freyen und anstößigen Lehren.
Sakrales antwortete auf diese Bcschuldi-20 gungen mit einem Ernst und Muth, mit einemStolz und Kaltsinn, daß man ihn nach seinemGesichte eher für einen , Befehlshaber seinerRichter, als für einen Beklagten härte ansehensollen.
25 Sokrates verlor, sagt man, einen giftigenEinfall, >) und die gewissenhaften Areopagirendie Geduld. Man wurde also hierauf bald überdie Strafe einig, der er würdig wäre, sowenig man sich vorher darüber hatte vergleichen30 können.
Ein Fest zu Alhen, an dem es nicht erlaubtwar, ein Lodesurtheil zu vollziehen, legtedem Sokratcs die schwere Vorbereitung einesdreißigtägigen Gefängnisses' zu seinem Tode auf.35 Nach seinem Tode soll er noch einem Chier,Namens Kyrsas, erschienen seyn, der sichunweit seines Grabes niedergesetzt hatte und, darüber eingeschlafen war. Die Absicht seinerReise nach Athen bestand, Sakrales zu sehen,40 der damals nicht mehr lebte-, nach dieser Unter-redung also mit desselben Gespenste, kehrte erin sein Vaterland zurück, das bey den Altenwegen seines herrlichen Weines bekannt ist.
Plato macht die frcywillige Armuth des45 Sokrates zu einem Zeichen seiner göttlichenSendung. Ein größeres ist seine Gemeinschaftan dem letzten Schicksale der Propheten undGerechten- (Matth. 23, 2!>.) Eine Bild-säule von Lysippus war das Denkmal, das die50 Athenienstr seiner Unschuld und dem Frevelihres eigenen Blutgerichrs setzen ließen.
Schlußrede.
55 Wer nicht von Brosamen und Almo-sen, noch vom Raube zu leben, und für einSchwert alles zu entbehren weiß, ist nichtgeschickt zum Dienst der Wahrheit; Der werdefrühe! ein vernünftiger, brauchbarer, artiger00 Mann i» der Welt, oder lerne Bücklinge ma-chen und Teller lecken: so ist er für Hungerund Durst, für Galgen und Rad sein Leben-lang sicher.
Ist es wahr, daß Gott Selbst, wie es in65 dem guten Bekenntnisse lautet, das ervor Pilatus ablegte; ist es wahr, sage ich,
t> Er bictirtc sich im Scherz selbst die Strafe, auf Unkosten beS Staats zu Tore gefüttert z» werben.Kurz. rres Lit - 35