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sssiristoph Martin Wicland.
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und Lärmen erklärte sich endlich der Stadtrich-ter Filippides: daß er, bewandten Umständennach, nicht umhin könne, die Frage, ob die,von Klägern eingewandte Appcllazion Stattfinde? vor den Senat zu bringen. Hiermit 5stand er auf; das Gericht ging ziemlich tumul-tuarisch aus einander; und beide Parteien eil-^ ren, sich mit ihren Freunde», Gönnern undWSykofanten zu berathen) was nun weiter inder Sache anzufangen sey. 10
Fünftes Kapitel.
Gesinnungen des Senats. Tugend der schönen Gorgound ihre Wirkungen. Der Priester StrobyluS tritt 15auf, und die Sache wird ernsthafter.
Der Prozeß über des Esels Schatten, derAnfangs die Abderiten bloß durch seine Unge-reimtheit belustigt hatte, fing nun . an eine 20Sache zu werden, in welche die Gerechtsamen,die vermeinte Ehre, und allerley Leidenschaftenund Interessen verschiedner zum Theil ansehn-licher Glieder der Republik verwickelt wurden.
Der Zunftmeister Pfriem hatte seinen Kopf 0 °darauf gesetzt, daß sein Zunftangehöriger gewin-nen müßte; und da er sich meistens alle Abendein den Versammlungsorten der gemeinen Bür-ger einfand, halte er schon beynahe die Hälsiedes Volks auf seine Seite gebracht, und sein ^Anhang nahm täglich zu.
Der Erzpriester hingegen halte den Han-del bisher nicht für wichtig genug gehalten, seinganzes Ansehen zu Gunsten seines Beschütztenanzuwenden. Allein da die Sachen zwischen 35ihm und der schönen Gorgo ernsthafter zuwerden ansingen, indem sie, anstatt einer ge-wissen Gelehrigkeit, die er bey ihr zu findengehofft halte, einen Widerstand that, dessenman sich zu ihrer Herkunft und Erziehung nicht 45hätte vermuthen sollen, ja sich sogar vernehmenließ: „Wie sie Bedenken trage, ihre Tu-gend noch einmahl den Gefahren eines Be-suchs durch die kleine Gartenthür auszusetzen",
- so war es ganz natürlich, daß er nun nicht 45länger säumte, durch den Eifer, womit er dieSache des Vaters zu unterstützen anfing, sichein näheres Recht an die Dankbarkeit der Toch-ter zu erwerben.
Der neue Lärm, den der Eselsprozeß durch 5«die Provokation an den großen Rath i» derStadt machte, gab ihm Gelegenheit, mit eini-gen von den vornehmsten RalhSherren aus derStadt zu sprechen. „So lächerlich dieser Han-del an sich silbst sey, sagte er, so könne doch 55nicht zugegeben werden, daß ei» armer Mann,der unter dem Schutze Jasons stehe, durch eineoffenbare Kabale unterdrückt werde. Eskomme nicht auf die Veranlassung an, dieoft zu den wichtigsten Begebenheiten sehr ge- 6 l>ring sey; sondern auf den Geist, womitman die Sache treibe, und auf die Ab-sichten, die man im Schilde oder wenig-stens in I'eUo führe. Die Insolenz des Syko-fantcn Fysignarus, der eigentlich an diesem 65ganzen Skandal Schuld habe, müsse gezüch-tigt, und dem herrschsüchtigen, unverständigenDemagogen Pfriem noch in Zeiten ein Zü-gel angeworfen werden, eh' es ihm gelinge, die
Aristokratie gänzlich über den Haufen zuwerfen, u. s. w."
Wir müssen es zur Steuer der Wahrheitsagen, Anfangs gab es verschiedene Herren desRaths, welche die Sache ungefähr so ansahen,wie sie anzusehen war, und es dem Stadtrich-ter Filippides sehr verdachten, daß er nichtBesonnenheit genug gehabt, einen so ungereim-ten Zwist gleich in der Geburt zu ersticken.Allein unvermerkt änderten sich die Gesinnun-gen; und der Hchwindelgeist, der bereits einenTheil der Bürgerschaft auf die Köpfe gestellthatte, ergriff endlich auch den größer» Theilder Rathsherren. Einige singen an, die Sachefür wichtiger anzusehen, weil ein Mann wieder Erzpricster Agachyrsus sich derselben soernstlich anzunehmen schien. Andre setzte dieGefahr, die der Aristokratie aus den Un-ternehmungen des Zunftmeisters Pfriem erwach-sen könnte, in Unruhe. Verschiedene ergriffendie Partey des Eseltreibers bloß aus Wider-sprechungsgeist: andre aus einem wirklichenGefühl, daß ihm Unrecht geschehe; und nochandre erklärten sich für den Zahnarzt, weilgewisse Personen, mit denen sie nie Einer Mei-nung seyn wollten, sich für seinen Gegner er-klärt hatten.
Mit allem dem würde dennoch dieser ge-ringfügige Handel, so sehr die Abderiten auch— Abderiten waren, niemahls eine so heftigeWährung in ihrem gemeinen Wesen verursachthaben, wenn der böse Dämon dieser Republiknicht auch den Priester Slrobylus ange-schürt hätte, sich, ohne einigen nähern Berufals seinen unruhigen Geist und seinen Haß ge-gen den Erzpriester Agathyrsus, mit ins Spielzu mischen.
Um dieß dem geneigten Leser verständlicherzu machen, werden wir die Sache (wie jeneralte Dichter seine Jlias) a>> ovo anfangen müs-sen; um so mehr, als auch gewisse Stellen inunsrer Erzählung des Abenteuers mit dem Eu-ripides, und gewisse Ausdrücke, die dem Prie-ster Slrobylus gegen Demokrit entfielen, ihrgehöriges Licht dadurch erhalten werden.
Sechstes Kapitel.
Verhältniß dcS LatoncntempklS z»m Tempel deS Ja-son. Kontrast in den Knraktcrcn des ObcrpriestcrsStrobyluS und des ErzpricsterS Agathyrsus. Stro-byluS erklärt st» für die Gcgenpartey des letzter»,und wird von Salabauda unterstützt, welche einewichtige Rolle in der Sache zu spielen anfängt.
Der Dienst der Latona war (wie Stroby-lus den Euripides versichert hatte) so alt zuAbdera, als die Verpflanzung der LyrischenKolonie: und die äußerste Einfalt der Bauartihres kleinen Tempels konnte als eine hinläng-liche Bekräftigung dieser Tradizion angesehenwerden. So unscheinbar dieser Latonentempelwar, so gering waren auch die gestiftetenEinkünfte seiner Priester. Wie aber die Nothersindsani ist, so hatten die Herren schon vonlangem her Mittel gefunden, zu einiger Ent-schädigung für die Kargheit ihres ordentlichenEinkommens, den Aberglauben der Abderitenin Kontribuzion zu setzen; und da auch diesesnicht zureichen wollte, hatten sie es endlich da-