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Christoph Martin Wieland.
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hin gebracht, daß der Senat lweil er dochvon keiner Besoldungszulage hören wollte)zu Unterhaltung des geheiligten Froschgrabensgewisse Einkünfte aussetzte, deren größten Theildie genügsamen und billig denkenden Fröscheihren Versorgern überließen.
Eine ganz andre Beschaffenheit hatte es mitdem Tempel des Jason, dieses berühmtenAnführers der Argonauten, welchem in Ad-ders die Ehre der Erhebung in den Götterstandund eines öffentlichen Dienstes widerfahren war,ohne daß wir hievon einen andern Grund an-zugeben wissen, als daß verschleime der ältestenund reichsten Familien in Abdera ihr Geschlechts-register von diesem Heros ableiteten. Einervon dessen Enkeln hatte sich, wie die Tradizionsagte, in dieser Stadt niedergelassen, und warder gemeinsame Stammvater verschiedener Ge-schlechter geworden, von welchen einige noch inden Tagen unserer gegenwärtigen Geschichte involler Blüthe standen. Dem Andenken des Hel-den, von dem sie abstammten, zu Ehren, hat-ten sie Anfangs, nach uraltem Gebrauch, unr-eine kleine Hauskapelle gestiftet. Mit der Längeder Zeit war eine Art von öffentlichem Tempeldaraus geworden, den die Frömmigkeit derAbkömmlinge Jasons nach und nach mit vielenGütern und Einkünften versehen hatte. End-lich, als Abdera durch Handelschaft und glück-liche Zufälle eine der reichsten Städte in Thra-kien geworden war, entschlossen sich die Ja -soniden, ihrem vergötterten Ahnherrn einenTempel zu erbauen, dessen Schönheit der Re-publik und ihnen selbst bey der Nachwelt Ehremachen könnte. Der neue Jasontempel wurdeein herrliches Werk, und machte mit den dazugehörigen Gebäuden, Gärten, Wohnungen derPriester, Beamten, Schutzverwandten u. s. w.ei» ganzes Quartier der Stadt aus. Der Erz-priester desselben mußte allezeit von der älte-sten Linie der Jasoniden seyn: und daer, bey sehr beträchtlichen Einkünften, auch dieGerichtsbarkeit über die zu dem Tempel gebö-rigen Personen und Güter ausübte; so ist leichtzu erachten/ daß die Oberpriestcr der Lakonaalle diese Vorzüge nicht mit gleichgültigen Au-gen ansehen konnten, und daß zwischen diesenbeiden Prälaten eine Eifersucht obwalten mußte,die auf die Nachfolger forterbte, und bey jederGelegenheit in ihrem Betragen sichtbar wurde.
Der Oberpriester der Lakona wurde zwarals das Haupt der ganzen Abderilischen Prie-sterschaft angesehen; allein der Erzpriester Ja-sons machte mit seinen Untergebenen ein beson-deres Kollegium aus, welches zwar unter demSchutze der Stadt Abdera stand, aber von allerAbhängigkeit, wie sie Nahmen haben mochte,frey war. Die Feste des Latonentcmpels wa-ren zwar die eigentlichen großen Festtage derRepublik; allein da die Mäßigkeit seiner Ein-künfte keinen sonderlichen Aufwand zuließ, sowar das Fest des Jason, welches mit ungemei-ner Pracht und großen Feierlichkeiten begangenwurde, in den Äugen des Volks wo nicht dasvornehmste, wenigstens das, worauf es sich ammeisten freute; und alle die Ehrerbietung, dieman für das Alterthum des Latoncndiensteshegte, und der große Glaube des Pöbels anden Oberpriester desselben und seine heiligen
Fsösche, konnte doch nicht verhindern, daßdie größere Figur, die der Erzpriestcrmachte, ihm nicht auch einen höher» Grad vonAnsehen gegeben haben sollte. Und wiewohldas gemeine Volk überhaupt mehr Zunei-gung zu dem Latonenpriester trug: so wurdedoch dieser Vorzug dadurch wieder überwogen,daß der Priester Jasons mit den aristokra-tischen Häusern in einer Verbindungstand,die ihm so viel Einfluß gab, daß es einem ehr-geitzigen Manne an diesem Platz ein leichtesgewesen wäre, einen kleinen Tyrannen vonAbdera vorzustellen.
Zu so vielen Ursachen der alt hergebrachtenEifersucht und Abneigung zwischen den beidenFürsten der Abderitischen Klerisey, kam beyStrobplus undAgathyrsus noch ein per-sönlicher Widerwille, der eine natürlicheFrucht des Kontrastes ihrer Sinnesarten war.
Agakhyrsus, mehr Weltmann als Prie-ster, hatte in der That vom letzter» wenigmehr als die Kleidung. Die Liebe^ zum Ver-gnügen war seine herrschende Leidenschaft. Denn,wiewohl es ihm nicht an Stolz fehlte, so kannman doch von niemand sagen, daß er ehrgeitzigsey, so lange sein Ehrgeitz eine andre Leiden-schaft neben sich herrschen läßt. Er liebte dieKünste und den vertraulichen Umgang mit Vir-tuosen aller Arten, und stand in dem Ruf, ei-ner von den Priestern zu seyn, die wenig Glau-ben an ihre eignen Götter haben. Wenigstensist nicht zu läuqnen, daß er öfters ziemlich freyüber die Frösche der Latona scherzte; undes war jemand, der es beschwören wolle, ausseinem eignen Munde gehört zu haben : , DieFrösche dieser Göttin wären schon längst allein elende Poeten und Abderitische Sänger ver-wandelt worden." — Daß er mir Demokri-ten in ziemlich gutem Vernehmen lebte, warauch nicht sehr geschickt, seine Orthodoxie zubestätigen. Kurz, Agathyrsus war ein Mannvon munterm Temperament, Hellem Kopf undziemlich freyem Leben, beliebt bey dem Äbderi-lischen Adel, noch beliebter bey dem schönenGeschlecht, und, wegen seiner Freygebigkeit undJasonmäßigen Figur, beliebt sogar bey denuntersten Klaffen des Volks.
Nun hätte die Natur in ikrer launigstenMinute keinen völliger» Gegenfüßler von allem,was Agathyrsus war, hervorbringen kön-nen, als den Priester S r r o b y l u s. DieserMann hatte lwie viele seines gleichen) ausfün-dig gemacht, daß eine in Falte» gelegte M'eneund ein steifes Wesen unfehlbare Mittel sind,bey dem großen Haufen für einen weisen undunsträflichen Mann zu gelten. Da er nun vonNatur ziemlich sauertöpfisch aussah, so hartees ihm wenig Mühe gekostet, sich diese Gra-vität anzugewöhnen, die bey den meisten wei-ter nichts beweist als die Schwere ihresWitzes und die Ungeschliffenheit ihrerSitrcn- Ohne Sinn für das Große undSchöne, war er ein geborner Verächter allerTalente und Künste, die diesen Sinn voraus-setzten; und sein Haß gegen die Filososic warbloß eine Maske für den natürlichen Groll ei-nes Dummkopfes gegen alle, die mehr Verstandund Wissenschaft haben als er. In seinen Ur-theilen war er schief und einseitig, in seinen
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