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Christoph Martin Wieland.
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vorzubereiten, und eine wichtige, die Wohl-fahrt der ganzen Republik betreffende Sachedaraus zu machen. Aber auch dieß sey imGrunde doch nur ein Mittel, wozu er in derVerzweiflung gegriffen habe, um seiner darnie-der gesunkenen Partey wieder auf die Füße zuhelfen, und von den Bewegungen, welche inder Stadt dadurch erregt worden, bey bevor-stehender Entscheidung des Eselsschatten-Han-dels Vortheil zu ziehen. Weil nun aus ebendiesem Grunde leicht voraus zu sehen sey, daßder unruhige Priester aus dem, was diesenMorgen mit den Zehnmännern vorgegangen,neuen Stoff hernehmen werde, ihn, den Erz-priester, bey dem Volke verhaßt zu machen,und im Nothfälle wohl gar einen abermaligennoch gefährlichern Aufstand zu erregen: so habeer für nöthig gehalten, seine und des gemeinenWesens zuverlässigsten Freunde in den Standzu setzen, dem Volke und allen, die dessen be-dürften, richtigere Begriffe von dem heutigenVorgang und dessen etwannigcn Folgen gebenzu können. Was also die Störche anbelange,so wären solche ohne sein Zuthun von selbstgekommen, und hätten sich auf einem Baumeseines Gartens ein Nest gebaut. Er habe sichnicht für berechtigt gehalten, sie darin zu stö-ren; theils weil die Störche seit undenklichenZeiten bey allen gesitteten Völkern im Besitzeiner Art von geheiligtem Gastrechte ständen;theils weil die Freyheit des Jasonstempels undder Schutz dieses Gottes alle lebende und leb-lose Dinge angehe, die sich in dem Umfang fei-ner Mauern befänden. Das Gesetz, wodurchdie Zehnmänncr vor einigen Jahren die Störcheaus dem Gebiete von Abdera verwiesen hätten,gehe ihn nichts an, indem die Gerichtsbarkeitdieses Tribunals sich nur über dasjenige er-strecke, was auf den Dienst der Latona und dieGebräuche desselben Bezug habe. Und über-haupt sey bekannt, daß der Jasontempel nurin so fern, als die Republik bey dessen Stif-tung versprochen habe, ihn gegen alle gewalt-same Unternehmungen einheimischer oder aus-wärtiger Feinde zu beschützen, mit derselbe» inVerbindung stehe, übrigens aber von allemGcrichtszwange der Abderitischen Tribunale undvon aller Oberherrlichkcit der Republik vollkom-men und auf ewig befreyt sey. Er habe also,indem er die unbefugte Vorladung von sich ab-gewiesen, nichts gethan, als was seine Würdevon ihm erfordere; die Zehnmänner hingegenhätten durch diesen unbesonnenen Schritt, wo-zu die Mehrheit derselben von dem PriesterStrobylus verleitet worden, ihn in den Fallgesetzt, von der Republik wegen einer so grobenVerletzung seiner erzpriesterlichen Vorrechte imNahmen Jasons und aller Jasoniden die strengsteund vollständigste Genugthuung zu fordern. DieSache wäre von wichtigern Folgen, als die An-hänger des Zunftmeisters Pfriem und Stro-bylus mit seinen Froschpflegern sich vielleichtvorstellten. Das goldne Vließ, welches dieJasoniden als ihr wichtigstes Erbgut in diesemTempel aufbewahrten, wäre seit Jahrhundertenals das Palladium von Abdera betrachtetund verehrt worden. Die Abderiten hätten sichalso wohl vorzusehen, keine Schritte zu thunnoch zuzulassen, wodurch sie vielleicht durch
eigne Schuld desjenigen beraubt werden könn-ten, an welches, nach einem uralten und zurReligion gewordnen Glauben, das Schicksal unddie Erhaltung ihrer Republik gebunden sey.
Der Erzpricster empfing auf diesen Vortragvon allen Anwesenden die stärksten Versicherun-gen ihres Eifers sowohl für die gemeine Sacheals für die Rechte und Freyheiten des Jason-tempels. Mau besprach sich über die verschied-nen Maßregeln, die man nehmen wollte, umdie Bürgerschaft in ihren guten Gesinnungenzu befestigen, und diejenigen wieder zu gewin-nen, die entweder das vorgegebne Wunderzei-chen mit den Fröschen der Latona irre gemacht,oder Strobylus gegen die Störche des Erzprie-sters aufgewiegelt haben würde. Die Versamm-lung trennte sich hierauf, und jeder begab sichan seinen Posten, nachdem Agathyrsus sie allezu einem feierlichen Opfer eingeladen hatte,welches er diesen Abend dem Jason in seinemTempel bringen wollte.
Während dieß im Palaste des Erzpriestersvorging, war der Archon, äußerst mißvergnügtüber die nicht allzu ehrenfeste Rolle, die erwider Willen hatte spielen müssen, nach Hausegekommen, und hatte alle seine Verwandten,Brüder, Schwäger, Söhne, Lochtermänner,Neffen und Vettern, zu sich berufen lassen,um ihnen anzukündigen, wie er fest entschlossensey, morgendes Tages vor dem großen Rathseine Würde niederzulegen, und sich auf einLandgut, das er vor einigen Jahren auf derInsel Lhasus gekauft hatte, zurück zu ziehen.Sein ältester Sohn und noch etliche von derFamilie waren bey diesem Familienkonvent nichtzugegen, weil sie eine halbe Stunde zuvor zudem Erzpricster waren gebeten worden. Danun die übrigen sahen, daß Onolaus, allerihrer Bitten und Vorstellungen ungeachtet, un-beweglich auf seinem Vorsatz bcharrte: so schlichsich einer von ihnen weg, um der Versamm-lung im Jasontempel Nachricht davon zu ge-ben, und sie um ihren Beystand gegen einenso unverhofften widrigen Zufall zu ersuchen.
Er langte eben an, da die Versammlungim Begriff war, aus einander zu gehen. Die-jenigen, denen die Gemüthsart des Archon vonlangem her bekannt war, fanden die Sache be-denklicher, als sie beym ersten Anblick den mei-sten vorkam. Seit zehn Jahren, sagten sie,ist dieß vielleicht das erste Mahl, daß der Ar-chon eine Entschließung aus sich selbst ge-nommen hat. Gewiß ist sie ihm nicht plötzlichgekommen! Er brütet schon eine geraume Zeitdarüber, und der heutige Vorgang hat nur dieSchale gesprengt , die über kurz oder lang dochhätte brechen müssen. Kurz, diese Entschlies-sung ist sein eignes Werk; man kann alsosicher darauf rechnen, daß es nicht so leicht seynwird, ihn davon zurück zu bringen.
Die ganze Versammlung gerieth darüber inUnruhe. 'Man fand, daß dieser Streich in ei-nem so schwankenden Zeitpunkte, wie der ge-genwärtige, der ganzen Partey und der Repu-blik selbst sehr nachtheilig werden könnte. Eswurde also einhellig beschlossen: daß man zwarso viel von diesem Vorhaben des Archon unterdas Volk kommen lassen müßte, als vonnöthensev solches in Furcht und Ungewißheit zu setzen;
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