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zugleich aber wollte man auch veranstalten,daß noch vor dem Opfer im Jasonrempel dieangesehensten von den Räthen und Bürgernbeider Parteyen sich zu dem Archon begeben,und ihn im Rahmen des ganzen Abdera be- 5schwören sollten, das Ruder der RepubUk nichtmitten in einem Sturme zu verlassen , wo sieeines so weisen Steuermanns arn meistenvonnöthen hätten.
Der Gedanke, die Vornehmsten von beiden 10Parteyen hierin zu vereinigen, wurde dadurchnothwendig, weil man voraus sah, daß ohnedieses Mittel alle ihre Arbeit an denn Archonfruchtlos seyn würde. Denn wicwokü er vonJugend an der Aristokratie eifrig ergeben 15war, so hatte er sich doch zu einem Grundsatzgemacht, nicht dafür angesehen seyn zuwollen: und die Popularität, die er zudiesem Ende schon so lange spielte, daß sie ihmendlich ganz natürlich ließ, war es eben:, was 28ihn beym Volke so beliebt gemacht hatte, alsnoch wenige von seinen Vorfahren gewi ß:» wa-ren. Besonders hatte er, seitdem sich die Stadtin die zwey Parteyen der Esel und der ESchal-len getheilt fand, einen ordentlichen tLhren- 25punkt darein gesetzt, sich so zu betragen, daßer keiner von beiden Parteyen Ursache gäbe,ihn zu der ihrigen zu zählen; und wiewohl bey-nahe alle seine Freunde und Anverwandte er-klärte Esel waren, so blieben die Schatten 3»doch überzeugt, daß sie nichts dadurch bey ihmverlören, und die Esel nichts dabey gewön-nen; indem diese letzter» genöhigt waren, alleihre Schritte vor ihm zu verbergen, und beysedcm Vortheil, den sie über die Schatten er- 35hielten, sich darauf verlassen konnten, daß er,um die Sachen wieder ins Gleichgewicht zubringen, sich auf die Seite ihrer Gegner nei-gen würde, wiewohl er keinen einzigen vonihnen persönlich liebte. 4»
Die Bekanntmachung der Entschließung desArchons hatte alle die Wirkung, die man sichdavon versprochen hatte. Das Volk geriethdarüber in neue Bestürzung. Die meisten sag-ten : man brauche nun weiter nicht nachzufor- 45scheu, was die Wehklage der geheiligten Fröschevorbedenke; wenn der Archon die Republik indem betrübten Zustande, worin sie sich befinde,verlasse, so sey alles verloren.
Der Priester Strobylus und der Zunftmci- 5»stcr Pfriem erhielten die Nachricht von demgroßen Opfer, das der Erzpriester veranstalte,und das Gerücht van dem Entschlüsse des Ar-chon, seine Stelle niederzulegen, zu gleicherZeit. Sie übersahen beym ersten Blick die Fol- 55gen dieses gedoppelten Streichs, und eilten deneinen zu erwiedern und dem andern zu-vor zu kommen. Strobylus ließ das Volkzu einer Erpiazion einladen, welche auf denAbend in dem Tempel der Latona mit großen t>0Feierlichkeiten angestellt werden sollte, um dieStadt von geheimen Verbrechen zu rei-nigen, und die schlimme Vorbedeutung desElcleleleleu der geheiligten Frösche abzu-wenden. Meister Pfriem hingegen ging, die «5Räthe, Zunftmeister und angesehensten Bürgervon seiner Partey aufzusuchen, und sich mitihnen zu berathen, wie der Archon auf andereGedanken zu bringen seyn möchte.'Die meisten
waren schon durch die geheimen Werkzeuge derGegenpartei) vorbereitet, welche als ein gro-ßesGeheimniß herum geflüstert hatten: manwüßte ganz gewiß, daß die Esel sich alle mög-liche Mühe gäben, den Archon unter der Handin seinem Entschluß zu bestärken. Die Schat-ten hielten sich dadurch überzeugt, daß ihreGegner einen aus ihrem Mittel zu der höchstenWürde in der Republik zu erheben gedächten,und also der Mehrheit im großen Rath, beywelchem die Wahl stand, schon ganz gewiß seynmüßten. Diese Betrachtung setzte sie in so gro-ßen Allarm, daß sie, mit einer Menge Volkshinter ihnen her, zur Wohnung des Onolauseilten, und, während der Pöbel ein Vivatnach dem andern erschallen ließ, hinaufgingen,um Seine Gnade» im Nahmen der ganzen Bür-gerschaft flehentlich zu bitten, den unglücklichenGedanken an Resignazion aufzugeben, und sieniemahls, am wenigsten zu einer Zeit zu ver-lassen, wo seine Weisheit zu Beruhigung derStadt unentbehrlich sey.
Der Archon zeigte sich über diesen offent.liehen Beweis der Liebe und des Vertrauensfeiner werthen Mitbürger sehr vergnügt.Er verhielt ihnen nicht, daß kaum vor einerViertelstunde der größte Theil der Rathsherren,der Jasoniden, und aller übrigen allen Ge-schlechter von Abdera, bey ihm gewesen, undeben diese Bitte in eben so geneigten und drin-genden Ausdrücken an ihn gethan hätten. Sogroße Ursache er auch habe, der beschwerlichenRcgierungslast müde zu seyn, und zu wünschendaß sie auf stärkere Schultern als die seinigcngelegt werden möchte: so habe er doch keinHerz, das diesem so lebhaft ausgedrückten Zu-traue» beyder Parteyen widerstehen könne. Ersehe diese ihre Einmülhigkeit in Absicht auf seinePerson und Würde als eine gute Vorbedeutungfür die baldige Wiederherstellung der allgemei-nen Ruhe an, und werde seines Orts allesmögliche mir Vergnügen dazu beytragen.
Als der Archon diese schöne Rede geendigthatte, sahen die Schatten einander mir gro-ße» Augen an, und fanden sich, zu ihrem em-pfindlichsten Mißvergnügen, auf einmahl umdie Hälfte klüger als zuvor; denn sie merktennun, daß sie von den Eseln betrogen und zueinem falschen Schritte verleitet worden waren.Sie hatten, in der Meinung, daß sie diese»Schritt allein thäten, den Archon ganz da-durch auf ihre Seite zu ziehen gehofft; undnun fand sichs, daß er ihren Gegnern eben soviel Verbindlichkeiten hatte als ihnen; welchesgerade so viel war als ob er ihnen gar keinehätte. Aber dieß war noch nicht das ärgste.Das hinterlistige Betragen der Esel war einoffenbarer Beweis, wie viel ihnen daran gele-gen sey, daß die Stelle des Archons nicht ledigwürde. Nun konnte ihnen aber an der Per-son des Onolaus nicht viel gelegen seyn:denn er hatte nie das geringste für ihre Parteygethan. Wenn sie also so eifrig wünschten, daßer seinen Platz behalten möchte, so konnt' esaus keiner andern Ursache geschehen, als weilsie sich versichert hielten, daß die SchattenMeister von der Wahl des neuen Archon blei-be» würden. Diese Betrachtungen, die sichihnen jetzt mit Einem Blicke darstellten, waren