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Christoph Martin Wirland.
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von einer so verdrießlichen Art, daß die armenSchatten alle Mühe von der Welt harten,ihren Unmuth zu verbergen, und sich, zu gro-ßem Vergnügen des Archons, ziemlich eilfertigwegbegaben, ohne daß es diesem eingefallenwäre, sich darüber zu wundern, oder die Ver-änderung in ihren Gesichtern wahrzunehmen.
Der heurige Lag war ein großer Lag fürden weisen und ziemlich schwer beleibten Ono-laus gewesen, und er war nun vollkommenwieder mir Abdera zufrieden. Er befahl also,daß seine Thür geschloffen werden sollte, zogsich in sein Gynäceum zurück, warf sich in sei-nen Lehnstuhl, schwatzte mit seiner Frau undseinen Töchtern, aß zu Nacht, ging zeitig zuBette, und schlief, wohl getröstet und unbe-sorgt um das Schicksal von Abdera, bis. an denhellen Morgen.
Zwölftes Kapitel.
Der EntschciduiigStag. Maßregeln beider Partien.
Die Vierhundert versammeln sich. und das Gericht
nimmt seinen Anfang. 'Filanthrorischwatriotischc
Träume des Herausgebers dieser merkwürdigen Ge-schichte. . '
Die verschiedenen Maschinen, welche mandiesen Tag über auf beiden Seiten hatte spielenlassen, brachten den Abderitischen Staatskorper,bep dem Anschein der größten innerlichen Be-wegung, durch die Stöße, die er nach entge-gen gesetzter Richtung erhielt, in eine Art vonwagerechtem Schwanken, vermöge dessen umdie. Zeit, da die Vierhundert zu Entschei-dung des Eselsschatten-Handels zusam-men kamen, sich alles ungefähr in eben demStande befand, worin es einige Tage zuvorgewesen war, das ist, daß die Esel den größ-ten Theil des Raths, die Patricier und dieAnsehnlichsten und Bermöglichsten von der Bür-gerschaft auf ihrer Seite hatten, die Schat-ten hingegen ihre meiste Stärke von der grö-ßer» Anzahl zogen. Denn, seit dem feier-lichen Umgang, um den Froschteich der Latona,welchen Strsbylus den Abend zuvor veranstal-tet, und dem die sämmtlichen Scharren, mitdem Nomofplax Grpllus und dem Zunftmei-ster Pfriem an ihrer Spitze, sehr andächtigbeygewohnt halten, war der Pöbel wieder gänz-lich für die letztere Partey erklärt.
Es würde bey Gelegenheit dieses Umgangsdem Priester Strobylus und den übrigen Häup-tern derselben ein leichtes gewesen seyn, mit-telst ihres Ansehens über einen fanatischen Hau-fen Volkes, welcher größten Theils bey gänzli-cher Zerrüttung der Republik mehr zu gewin-nen als zu verlieren hatte, noch an selbigemAbend viel Unheil in Abdera anzurichten. Allein— außerdem, daß der Oberpriester im Nahmendes Archons noch einmahl nachdrücklichst ange-wiesen worden war, den Pöbel in gehörigerOrdnung zu erhalten, und dafür zu sorgen,daß der Tempel und alle Zugänge zu dem ge-heiligte» Teiche noch vor Sonnenuntergang ge-schloffen wären — so waren sie auch selbst weitentfernt, die Sache ohne höchste Roch aufsäußerste treiben, oder die ganze Stadt in Blutund Flammen setzen zu wollen; und so klugwaren sie doch, trotz ihrer übrigen Adder, c-
Knrz, Pros. Lit.
heit, „m einzuseh.n, daß, wenn ihnen derPöbel einmahl die Zügel aus den Händen ge-rissen hätte, es nicht mehr in ihrer Gewalrseyn würde, der ungestümen Wüth eines soblinden reißenden Thiers wieder Einhalt zuthun. Der Zunftmeister begnügte sich also, dader Umgang vorbey war und die Thüren desTempels geschloffen wurden, dem aus einandergehenden Volke zu sagen: er hoffe, daß sichalle redliche Abderiten morgen um neun Uhrauf dem Markte bey dem Urtheil über denHandel ihres Mitbürgers Struthion einsinden,und, so viel an ihnen wäre, dazu mit helfenwürden, daß seine gerechte Sache den Sieg da-von trage.
Die Einladung war zwar, ungeachtet derglimpflichen und (seiner Meinung nach) sehrbehutsame-, Ausdrücke, worin er sie vorbrachte,nicht viel besser als ein höchst gesetzwidrigesVerfahren eines aufrührischen - Zunftmeisters,der im Nothfall die Richter durch die unmit-telbare Gefahr eines Tumults nöthigen wollte,das Urtheil nach seinem Sinn abzufassen. Alleindieß war es auch, worauf es ankommen zulassen die Schatten fest entschlossen waren;und da die andere Partey hiervon völlig über-zeugt war, so harten sie ihrerseits alle möglicheMaßregeln genommen, sich auf das äußerste,was geschehen könnte, gefaßt zu halten.
Der Erzpriester ließ, sobald das Gerichtden Anfang nahm, alle Zugänge zum, Jason-tempel von einer Schaar handfester Gerber undFleischer, die mit tüchtigen Knitteln und Mes-sern versehen waren, besetzen; und in den Häu-sern der vornehmsten Esel hatte man sich ineine Verfassung gesetzt, als ob man eine Bela-gerung auszuhalten gedenke. Die Esel selbsterschienen mit Dolchen unter ihren langen Klei-dern auf dem Gerichtsplatze; und einige vondenen, die am lautesten sprachen, hatten dieVorsicht gebraucht, sogar einen Panzer unterihrem Brustlätze zu tragen, um ihren patrioti-schen Busen mit desto größerer Sicherheit denStößen der Feinde der guten Sache entgegensetzen zu können.
Die neunte Stunde kam nun heran. GanzAbdera stand in zitternder Bewegung, erwar-tungsvoll des Ausgangs, den ein sö unerhörterHandel nehmen würde; niemand hatte seinFrühstück ordentlich zu sich genommen, wiewohlalles schon mit Tagesanbruch auf den Füßenwar. Die Vierhundert versammelte» sichauf dem erhöhten Vorplätze der Tempel desApollo und der Diana, (dem gewöhnlichenOrte, wo der große Rath unter freyem Him-mel gehalten wurde) dem großen Marktplätzegegenüber, von welchem man auf einer breitenTreppe von vierzehn Stufen zur Terrasse hin-auf stieg. Auch der Kläger und Beklagte mitihren nächsten Anverwandten und'mit ihrenbeiden Sykofanten hatten sich bereits eingefun-den, und ihren gehörigen Platz eingenommen;indessen sich der ganze Markt mit einer MengeVolks anfüllte, dessen Gesinnmigen durch einlärmendes Vivat, so oft ein Rathsherr oderZunftmeister von der Schattenpartev einhergestiegen kam, sich deutlich genug verriethen.
Alles wartete n»» auf den Nomofylar,der, nach den Gewohnheiten der Stadt Abdera,
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