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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
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Seite
661-662
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Georg Christoph Lichtenberg.

Worten aber diente mir zum Leitfaden bei tau-send, zum Nagel im Kleiderschrank, wo manzehnerlei aufhängt. Ich lernte den Stamm-

vater, und wußte Sohn, Enkel, Urenkel, Ururenkel und Ur Ur, so viel man will.

Georg Christoph Lichtenberg.

I. patriotischer Leylrag zur Methyologic der Deutschen. Ucvst einer Vorredeüber das mcthnoloaischc Studium überhaupt.

Allen

Hochwürdigsten, HochgebornenHochwürdigen, HochwohlgcborncnWohlwürdigen, WohgebornenEhrwürdigen und Hochcdclgebornen,

wie auch

allen

Großachtbaren, Wohledeln und Wohlehrensestenlaunigen

Rothen Nasen

nahmentlich also und schlechterdings ausgeschlossenalle diejenigen, die hier und da anHaubenstöcken oder Haubenstöcken ähnlichenKöpfen sitzen,

eignet diesen Beytrag in Unterthänigkeit

zu

der Sammler.

Vorrede.

Unter unsDeutschen gesprochen, woich nicht sehr irres so sind die Zeiten, da Eu-ropa die Systeme so von den Deutschen nehmenmußte, wie das Gewürz von den Holländern,ihrem Ende sehr nahe, oder vorbey. EinTheil unserer Landsleute ist jetzt in den allge-meinen kritischen Aufstand und in das Recen-siren „Aller gegen Alle" so verflochten, daß ernicht hört, und der andere hat seine Augen inEmpfindsamkeit so geschlossen, daß er nichtsieht, was um ihn vorgeht. Der tabellarischeBortrag liegt gänzlich, und überall gebricht esan Händen für das System-Wesen. Es kön-nen keine Systeme mehr gemacht, folglich auchkeine mehr verführt werden. Was ist natür-licher, als daß die Ausländer auf den Einfallgerathen, sich selbst welche zu bauen, und esuns am Ende, da es ihnen weder an Mate-rialien noch an Polhöhe fehlt, darinnen gleichoder wohl gar zuvor thun und den ganzenHandel an sich ziehen? Was auf einem schlech-ten Boden geräth, kommt auch wohl auf einemguten fort, aber nicht umgekehrt. Der Geistder Freyheit, und was davon sein Leben hat,erfordert, was man auch dawider einwendenmag, guten Wiesenwachs. Man kann es, an-derer Beweise zu geschweigen, schon allein aus

dem Umstände schließen, daß man heut zu Lage5 kaum sagen kann, welches besser schmeckt. Hol-ländische, Schweizerische und Englische Freiheit,oder Holländische, Schweizerische und EnglischeKäse. So daß es uns schwer werden wird,wieder eine Branche des Handels jener Nation10 an uns zu ziehen. Hingegen der Geist desSystems und was unter ihnen lebt, kommtsogar in den nördlichen Ländern fort, wo manzuweilen, statt plumpullllinj-, Eichenrindenkauet. Wir haben uns also in Zeiten wohl15 vorzusehen.

Was mich hauptsächlich hieraus aufmerksamgemacht hat, ist der Einfall, den ei» Engländerzwar noch nicht gehabt hat, denn sonst kämemein guter Rath zu spät, aber vermuthlich20 haben wird, ich meine den Gedanken, die Kunstzu trinken systematisch zu behandeln, wozuwir Deutschen, da wir, was das Praktischehierinbetrifft, nun einmal bei Auswärtigen zumSprüchwort geworden sind, nächst den Lapithcn25 und Centauren vorzüglich aufgelegt wären.Daß ihn aber dieser Gelehrte früher oder spä-ter haben wird, fürchte ich darin, weil er inirgend einem Magazine 85 Redensarten an-gibt, die seine Nation habe, die Trunkenheit50 eines Menschen zu bezeichnen. Jedermann, dembekannt ist, wie bald man mit einer Wissen-schaft fertig ist, wenn man einmahl die Kunst-wörter weg hat, wird dieses mit mir fürchten.Ich habe also, so bald als möglich, meinen35 theuersten Landsleuten eben dieses herrlicheHülfsmittel in die Hände geben und zugleichdadurch zeigen wollen, daß wir den Englän-dern, wie überhaupt in nichts, also auch nicht40 in diesem Puncte zu weichen Ursache haben.Ich übergebe ihnen nämlich hier eine Anzahlähnlicher Redensarten, worunter keine einzigeist, die nur bloß in einem einzigen Hause ge-bräuchlich wäre, deren doch der Engländer eins45 oder etliche in seinem Verzeichniß anführt. Ichzweifle nicht, daß sich überhaupt nicht noch viele,zumahl in unserm seefahrenden Deutschland,sollten hinzu finden lassen, da kein Gegenstandin der Natur geschickter ist, die Bewegungen,50 Richtungen und Zufälle eines Betrunkenen ge-schickter, lebhafter und lehrreicher auszudrücken,als ein Schiff. Jg ich zweifle sehr, ob ich ein-mahl alle die ganz allgemein recipirten werde