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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
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663-664
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Georg Christoph istchtenbcrg.

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gefunden haben. Es ist der menschlichen Unartsehr angemessen, in allen Dingen, vornehmlichaber in philosophischen, immer erst im weitenFelde und dann zu Hause zu suchen, wie dennauch nicht zu leugnen ist, daß das Weithergc- 5höhlte durch etwas Gewisses reiht, wovon Nie-mand als der Weitherholende selbst einen Be-griff hat und haben kann. Zur Bestätigungdessen, was ich hier sage, dient der Umstand,daß wirklich unter den angegebenen Redensar- 10ten der Ausdruck: er ist berauscht, einervon den letzten gewesen ist, die man gefundenhat.

Ich habe aber noch ungleich mehr zur .Er-weiterung dieser Wissenschaft beygetragen, ich 15habe die Wörter Methyologiess und me-lhy alogisch, Methystik, und methy-stisch, Pinik und pinisch eigenhändig zu-sammengesetzt, und gedenke über den allgemeinenmethyologischen Blick und das methyo- 20logische Gefühl Abhandlungen zuschreiben,die ihren Titeln vielleicht entsprechen sollen.Ueberhaupt habe ich mir bey der Wörterver-fertigung den Plan gemacht, in allen Bezeich-nungen meiner Begriffe die Züge so zu ver- 25waschen, daß ein Jeder das Seine darinnenzu erkennen glaubt, welches eine Liebe zurWissenschaft in jungen Gemüthern erweckt, dienicht zu beschreiben ist.

Was aber die Wissenschaft selbst betrifft, zoso ist allzu bekannt, daß die Methystik, oder,mich deutlicher auszudrücken, die Wissenschaft,die Länder jenseits der Bouteille mit Nutzen zubereisen, bisher in einer schändlichen Vergessen-heit geschmachtet, und man braucht nicht die zzstärkste Vergrößerung aufzustecken, um zu sehen,daß dem menschlichen Geschlechte durch eine phi-losophische Behandlung dieses Süjets wichtigeVortheile zuwachsen müssen. Es ist hier garder Ort nicht, dieses umständlich, und wie es 40wohl die Wichtigkeit des Gegenstandes verdiente,aus einander zu setzen; doch kann ich eine Be-trachtung nicht ganz übergehen. Der berühmteBaco von Verulam sagt in seinem schönenBuche „Ueber die Zunahme der Wissenschaften« 45daß in einer Wissenschaft nicht viel mehr geleistetwerde, so bald man sie systematisch zu behandelnanfange. Vielleicht würde also dadurch den kühnenVersuchen in der Wissenschaft etwas vorgegriffen,oder mich populärer auszudrücken, dem lei- ggdigen Trinken gesteuert. Ich denke, diegroßen Trinker, die Genies, sollen nach undnach abnehmen, so wie die Vorschriften, es initAbsicht und vern u n ftmäß ig zu thun, zu-nehmen. Denn ehe dieses geschiebt, zumahl 55ehe das terminologische Fach gut versehen istund man Etwas hat, das man einstweilen vor-läufig brauchen kann, bis man die Wissenschafterlernt har, jst keine Stümper zu gedenken.Außerdem ist ja den Kindern bekannt, daß ohneetwas Wein und etwas Beifall keine poetischeAder offen gehalten werden kann, und es ver-

dient wenigstens einmahl versucht zu werden,was auch die Vernunft auf den Flügeln desChampagners ausrichten könne, da die Einbil-dungskraft Wunder auf denselben thut.

„Oft, sagt man, ward dem alten CatoWärmer in lauterem Wein die Lugend."

Da ich euch also, lieben Landslcute, nichtallein den Nutzen dieser Wissenschaft selbst, son-dern auch die Gefahr, die uns augenscheinlichvon England aus droht, mit solchen Gründen,als es meine Fähigkeit und die Nähe der Messeerlaubt, vorgestellt, ja, da ich euch selbst vor-gearbeitet habe, so ersuche ich euch freundschaft-lich, steckt die kritischen Schwerter und Messerein, verlaßt die Nüsse der Tändeley, und nütztdie Felder, die unsere Vorfahren schon ernährthaben, anstatt daß ihr mit einem ungewissenErfolge neue anbaut. Lacht aber auch nicht,daß ich euch diesen Rath in einem Büchelchengebe, das kaum 3 gr. kostet, denn es wäremir ein Leichtes gewesen, es zu 12 gr. auszu-arbeiten, ohne daß ihr für einen Pfenning mehrWare bekommen hättet, welches ich auch wirk-lich, wenn eS meine Zeit und Kräfte erlauben,bey einer zweyten Auslage einmahl zu thungedenke. Geschrieben vor der Jubilate - Messe1773.

Der Beytrag selbst.

Redensarten, womit die Deutschendie Trunkenheit einer Personandeuten.

Hochdeutsche.

Er spürt den Wein. — Er hat einen Schuß.Er ist angeschossen- — Er hat einen Hieb. —Er hat einen Strich. — Er hat einen Jesui-ter. — Er hat etwas zu viel. — Er ist be-soffen. - Er ist benebelt. — Er hat einenheiligen Schein. - Er hak einen Rausch. —Er äst begeistert. — Er ist voll. — Er hatetwas im Kopf. - Er hat genug. - Er hateinen Haarbeutel. — Er hat ein Glas zu vielgetrunken. — Er hat zu tief ins Glas ge-guckt. — Er ist illuminirt. — Er taumelt. —Die Zunge ist ihm schwer. — Er kann dieJunge nicht mehr heben. — Er lann auf kei-nem Bein mehr stehen. — Er ist berauscht. —Er ist betrunken- - Er ist dabey gewesen- —Er ist fertig — Er ist hin. — Er ist weg. —Er ist selig. — Er sieht den Himmel für eineBaßgeige an. — Er sieht die Buchstaben dop-pelt. — Er ist Himmclhagel dick. - Er hälteinen Calcnberger Bauern für eine Erdbeere.?) —Der Kopf ist ihm schwer. — Er hat trübeAugen. — Er ist im Oberstübchen nicht rich-tig. — Er hat Glas-Augen- — Er wackelt. —Er hat etwas im Dache. — Er ist toll undvoll. — Er hat seine Ladung. — Er war an

» Man hat dieses Worl, seines bessern Acußcrlichen wegen, dem richtigern Mcth o logic mit Fleiß »or-gczogcn.

2) Aus Gründen, d,e hier unmöglich auseinander gesetzt werden können, erhellet, daß ein Ealcnbcrgcr Bauer,oder vielmehr sein rother Kittel, der hier allein in Betracht kommt, ungefähr 80 Fuß entfernt sein muß, um voneinem Betrunkenen für eine Erdbeere, die „ur einen Fuß entfernt wäre, gehalten zu werden.