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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
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677-678
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Johann Gottfried vv» Herder.

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schaften und Cultur der Ration bestimmt sind,Domkapitel und Stifte, waren sammt demganzen Theile der Nation, der die französischeCultur liebte, für deutsche Wissenschaften ge-wöhnlich ganz todt; daher wir denn, trotzalles Privatfleißes, trotz mancher kühner Un-ternehmungen voll guten Zutrauens, das dafürbüßen mußte, an Dingen dieser Art unsernNachbarn, Britten und Franzosen, ja selbst

trag oder kauften ihre Rolle; sie billigten undmißbilligten, wie es ihnen gut dünkte. Daßaber in den bessern Stellen ihrer GedichteLucrez und Catull, Horaz und Virgil, Ovid,Tibull, Properz u. a. so classisch-ausgearbeitet,vollendet und schön schrieben, zeigt, daß sie sichfeinere Vorbilder, schärfere Leser und ein höhe-res Publicum dachten, als viele unsrer Dichterund Schriftsteller zu denken gewohnt sind. Ihre

Dänen und Schweden weit nachstehen. Die 10 eigne Bildung, und die Höhe, auf welcher Rom

.-- ' '' ^ stand, trug dazu bei. Der Geschichtschreiber

Roms schrieb die Geschichte der Weltmonarchin;ihre Dichter sangen in der römischen Sprache;in dieser stellten ihre Rechtsverständigen Ur-

deutsche Literatur, eine rüstige Arbeiterin undDienerin des Wissens, erscheint in einem Bett-lermantel von Maculatur; sie richtete seltenetwas mehr aus, als wohin Prioatfleiß, einzel-

nes Genie reichet. Die unschätzbaren Samm- 15 theile aus, als die Stimme ihrer großen Sied-

lungen der Kunst, die in vorigen Jahrhunder-ten ein vorübergegangener Hofgeschmack zusam-mengebracht hat, stehen oft unter hartenGesetzen der Clausur, als Heiligenbilder da.

ner dahin war; — mit dem Allen können wiruns nicht gleichen. Wenn aber unsre Spracheeine Schwester der Griechischen ist, da die Rö-mische nur die angenommene Tochter derselben

anschaubar, nicht immer brauchbar, noch we- 20 war: so hätten wir, sobald wir uns zur rö

niger weckend, am wenigstem begeisternd. Ueberden Werth unserer besten Productionen habensich die Stimmen unsers Publikums nach Jah-ren und Jahrhunderten »och so wenig vereini-get, daß wenn nicht Ausländer den Ton an-gegeben und mit Gewalt festgesetzt hätten, selbstüber Leibnitz Verdienst Deutschland noch in dergrößesten Unsicherheit wäre. Indessen geht derWeg der stillen Bildung fort. Was uns nicht

mischen Denkart erheben könnten, eine weitereLaufbahn vor uns als Jene. Ueberwinder derWelt wollen wir nicht werden; was aber inuns römischen oder i wenn dieser einst größere25 Name noch einen Werth hat) deutschen Charak-ter enthält, warum sollten wir das einer Sprachenicht geben können, die einst in viel roheremZustande auch eine Herrin der Welt war?Dichter und Geschichtschreiber, Rechtslchrer und

genommen werden konnte, ist deutsche Sprache, 30 Gesetzgeber, warum wurdet ihr zu solcher Zeit

deutscher Verstand und guter Wille; diese wer-den, wenn und sobald sie es vermögen, einmalein deutsches Publicum bilden. Die Vernunftgeht auch ihres Weges fort und ist in allenZeiten und Erdräumen nur Eine. Der Ge- 35schmuck endlich ist eine Nationalpflanze; wo sienicht gepflegt wird, oder des Bodens und Kli-ma wegen nicht anders als in schlechten Treib-häusern aufkommen kann, da gehet sie durch

nicht auch wie Jene für ein fortdauerndes Pub-licum Herren der Erde?

4. Publicum des Christenthums.

Als der Urheber des Christenthums seineStimme erhob, verbreitete er mit derselbenein Publicum über die Völker. Er kündigteein ankommendes Reich an, zu dem alle Na-

Unfreundlichkeit des Himmels unter. „Gesegnet 40 tioncn gehören, und das nicht in äußerlichen

seist du."

3. Publicum der Römer.

Von diesem werde ich nur wenig sagen dür-fen. Was in ihm Kunst und Geschmack war, 45 terstammte von den Griechen her, die meistensauch seine Mithelfer blieben. Als Ueberwinde-rin sammelte Rom; sie erfand aber nichtsNeues. Auch die Sprache der Römer bildete

Ceremonien, sondern in Uebungen des Geistes,in Vollkommenheiten des Gemüths, in Rein-heit des Herzens, in Beobachtung der streng-sten Billigkeit und einer verzeihenden Liebe lin-den Menschen blühe. Dahin zielen seineReden, dazu rüstete er andre aus, und dasGebet, das er seine Schüler lehrte, ist darü-ber ein bittendes Bekenntniß. „Es soll einReich zu uns kommen, in dem alles Ebrwür-

sich nur durch die Grieche» zu einer reinen und 50 dige geehrt, jede heilige Pflicht gethan, und der

ewigen Sprache.

Das Publicum also, das für die classischeDenkart in Rom blühete, war ein erbeutetes,künstliches Publicum; die Einrichtung der Stadtselbst war von einer Art, daß vielleicht keine 65Reichsstadt sie sich auf dauernde Zeiten wün-schen möchte. Weder das Volk, noch der Se-nat verdienen, außer der Rücksicht, daß sieHerren der Welt werden wollten, und waren,

Wille Gottes auf Erden so willig und vollkom-men vollbracht werde, wie ihn die seligen Gei-ster ausüben." Seine Stimme, die Stimmeseiner Boten in Lehren und Schriften erklang;es entstand eine Gemeine, ein christliches Pub-licum unter mehrcrn Nationen, das sich zudieser Lehre, Pflicht hnd Hoffnung bekannte.

Haben wir noch dies Publicum? Allerdings;die kleinste christliche Versammlung ist ein Gvm-

absvluteHochachtung; ein Römisches Volk, 60 bol der Einen allgemeinen Kirche, die unter

das mit römischer Anmaßung für seine StimmeBrod und circenische Spiele begehret, wünsch-ten wir uns auch nicht. Eben so wenig Clien-ten und Candidaken nach römischer Weise. Alsodas darum und den Senat an seine Orte ge-stellt, blieb denen Römern, die ein dauerndesPublicum suchten, nichts als was auch Wirhaben, der Beifall und die Stimme der erle-sensten edeln Römer. Diese hörten ihren Vor-

hunderk Völkern der Erde lebet. Diese warund ist h>e und da mit Mißbrauchen bedeckt,mit Mißverständnissen umnebelt; der reine klareSinn der Stiftung dieser Gcistesversammlung,65 ihr auf alle Zeiten und zum Gebäude der ge-stimmten Menschheit wirkender Zweck bleibtaber unverkennbar. Nicht in der Prachtgestalteines drückenden stolzen Gesetzes; in der auf-munternden , sanften Gestalt einer tröstenden