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Johann Gottfried von Herder.
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„Wie viel Ordnung und Ausbildung be-kommt die Sprache also schon eben damit", daßsie väterliche Lehre wird!" Wer lernt nicht,indem er lehret? Wer versichert sich nicht seinerIdeen, wer mustert nicht seine Worte, indemer sie andern mittheilt, und sie so oft von denLippen des Unmündigen stammeln höret? Hiergewinnt also die Sprache schon eine Form derKunst, der Methode; hier wurde die erste Gram-
Unh ich antworte: zuerst ist wieder das Faktumunrichtig, wie säst alle, die er anführt. (Suß-milch! „Ihre langgedchnte, achtsylbige Sprache?"das ist sie nicht. Condamine sagt blos: sie seiso eigen organisirt, daß, wo sie drei oder vierSylben aussprechcn, wir sieben bis acht schrei-ben müßten / und doch hätten wir sie noch nichtganz geschrieben, und dann „schwer, höchstbe-schwerlich?" Für wen ist sie dies anders als
matik, die ein Abdruck der menschlichen Seele 10 für Fremde? Und für die sollen sie sie ausbes-und ihrer natürlichen Logik war, schon durch fern? Für einen kommenden Franzosen, der je
eine scharfprüfende Censur berichtigt. kaum eine andere Sprache als die seinige, ohne
Rousseau, der hier nach seiner Art auf- sie zu verstümmeln, lernt, sollen sie sie ver-reist: „was hatte denn die Mutter ihrem Kinde bessern und fcanzisiren? Hätten aber deswegen
viel zu sagen? hatte das Kind nicht seiner Mutter 15 die Orenoker noch nichts in ihrer Sprache, jamehr zu sagen? woher lernte denn dies schon sich noch gar keine Sprache gebildet, weil sieSprache, sie seine Mutter zu lehren?" macht den Genius, der ihnen so eigen ist, um einenauch hier, wie gewöhnlich, ein panisches Feld- herabschiffenden Fremdling nicht vertauschen mö-geschrei. Allerdings hatte die Mutter mehr das gen? Ja gesetzt, sie bildeten auch nichts mehrKind zu lehren, als das Kind die Mutter, 20 in ihrer Sprache, auch nicht für sich; ist manweil jene es mehr lehren konnte, und weil der denn nie gewachsen, wenn .man nicht mehr
wächst? und hatten die Wilden nichts gethan,weil sie nichts gern ohne Noth thun? —
Gegentheils, welch ein Schatz ist jede Fa-25 miliensprache für ein werdendes Geschlecht!Fast in allen kleine» Rationen aller Welttheile,so wenig gebildet sie sein mögen, sind Liedervon ihren Vätern, Gesänge von den Thatenihrer Vorfahren das Heiligthum ihrer Sprache,30 Geschichte und Dichtkunst: sie sind ihre Weis-heit und Aufmunterung, ihr Unterricht, ihreSpiele und Tänze. Die Griechen sangen vonihren Argonauten, von Herkules und Bacchus,von Helden und Lrojabezwingern: und die Celten
mütterliche Instinkt, Liebe und Mitleiden, denRousseau aus Barmherzigkeit den Thieren zu-gibt und aus Großmuth seinem Geschlecht ver-saget, sie zu diesem Unterrichte, wie der Ueber-sluß der Milch zum Säugen, zwang. Sehenwir nicht selbst an manchen Thieren, daß dieAeltern ihre Jungen zu ihrer Lebensart gewöh-nen? Und wenn denn ein Vater seinen Sohnvon früher Jugend an zur Jagd gewöhnte,ging dies ohne Unterricht und Sprache ab?„Ein solches Wvrterdiktiren zeigte aber schoneine gebildete Sprache an, die man lehrt; nichteine, die sich erst bildet!" Abermal kein Unter-
schied, der eine Ausnahme machen dürfe. Frei- 35 von den Vätern ihrer Stämme, von Fingal
lich war die Sprache schon in dem Vater, inder Mutter gebildet, die solche ihren Kindernlehrten; aber durfte deswegen schon die Spracheganz gebildet sein, auch die, die sie nicht lehr-ten? Konnten die Kinder in einer neueren,weiteren, feineren Welt nicht mehr dazu erfin-den? oder ist eine zum Theil gebildete, sich aberweiter fortbildende Sprache ein Widerspruch?Wann ist die Französische, durch Akademien,
und Offian. Unter Peruanern und Nordame-rikanern, auf den Caraibischen und Mariani-schen Inseln herrscht noch dieser Ursprung derStammessprache in den Liedern ihrer Stämme40 und Vater; so wie fast in allen Theilen der WeltVater und Mutter ähnliche Namen haben.Nun läßt sich auch anmerken, warum unterso manchen Völkern, von denen wir Beispieleanführten, das männliche und weibliche Ge-Autoren und Wörterbücher sehr gebildete Spra- 45 schlecht fast zwo verschiedene Sprachen habe,che denn so zu Ende gebildet, daß sie sich mit nämlich weil beide nach den Sitten der Nation,jedem neuen originalen Autor, ja mit jedem als das edle und unedle Geschlecht, fast zweiKopfe, der neuen Ton in die Gesellschaft bringt, ganz abgetrennte Völker ausmachen, die nichtnicht neu bilden, oder mißbilden müßte? — einmal zusammenspeisen. Nachdem nun die Er-
Ein andrer Vertheidiger der gegenseitigen 50 ziehung väterlich oder mütterlich war: nachdemMeinung sagt: „wie doch je die Menschen aus mußte auch die Sprache Vater-^oder Mutler-
Nothdurft ihre Sprache hätten fortbilden wollen, ' ' ". --
wenn sie Lukrczens „stummes und häßliches Vieh"gewesen wären? " und läßt sich auf eine Mengehalbwahrer Instanzen der Wilden ein. Ich 55antworte bloß: Niemals! Niemals hätten siees wollen und können, wenn sie ein „stummesWich« gewesen wären. Sind aber die Wilden
von der Art? ist die barbarischste menschliche ^ .- -.
Ration ohne Sprache? Und ist denn je der 60 also eine Bildung verschiedener NatjonalsprachenMensch, als etwa in der Abstraktion der Phi- nothwendig,losophen und in einigen alten Mährchen, einsolches »stumm'es Vieh" gewesen?
Er fragt: „ob denn wohl, da alle Thiere
spräche werden, so wie nach der Sitte der Rö-mer sie gar häusliche Knechtssprache llinxu»vornacula) ward.
Drittes Naturgesetz.
Da das ganze menschliche Geschlecht unmög-lich Eine Hecrde bleiben konnte: so konnte esauch nicht Eine Sprache behalten. Es ward
Im eigentlichen Verstände ist nie schon EineSprache bei Mann und Weib, Vater und Sohn,beim Kinde und Greise möglich. Man gehe
Zwang scheuen, und alle Menschen Faulheit 65 z. B- unter den Morgenländern die langen
lieben, es je von den Orenoks des Condamineerwartet werden könne, daß sie ihre langge-v.chnte ochlsylbige, schwere und HLchstbeschwer->che Sprache änoern und verbessern sollten?"
Kurz. Pros. Lit.
und kurzen Vocale, die mancherlei Hauche undKehlbuchstaben, die leichte und so mannichfal-tige Verwechselung der Buchstaben von allerleiOrgan, die Ruhe und Sprachlichen, mit allen
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