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Johann Gottfried von Herder.
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weit als jene, stirbt - und so gehts ins Un-endliche. Man siehet, „der Plan, der über dieThiere geht, die nichts erfinden, kann nichtüber Geschöpfe gehen, die erfinden müssen,"oder es wird ein planloser Plan! Erfindet jedesfür sich allein, so wird unnütze Mühe ins Un-endliche vervielfältigt, und der erfindende Ver-stand seines besten Preises beraubt, zu wachsen.Was für Grund hätte ich, um irgendwo in derKette stille zn stehen, und nicht, so lange ichdenselben Plan wahrnehme, auch auf die Spra-che hinaufzuschließen? Kam ich auf die Welt,um sogleich in den Unterricht der Meinigen ein-treten zu müssen; so mein Vater, so der ersteSohn des ersten Stammvaters auch, und wieich meine Gedanken um mich und in meine Ab-folge breite: so mein Vater, so sein Stamm-vater; so der Erste aller Läter. Die Kettereicht fort und steht nur „bei Einem, dem Er-sten" stille. So sind wir alle seine Söhne:von ihm fängt sich Geschlecht, Unterricht,Sprache an: Er hat zu erfinden angefangen;wir alle haben ihm nacherfundea, bilden undmißbilden. Kein Gedanke in einer menschlichenSeele war verloren; nie aber war auch EineFertigkeit dieses Geschlechts auf Einmal ganzda, wie bei den Thieren. „Zufolge der ganzenOekonomie" war sie immer im Fortschritte, imGange: nichts Erfundenes, wie der Bau einerZelle, sonder» alles im Erfinden, im Fortwir-ken, strebend. In diesem Gesichtspunkt, wiegroß wird die Sprache! „Eine Schatzkammermenschlicher Gedanken, wohin jeder auf seineArt etwas beitrug; eine Summe der Wirksam-keit aller menschlichen Seelen."
Höchstens - (tritt hier die vorige Philoso-phie, die den Menschen gern als ein Land- undDomänengut betrachten möchte, dazwischen —)„Höchstens dürfte diese Kette doch wohl nurbis an jeden Einzelnen ersten Stammvater einesLandes reichen, von dem sich sein Geschlecht,wie seine Landessprache erzeugte?" Ich wüßtenicht, warum sie nur bis dahin und nicht wei-ter reichen sollte? Warum diese Landesväter nichtwieder unter sich einen Erdenvater könnten ge-habt haben, da „die ganze fortgehende Aehn-lichkeir der Haushaltung dieses Geschlechts" esso fordert. Ja (hören wir den Einwurf) „alswenns weise gewesen wäre, ein schwaches Men-schenpaar in einen Winkel der Erde zum Rau-be der Gefahr auszustellen?" Und als wennsweiser gewesen wäre, viele solche schwache Men-schenpaare einzeln in verschiedenen Winkeln derErde zum Raube zehnfach ärgerer Gefahren zumachen? Der Fall wagender Unvorsichtigkeitist nicht blos überall derselbe; sondern er wirdauch mit jeder Vervielfältigung vermehret. EinMenschenpaar, irgendwo, im besten, bequem-sten Klima der Erde, wo die Jahreszeit ihrerNacktheit am wenigsten strenge ist, wo derfruchtbare Boden den Bedürfnissen ihrer Uner-fahrenheit von selbst zu' statten kommt, wogleichsam alles umhergelagert ist, wie eineWerkstätte, um der Kindheit ihrer Künste zuHülfe zu kommen — ist dies Paar nicht weiserversorgt, als jedes andere menschliche Landthier,was unter dem unfreundlichsten Himmel invssppland oder Grönland, mit der ganzen Dürf-"gkeit der nackten, erfrornen Natur umgeben.
den Klauen eben so dürftiger, hungriger, undum so grausamerer Thiere, mithin unendlichmehrern Ungemächlichlichkeiten ausgesetzt ist?Die Sicherheit der Erhaltung nimmt also ab,je mehr die ursprünglichen Erdenmenschen ver-doppelt werden. Und dann wie lange bleibtdas Paar im seligern Klima Ein Paar? Eswird bald Familie, bald ein kleines Volk, undwenn es sich nun als Volk ausbreitet, es kommtin ein ander Land , es kommt schon als Volkhinein — wie weiser! wie sicherer! Viele anAnzahl, mit gehärteten Körpern, mit versuch-ten Seelen, ja mit dem ganzen Schatze vonErfahrungen ihrer Vorfahren beerbt: wie viel-fach also verstärkte und verdoppelte Seelen!Nun sind sie fähig, sich bald zu Landgeschöpfendieser Gegend zu vervollkommnen : sie werdenin kurzem so eingeboren, als die Thiere desKlima mit Lebensart, Denkart und Sprache.Beweiset nicht aber eben dies „den natürlichenFortgang des menschlichen Geistes, der sich auseinem gewissen Mittelpunkt zu Allem bildenkann." Es kommt nie auf eine Menge bloßerZahlen, sondern auf die Gültigkeit und Pro-gression ihrer Bedeutung, nie auf eine Men-ge schwacher Subjekte, sondern auf die Kräftean, mit denen sie wirken. Diese wirken ebenim simpelsten Verhältniß am stärksten; und nurdie Bande umfangen also das ganze Geschlechtam strengsten, die von Einem Punkte der Ver-knüpfung ausgehen-
Ich lasse mich in keine wettern Gründe die-ses einstämmigen Ursprungs ein: daß z. B.noch keine wahren Data von neuen Menschen-gattungen, die diesen Namen, wie die Thier-gattungen, verdienten, aufgefunden sind; daßdie offenbar allmählige und fortgehende Bevöl-kerung der Erde gerade das Gegentheil von ein-gebornen Landthiercn zeige; daß die Kette derCultur und ähnlicher Gewohnheiten dasselbe,nur dunkler, zeige u. s. w. Ich bleibe bei derSprache. Wären die Menschen Nationalthiere,deren jedes die seinige sich ganz unabhängig undabgetrennt von andern selbst erfunden hätte:so müßte diese gewiß „eine größere Vcrschieden-artigkeit" zeigen, als vielleicht die Einwohnerdes Saturns und der Erde gegen einander ha-ben mögen; und doch geht bei uns offenbarAlles auf Einem Grunde fort. Auf ememGrunde, nicht blos was die Form, sondernwas wirklich den Gang des menschlichen Geistesbetrift: denn unter allen Völkern der Erde istdie Grammatik beinahe auf Einerlei Art ge-baut. Die einzige Sinesische macht, meinesWissens, eine wesentliche Ausnahme, die ichmir aber als Ausnahme sehr zu erklären ge-traue. „Wie viel Sineser-Grammatiken aber,und wie viele Arten derselben müßten sein,wenn die Erde voll Sprachersindender Land-thiere gewesen wäre!"
Woher kommt's, daß so viele. Völker einAlphabet haben, und doch fast nur Ein Al-phabet auf dem Erdboden zu finden ist? Dersonderbare und schwere Gedanke, sich aus denBestandtheilen der willkürlichen Worte, ausLauten willkürliche Zeichen zu bilden, ist soverwickelt, so sonderbar, daß es gewiß uner-klärlich wäre, wie Viele und so Viele auf deneinen so entfernten Gedanken, und alle ganz
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