Johann Gottfried von Herder.
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sein Leben, sein Lob und seine» Ruhm, so un-bedacht, als seine Geschichte zu Markt trägt,immer von sich spricht, es mag seyn, wer dawill, der da höre! oder er höre, wie er wolle —Was ist der als ein tönendes Erz, oder eine 5ost sehr unangenehme klingende Schelle!
Mich dünkt, m. Z.,' schon ein wahrer guterStolz auf sich selbst müßte diese leere Großspre-cherey von sich selbst vernichten können: dennist's nicht eine wirkliche Verachtung gegen sich 10selbst, sich gleichsam mit der ganzen Welt ge-mein zu machen, und jede Gafsensecle für denBruder erkennen zu können, dem man sich mitder Geschichte sein selbst anvertraue? Ich bin,wcnn's auch nichts weiter wäre, zu stolz, um <5jeden Ungewaschnen an mir selbst Theil neh-men zu lassen, ihm zu sagen: was ich bin?wie ich denke? da - und darüber denke? woraufich dann stolz bin? — ich bin, sage ich, zustolz, um es vor jedem seyn zu wollen. Und 20da, wenn man doch aufrichtig seyn will, immerSchallen in dieß Gemählde kommen werden,Fehler, Schwachheiten, die man eben so gutwird bekennen müssen, als jene hellen Farbe»,ja die oft eben zu diesen gehören, durch die 25und durch deren Kampf und Versuchung wireben das geworden sind, was wir sind — owie viel zu feines, zartes, schönes Gemähldefür schlechte oder gleichgültige Augen! Sie wer-den von allem den übelsten oder gar keinen Ge- 30brauch machen, sie werde» Ruhmsucht sehen,wo nur das Herz sprach, und Fehler umher-tragen, wo sich die Farben für unsere Ueber-zeugung am schönsten und rührendsten brachen.
Die Geschichte wird böses thun, wo sie bey uns 35am meisten gutes erregte. — Und kurz, wennalles nicht wäre — das Gemählde eines edlenHerzens, die feinsten Züge eines durchdachtenLebens sind kein Marktstück für den Pöbel, son-dern gleichsam ein Kabinctsstück der Freund-schaft, an den Busen dessen, der mit uns gleichempfindet, gleich denkt — für alle übrigen istjeder Zug zu heilig! Perlen für die Säue, diesie zertreten mit ihren Füßen, und sich wendenund euch zerreißen.
Was für eine elende Sache, m. Z., Ruhmvon sich, Anekdoten von sich in anderer LeuteGedächtniß, Mund, oder lasset uns lieber dengeraden Ausdruck sagen, in der Leute Mäulerzu bringen, und selbst der zu seyn, der dasthun muß? Erstlich ist man im Munde desgroben, großen Haufens so schlecht aufgehoben —die besten Sachen verlieren schon durch den Ort,und in der zweiten Hand ihre edelsten, schätz-barsten Züge - und nach kurzer Zeit ist dasGemählde von den unreinen Händen so abge-griffen, vom häßlichen Athem so befleckt, daß esder Eigenthümer selbst am wenigsten kennenwird. Keiner der Theilnehmer und Mittkeilerwill doch auch umsonst Mahler seyn, doch auchnicht umsonst die Geschichte gewußt haben,und gibt ihr also (da er nichts besseres hat, sosehr seine eigene Dinre, seine» eigenen Anstrich,daß jeder ehrliche Mann in kurzer Zeit wirdbitten müssen, ihn mit dem Lobe gütigst zuverschonen- — Und ist ,,ian „un gar dazu ver-dammt gewesen , der Erste zu seyn, der dasBild umher reicht, der Erste und Einzige und- Immerwährende zu seyn, der in die Höhle
hinein schreie, damit es nur wieder herausschalle — niedrige Bestimmung! elendes Lob,das wir uns gezwungen sind, selbst zu geben,das uns kein anderer geben will! —
Der wahre edle und würdige Mann wirdnie zarter und verlegner seyn, als im Lobe seinselbst gegen andere. Wie sorgsam wird er seineLeute wählen? Wie 'enge den Cirkel schließen,dem er ein Gemählde von sich selbst, ein soschätzbares Stück seines Herzens anvertrauet!Er wird ihn nicht enge genug wählen, nichtgenug die Seelen zuvor prüfen, nicht genug denAugenblick, die heilige Stunde der Mittheilungaussondern, nicht genug auf sie erwärmen undzubereiten, und die Herzen auf innige Lheil-nehmung gefaßt machen können, ehe er spricht;aber auch alsdann, wenn er spricht, welche sü-ßere und bildendere Stunde gäbe es unter allenFreuden - Stunden des menschlichen Lebens, alseine solche? Eine würdige Seele kennenlernen,wie sie ist, und in ihrem Innern, nicht vor derWelt seyn will; die Umstände und Begeben-heiten ihres Lebens zu hören, durch die sie dasgeworden ist, was sie ist, was sie in ihrem In-nern seyn will, sie mit dem Tone der Wahrheit,mit der Empfindung des Herzens sprechen zuhören, bei der aller Verdacht des Selbstruhms,der Lüge, der Erdichtung, so weit wegfällt,und nur das laute offene, das empfindende Herzspricht, das nichts minder als sich hervorthun will,auch seine Fehler nicht verschweiget, nicht ver-schweiget, wie sie auch durch sie gut und bessergeworden? was sie gebildet? was auf sie die stärkstenEindrücke in ihrem Leben gemacht? durch welcheWürfe und Umwandlungen sie das gewordenist — das alles im Ton der Wahrheit des Ue-berganges aus Seele in Seele, aus Herz inHerz — gibt's, m. Z., seligere und bildendereStunden im Leben als diese? wo immer auch40 unsere Seele, das Zeugniß unserer selbst gegen-wärtig ist, unmittelbar Bild an Bild hält, sichimmer im Stillen verborgen fragte, wie mandagegen sey? in diesem und jenem Falle gewe-sen seyn würde? wie weit man auch das, oder45 das nicht sagen könne? — Gibt's, m. Z., eineNiederlage und ein Testament der Freundschaft,gibt's einen Genuß vom Leben des Andern füruns selbst, so ist's hier Eine solche Mittheilungund Ucbergabe unseres Ruhms und unserer50 Fehler, in die Seele, die dessen würdig ist,alles fühlt und anwendet; ist eine süßere Aus-breitung und Verewigung sein selbst, als hun-dert Nuhmgerichle auf den unreinen Lippen desPöbels. Da stiften wir mit Einer so edlen55 ausgesparten Ruhmsucht ein schätzbares Gute,und empfinden in der Theilnehmung ein Mit-gefühl, in der Zueinung des Andern bei seinemBestalle den süßesten, süßesten Lohn der Tugend-AUer lauter Ruhm ist Wind, ist Schall; und60 dieses verborgene, stille, schweigende Lob MWort und Lohn des Herzens.
Mit den andern, m. Z., die von alle deMnichts wissen, muß man sich nicht von sitV(sondern von ihnen selbst — denn davon sp^H65 chcn sie doch am liebsten, und so thut mannen mindestens einen Gefallen — und von Gie>M'gültigkeitcn unterhalten: denn so beleidigt n>akeinen, und kann schon immer durch die Art,wie man von alle dem spricht, durch den G-