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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
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Iosiann Wolfgang von Göthe.

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Aber lange können sie die Aufmerksamkeitdes Publikums nicht aus sich ziehen ; der tollsteEindruck wird gleich von Menge und Mannig-faltigkeit wieder verschlungen.

Besonders machen die Quacqueri zwar nichtso viel Lärm, doch eben so viel Aufsehe» alsdie Advocaten. Die Maske der Quacquerischeint so allgemein geworden zu sein durch dieLeichtigkeit auf dem Trödel altfränkische Klei-dungsstücke finden zu können.

Die Haupterfordernisse dieser Maske sind:daß die Kleidung zwar altfränkisch, aber wohl-erhaltcn und von edlem Stoff sei. Man siehtsie selten anders, als mit Sammt oder Seidebekleidet, sie tragen brocatene oder gestickteWesten, und der Natur nach muß der Quac-querv dickleibig sein; seine Gesichtsmaske ist ganz,mir Pausbacken und kleinen Augen; seine Pe-rücke hat wunderliche Iöpfchen; sein Hut istklein und meistens bordirt.

Man siehet, daß sich diese Figur sehr demIluNo carricato der komischen Oper nähert,und wie dieser meistentheils einen lappischen,verliebten, betrogenen Thoren vorstellt, so zei-gen sich auch diese als abgeschmackte Stutzer.Sie hüpfen mit großer Leichtigkeit auf den Ze-hen hin und her, führen große schwarze Ringeohne Glas starr der Lorgnetten, womit sie inalle Wagen hineingucken, nach allen FensternHinaufblicken. Sie machen gewöhnlich einensteifen, tiefen Bückling, und ihre Freude, be-sonders wenn sie sich einander begegnen, gebensie dadurch zu erkennen, daß sie mir gleichenFüßen mehrmals gerade in die Hohe hüpfen undeinen hellen durchdringenden unartikulirten Lautvon sich geben, der mit den Consonnanten brrverbunden ist.

Oft geben sie sich durch diesen Ton dasZeichen, und die nächsten erwiedern das Sig-nal, so daß in kurzer Zeit dieses Geschrillt denganzen Corso hin und wieder läuft.

Muthwillige Knaben blasen indeß in großegewundene Muscheln und beleidigen das Ohrmir unerträglichen Tönen.

Man sieht bald, daß bei der Enge des Raums,bei der Aehnlichkeit so vieler Maskenklcidungcn(denn es mögen immer einige hundert Pulci-nelle und gegen hundert Quacqueri im Corsoauf- und niederlaufen), wenige die Absicht ha-ben können, Aufsetzn zu erregen oder bemerktzu werden. Auch müssen diese früh genug imCorso erscheinen. Vielmehr geht ein jeder nuraus, sich zu vergnügen, seine Tollheit auszu-lasten und der Freiheit dieser Tage auf das bestezu genießen.

Besonders suchen und wissen die Mädchenund Frauen sich in dieser Zeit nach ihrer Artlustig zu machen. Jede sucht nur aus demHause zu kommen, sich auf welche Art es seivermummen, und weil die wenigsten in demstalle sind, viel Geld aufwenden zu können, sosind sie erfinderisch genug, allerlei Arten aus-zudenken, wie sie sich mehr verstecken als zieren.

Sehr leicht sind die Masken von BettlernUnd Bettlerinnen zu schaffen; schöne HaareVerben vorzüglich erfordert, dann eine ganzveisse Gesichlsmaske, ein irdenes Töpfchen anj """ farbigen Bande, ein Scab und ein Hutder Hand. Sie treten mit demüthiger Ge-

binde unter die Fenster und vor jeden hin, undempfangen statt Almosen Zuckerwerk, Rüsteund was man ihnen sonst Artiges geben mag.

Andere machen es sich noch bequemer, hüllensich in Pelze oder erscheinen in einer artigenHaustracht nur mit Gesichtsmasken. Sie ge-hen meistentheils ohne Männer, und führen alsOff- und Defensivwaffe ein Besenchen aus derBlüthe eines Rohrs gebunden, womit sie theilsdie Uebcrlästigcn abwehren, theils auch, muth-willig genug, Bekannten und Unbekannten, dieihnen ohne Masken entgegen kommen, im Ge-sicht herumfahren.

Wen» einer, auf den sie es gemünzt haben,zwischen vier oder fünf solcher Mädchen hinein-kommt, weiß er sich nicht zu retten. Das Ge-dränge hindert ihn zu fliehen, und wo er sichhinwendet, fühlt er die Besenchen unter derRase. Sich ernstlich gegen diese oder andereNeckereien zu wehren, würde sehr gefährlichsein, weil die Masken unverletzlich sind, undjede Wache ihnen beizustehen beordert ist.

Eben so müssen die gewöhnlichen Kleidun-gen aller Stände als Masken dienen. Stall-knechte mit ihren großen Bürsten, kommen, ei-nem jeden, wenn es ihnen beliebt, den Rückenauszukehren. Vetturine bieten ihre Dienste mitihrer gewöhnlichen Zudringlichkeit an. Zierlichersind die Masken der Landmädchen, Frascatane-rinnen, Fischer, Neapolitaner Schiffer, Nea-politanischer Sbirren und Grieche».

Manchmal wird eine Maske vom Theaternachgeahmt. Einige machen sich's sehr bequem,indem sie sich in Teppiche oder Leintücher hül-len, die sie über dem Kopfe zusammen binden.

Die weiße Gestalt pflegt gewöhnlich andernin den Weg zu treten und vor ihnen zu hüpfenund glaubt auf diese Weise ein Gespenst vorzu-stellen. Einige zeichnen sich durch sonderbareZusammensetzungen aus, und der Tabarro wirdimmer für die edelste Maske gehalten, weil siesich gar nicht auszeichnet. — - —

Ein Zauberer mischt sich unter die Menge,läßt das Volk ein Buch mit Zahlen sehen, underinnert es an seine Leidenschaft zum Lottospiel.

Mit zwei Gesichtern steckt einer im Ge-dränge: man weiß nicht, welches sein Lorder-theil, welches sein Hinrertheil ist, ob er kommt,ob er geht.

Der Fremde muß sich auch gefallen lassen,in diesen Lagen verspottet zu werden. Dielangen Kleider der Nordländer, die großen Knö-pfe, die wunderlichen runden Hüte fallen denRömern auf, und so wird ihnen der Fremdeeine Maske.

Weil die fremden Maler, besonders die,welche Landschaften und Gebäude studiern, inRom überall öffentlich sitzen und zeichnen, sowerden sie auch unter der Carnevalsmenge em-sig vorgestellt, und^zeigen sich mit großen Porte-feuille», langen surtouts und kolossalischenReisfedern sehr geschäftig.

Die Deutschen Bäckerkncchte zeichnen sich inRom gar sfl betrunken aus, und sie werdenauch mit einer Flasche Wein in ihrer eigentli-chen oder auch etwas verzierten Tracht taumelndvorgestellt.

Wir erinnern uns einer einzigen anzüglichenMaske.

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