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Johann Wolfgang von Gvthc.
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samen Masse sich fortzubewegen nicht langerausstehen mag, und Muth hat, zwischen denRädern und Fußgängern, zwischen der Gefahrund dem, der sich davor fürchtet, durchzuschlü-pfen, der kann in kurzer Zeit einen großenWeg zurücklegen, bis er sich wieder durch einanderes Hinderniß aufgehalten sieht.
Schon gegenwärtig scheint unsere Erzählungaußer den Grenzen des Glaubwürdigen zu schrei-ten , und wir würden kaum wagen fortzufah-ren, wenn nicht so viele, die dem RömischenCarneval beigewohnt, bezeugen könnten, daßwir uns genau an der Wahrheit gehalten, undwenn es nicht ein Fest wäre, das sich jährlichwiederholt und das von manchem, mit diesemBuche in der Hand, künftig betrachtet werdenwird.
Denn was werden unsere Leser sagen, wennwir ihnen erklären, alles bisher Erzählte seinur gleichsam der erste Grad des Gedränges,des Getümmels, des Lärmens und der Ausge-lassenheit?
Zug des Gouverneurs und Senators.
Indem die Kutschen sachte vorwärts rücken,und, wenn es eine Stockung gibt, stillehalten,werden die Fußgänger auf mancherlei Weisegeplagt.
Einzeln reitet die Garde des Papstes durchdas Gedränge hin und wieder, um die zufälli-gen Unordnungen und Stockungen der Wage»ins Geleis zu bringen, und indem einer denKutschpferden ausweicht, fühlt er, ehe er sich'sversieht, den Kopf eines Reitpferdes im Nacken :allein es folgt eine größere Unbequemlichkeit.
Der Gouverneur fährt in einem großenStaatswagen mit einem Gefolge von mehrernKutschen durch die Mitte zwischen den beidenReihen der übrigen Wagen durch. Die Gardedes Papstes und die vorausgehenden Bedientenwarnen und machen Platz, und dieser Zugnimmt für den Augenblick die ganze Breite ein,die kurz vorher den Fußgängern noch übrigblieb. Sie drängen sich, so gut sie können,zwischen die übrigen Wagen hinein, und aufeine oder die andere Weise bei Seile. Und wiedas Wasser, wenn ein Schiff durchführt, sichnur einen Augenblick trennt, und hinter demSteuerruder gleich wieder zusammenstürzt, soströmt auch die Masse der Masken und derübrigen Fußgänger hinter dem Zuge gleich wie-der in Eins zusammen. Nicht lange, so störteine neue Bewegung die gedrängte Gesellschaft.
Der Senator rückt mir einem ähnlichenZuge heran; sein großer Staatswagen und dieWagen seines Gefolges schwimmen wie auf den-Köpf«, der erdrückten Menge, und wenn jederEinheimische und Fremde von der Liebenswür-digkeit des gegenwärtigen Senators, des Prin-zen Rezzonico, eingenommen und bezaubert>«ird, so ist vielleicht dieses der einzige Fall,ü>o eine Masse von Menschen sich glücklich preist,ü>enn er sich entfernt.
Wenn diese beiden Züge der ersten Gerichts-und Polizeiherren von Rom, nur um das Ear-neval feierlich zu eröffnen, den ersten Tag durchden Corso gedrungen waren, fuhr der Herzogd°n Albanien täglich, zu großer Unbequemlich-Kurz, r-ro>. vit. II.
keit der Menge, gleichfalls diesen Weg, underinnerte zur Zeit der allgemeinen Mummereidie alte Beherrscherin der Könige an das Fast-nachtsspiel seiner königlichen Prätensionen.
Die Gesandten , welche das gleiche Rechthaben, bedienen sich dessen sparsam und miteiner humanen Diskretion.
Schöne Welt am Palast Ruspoli.
Aber nicht allein durch diese Züge wird dieCirculation des Corso unterbrochen und gehin-dert ; am Palast Ruspoli und in dessen Nähe,wo die Straße um nichts breiter wird, sinddie Pflasterwege an beiden Seiten mehr erhöht.Dort nimmt die schöne Welt ihren Platz, undalle Stühle sind bald besetzt oder besprochen.Die schönsten Frauenzimmer der Mittelklasse,reizend maskirt, umgeben von ihren Freunden,zeigen sich dort dem vorübergehenden neugieri-gen Auge. Jeder, der in die Gegend kommt,verweilt, um die angenehmen Reihen zu durch-schauen; jeder ist neugierig, unter den vielenmännlichen Gestalten, die dort zu sitzen schei-nen, die weiblichen heraus zu suchen und viel-leicht in einem niedlichen Officier den Gegen-stand seiner Sehnsucht zu entdecken. Hier andiesem Flecke stockt die Bewegung zuerst, denndie Kutschen verweilen so lange sie können indieser Gegend, und wenn man zuletzt haltensoll, will man doch lieber in dieser angeneh-men Gesellschaft bleiben.
Confetti.
Wenn unsere Beschreibung bisher nur denBegriff von einem engen, ja beinahe ängstlichenZustande gegeben hat, so wird sie einen nochsonderbarern Eindruck machen, wenn wir fer-ner erzählen, wie diese gedrängte Lustbarkeitdurch eine Art von kleinem, meist scherzhaftem,oft aber nur allzuernstlichem Kriege in Bewe-gung gesetzt wird.
Wahrscheinlich hat einmal zufällig eine Schöneihren vorbeigehenden guten Freund, um sichihm unter der Menge und Maske bemerklichzu machen, mit verzuckerten Körnern ange-worfen, da denn nichts natürlicher ist, als daßder Getroffene sich umkehre, und die lose Freun-din entdecke; dieses ist nun ein allgemeiner Ge-brauch, und man sieht oft nach einem Wurfeein Paar freundliche Gesichter sich einander be-gegnen. Allein man ist theils zu haushälterisch,um wirkliches Zuckerwerk zu verschwenden^theils hat der Mißbrauch desselben einen größernund wohlfeiler« Borrath nöthig gemacht.
Es ist nun ein eignes Gewerbe, Gypözeltlein,durch den Trichter gemacht, die den Scheinvon Dragücn haben, in großen Körben zumVerkauf mitten durch die Menge zu tragen.
Niemand ist vor einem Angriff sicher; je-dermann ist "" Bertheidigungsstande, und soentsteht aus Muthwülen oder Nothwendigkeit,bald hier bald da ein Zweikampf, ein Schar-mützel oder eine Schlacht. Fußgänger, Kuischen-fahrer, Zuschauer aus Fenstern, von Gerüstenoder Stühle», greifen einander wechselsweisean und vertheidigen sich Wechselsweise.
Die Damen haben vergoldete und versilberte
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