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Johann Wolfqmig von Gvthe.
Körbchen voll dieser Körner, und die Begleiterwissen ihre Schöne» sehr wacker zu vertheidi-gen. Mit niedergelassenen Kutschcnfcnstern er-wartet man den Angriff, man scherzt mit sei-nen Freunden, und wehrt sich hartnäckig gegenUnbekannte.
Nirgends aber wird dieser Streit ernstlicherund allgemeiner als in der Gegend des PalastsRuspoli. Alle Masken die sich dort niederge-lassen haben, sind mit Körbchen, Säckchen, zu-sammengebundenen Schnupftücher» versehen.Sie greifen öfter an, als sie angegriffen wer-den : keine Kutsche fährt ungestraft vorbei, ohnedaß ihr nicht wenigstens einige Masken etwasanhängen. Kein Fußgänger ist vor ihnen sicher;besonders wenn sich ein Abbatc im schwarzenRocke sehen läßt, werfen alle von allen Seilenauf ihn, und weil Gyps und Kreide, wohinsie treffen, abfärben, so sieht ein solcher baldüber und über weiß und grau punktirt aus.Oft aber werden die Händel sehr ernsthaft undallgemein, und man sieht mit Erstaunen, wieEifersucht und persönlicher Haß sich freien Lauslassen.
Unbemerkt schleicht sich eine vermummteFigur heran, und trifft mit einer Hand vollConfetti eine der ersten Schönheiten so heftigund so gerade, daß die Gesichtsmaske wicder-schallt, und ihr schöner Hals verletzt wird.Ihre Begleiter zu beiden Seiten werden heftigaufgereizt, aus ihren Körbchen und Säckchenstürmen sie gewaltig auf den Angreifenden los;er ist aber so gut vermummt, zu stark gehar-nischt, als daß er ihre wiederholten Würfe em-pfinden sollte. Je sicherer er ist, desto heftigersetzt er seinen Angriff fort; die Vertheidiger'decken das Frauenzimmer mit den Labarro'szu, und weil der Angreifende in der Heftigkeitdes Streits auch die Nachbarn verletzt undüberhaupt durch seine Grobheit und Ungestümjedermann beleidigt, so nehmen die Umhersitzcn-den Theil an diesem Streit, sparen ihre Gpps-körner nicht, und haben meistentheils auf solcheFälle eine etwas größere Munition, ungefährwie verzuckerte Mandeln in Reserve, wodurchder Angreifende zuletzt so zugedeckt und vonallen Seiten her überfallen wird, daß ihm nichtsals die Retraite übrig bleibt, besonders wenner sich verschossen haben sollte.
Gewöhnlich hat einer, der auf ein solchesAbenteuer ausgeht, einen Sekundanten bei sich,der ihm Munition zusteckt, inzwischen daß dieMänner, welche mit solchen Gypsconsctli han-deln, während des Streits, mit ihren Körbengeschäftig sind, und einem jeden, so viel Pfunder verlangt, eilig zuwiegen.
Wir haben selbst einen solchen Streit in derNähe gesehen, wo zuletzt die Streitenden, ausMangel au Munition, sich die vergoldetenKörbchen an die Köpfe warfen, und sich durchdie Warnungen der Wachen, welche selbst hcf-tig mit getroffen wurden, nicht abhalten ließen.
^twiß Gliede mancher solche Handel mitMesserstichen sich e„digen, wenn nicht die anmehreren Ecken aufgezogenen Corden, die be-bekanntcn Slrafwerkzeuge Italiänischer Polizei,jeden mitte» in der Lustbarkeit erinnerten, daßes in diesem Augenblicke sehr gefährlich sei, sichgefährlicher Waffen zu bedienen.
Unzählig sind diese Händel und die meistenmehr lustig als ernsthaft.
So kommt z. E. ein offner Wagen vollPulcinellen gegen Ruspoli heran. Er nimmt5 sich vor, indem er bei den Zuschauern vorbei-fährt, alle nach einander zu treffen; allein un-glücklicherweise ist das Gedränge zu groß, under bleibt in der Mitte stecken. Die ganze Ge-sellschaft wird auf einmal Eines Sinnes, undIN von allen Seiten hagelt es auf den Wagen los.Die Pulcinelle verschießen ihre Munition, undbleiben eine gute Weile dem kreuzenden Feuervon allen Seiten ausgesetzt, so daß der Wagenam Ende ganz wie mit Schnee und Schlossen15 bedeckt, inner einem allgemeinen Gelächter undvon Tönen des Mißbilligens begleitet, sich lang-sam entfernt.
Dialog am obern Ende des Corso.
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Indessen in dem Mittelpunkte des Corsodiese lebhaften und heftigen Spiele einen großenTheil der schönen Well beschäftigen, findet einanderer Theil des Publikums an dem obern25 Ende des Corso eine andere Art von Unter-haltung.
Unweit der Französischen Akademie tritt inSpanischer Tracht, mit Federnhut, Degen undgroßen Handschuhen, unversehens mitten ausZv den von einem Gerüste zuschauenden Maskender sogenannte Capitano des Italiänischen Thea-ters auf, und fängt an seine großen Thatenzu Land und Wasser in emphatischem Ton zuerzählen. Es währt nicht lange, so erhebt sich35 gegen ihm über ein Pulcinell, bringt Zweifelund Einwendungen vor, und indem er ihmalles zuzugeben scheint, macht er die Großspre-cherei jenes Helden durch Wortspiele und ein-geschobene Plattheiten lächerlich.
4N Auch hier bleibt jeder Vorbeigehende stehenund hört dem lebhaften Wortwechsel zu.
Pulcinellen-König.
45 Ein neuer Aufzug vermehret oft das Ge-dränge. Ein Dutzend Pulcinelle thu» sich zu-sammen, erwählen einen König, krönen ihn,geben ihm ein Scepter in die Hand, beglei-ten ihn mit Musik, und führen ihn unter lau-50 tem Jubel auf einem verzierten Wägelchen denCorso herauf. Alle Pulcinelle springen herbei,.wie der Zug vorwärts geht, vermehren dasGefolge, und machen sich mit Geschrei undSchwenken der Hüte Platz.
55 Alsdann bemerkt man erst, wie jeder dieseallgemeine Maske zu vermannichfaltigen sucht-
Der eine trägt eine Perrücke, der andereeine Weiberhaube zu seinem schwarzen Gesicht-der dritte hat statt der Mütze einen Käfig aus60 dem Kopfe, in welchem ei» paar Böget, alsAbbatc und Dame gekleidet, auf den Stängel'chen hin und wieder hüpfen.
Nebenstraßen.
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Das entsetzliche Gedränge, das wir unsern
Lesern so viel als möglich zu vergegenwärtigtgesucht haben, zwingt natürlicherweise e«Menge Masken aus dem Corso hinaus >»