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Johann Wolfgang von Göthe.
ich muß vielmehr schon auf das Wort Söhneeinen mehr articulirlcn Ton legen, so daß ichim steigenden Grade zu der Größe des Aus-drucks übergehen kann, welche das Wort feuri-ger erfordert. Auf solche Weise gesprochenwird es natürlich, rund und schön klinge» undder Endzweck des Ausdrucks vollkommen er-reicht sein.
Z. 0. Bei der Ausrufung „O!" wenn nocheinige Worte darauf folgen, muß etwas abge-setzt werden und zwar so, daß das „O!" eineneigenen Ausruf ausmache. Z. B.
O! — meine Mutter!
O! — meine Söhne!nicht
O meine Mutter!
O meine Söhne!
8. 10 . So wie in der Aussprache vorzüg-lich empfohlen wird, die Eigennamen rein unddeutlich auszusprechen, so wird auch in der De-klamation die nämliche Regel wiederholt, nur»och obendrein der stärker arliculirte Ton ge-fordert. Z. B.
„Nicht wo die goldne Ceres lacht,
Und der friedliche Pan, der Flurenbehüter."In diesem Bers komme» zwei bedeutende, jaden ganzen Sinn festhaltende Eigennamen vor.Wenn daher der Declamirende über sie mitLeichtigkeit hinwegschlüpft, ungeachtet er sierein und vollständig aussprcchen mag, so ver-liert das Ganze dabei unendlich. Dem Gebil-deten. wenn er die Namen hört, wird wohleinfallen, daß solche aus der Mythologie derAlten stammen, aber die wirkliche Bedeutungdavon kann ihm entfallen sein; durch den da-rauf gelegten Ton des Declamirenden aber wirdihm der Sinn deutlich. Eben so dem Wenig-gebildeten, wenn er auch der eigentlichen Be-schaffenheit nicht kundig ist, wird der stärkerarliculirte Ton die Einbildungskraft aufregenund er sich unter diesen Namen etwas Analo-ges mit jenem vorstellen, welches sie wirklichbedeuten.
8. ll. Der Declamirende hat die Freiheit
sich eigen erwählte Unterscheidungszeichen, Pau-se» rc. festzusetzen; nur hüte er sich den wahrenSinn dadurch zu verletzen, welches hier ebenso leicht geschehen kann, als bei einem ausge-5 laffenen oder schlecht ausgesprochenen Worte.
Z. 12. Man kann aus diesem Wenigenleicht einsehen, welche unendliche Mühe und Zeites kostet, Fortschritte in dieser schweren Kunstzu machen.
10 8. ll!. Für den anfangenden Schauspieleristes
von großem Vortheil, wenn er alles was er decla-mirr so tief spricht als nur immer möglich. Denndadurch gewinnt er einen großen Umfang in derStimme und kann dann alle weiter» Schatti-15 rungen vollkommen geben. Fängt er aber zuhoch an, so verliert er schon durch die Gewohn-heit die männliche Tiefe und folglich mit ihrden wahren Ausdruck des Hohen und Geistigen.Und was kann er sich mit einer grellenden und20 quitschenden Stimme für einen Erfolg verspre-chen? Hat er aber die tiefe Dcclamation völliginne, so kann er gewiß sein, alle nur möglichenWendungen vollkommen ausdrücken zu können.
Rhythmischer Vertrag.
8- 14. Alle bei der Dcclamation gemach-ten Regeln und Bemerkungen werden auch hier30 zur Grundlage vorausgesetzt. Insbesondere istaber der Charakter des rhythmischen Vertrags,daß der Gegenstand mir noch mehr erhöhtem,pathetischem Ausdruck dcclamirt sein will. Miteinem gewissen Gewicht soll da jedes Wort aus-35 gesprochen werden.
Z. >5. Der Sylbenbau aber so wie die ge-reimten Endsylben dürfen nicht zu auffallendbezeichnet, sondern es muß der Zusammenhangbeobachtet werde», wie in Prosa.
40 8- 1<>. Hat man Jamben zu declamiren,
so ist zu bemerken, daß man jeden Anfang einesVerses durch ein kleines kaum merkbares Inne-halten bezeichnet; doch muß der Gang der De-klamation dadurch nicht gestört werden.
VlII. Die Nnturwissmschllftrn der Alten und Neuern, mit besonderer Beziehung
auf die Farbenlehre.
Wie irgend >cmand über einen gewissen Falldenke, wird man nur erst recht einsehen, wen»man weiß, wie er überhaupt gesinnt ist. Die-ses gilt, wenn wir die Meinungen über wis-senschaftliche Gegenstände, es sei nun einzelnerMenschen oder ganzer Schulen und Jahrhun-derte, recht eigentlich erkennen wollen. Daherist die Geschichte der Wissenschaften mit der Ge-schichte der Philosophie innigst verbunden, abereben so auch mit der Geschichte des Lebens unddes Charakters der Individuen, so wie derVölker.
So begreift sich die Geschichte der Farben-lehre auch nur j„ Gefolge der Geschichte allerNaturwissenschaften. Denn zur Einsicht in dengeringste» Theil ist die Uebersicht des Ganzennöthig. Auf eine solche Behandlung können
wir freilich nur hindeuten; indessen wenn w'sunter unsern Materialien manches mit einfü^55 ren, was nicht unmittelbar zum Zwecke zuhören scheint, so ist ihm doch eigentlich a"deßwegen der Platz gegönnt, um an allgensslssBezüge zu erinnern, welches in der Gesch'ch.,der Farbenlehre um so nothwendiger ist, als!60 ihre eigenen Schicksale gehabt hat und auf^.,Meere des Wissens bald nur für kurzeauftaucht, bald wieder auf längere niedernund verschwindet.
In wiefern bei der ersten Entwick^. ^65 nachsinnender Menschen mystisch - arith'ur ILorstellungsarten wirklich statt gefunden-^,schwer zu beurtheilen, da die Documente ^stens verdächtig sind. Manches andre, ^ ,.^,tzenuns von jenen Anfängen gern möchte ch