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Johann Wolfgang von Gothe.
vorige Denkweise, gereinigt ünd erhöht, entgegen.
Er sondert, was empfunden wird. Die Farbeist sein viertes Empfindbares. Hier finden wirdie Hören, das Innere, das dem Acußern ant-wortet, wie beim Empedokles, nur geistiger und 5mächtiger; aber was vor allem ausdrücklich zubemerken ist, er kennt den Hauptpunkt der gan-zen Farben- und Lichtschatten-Lehre; denn ersagt unS: durch das Weiße werde das Gesichtentbunden, durch das Schwarze gesammelt. 10
Wir mögen anstatt der griechischen Wortes;nlir>»viii und ü'mkriiwiii in anderen Spra-chen setzen was wir wollen: Zusammenziehen,Ausdehnen, Sammeln, Entbinden, Fesseln,Lösen , rötrvvir und üüvolvppvr vlo., so fin- 15den wir keinen so geistig-körperlichen Ausdruckfür das Pulsiren, in welchem sich Leben undEmpfinden ausspricht. neberdicß sind die grie-chischen Ausdrücke srunstworte, welche bei meh-ren! Gelegenheiten vorkommen, wodurch sich ihre 20Bedeutsamkeit jedesmal vermehrt.
So entzückt uns denn auch in diesem Fall,wie in den übrigen, am Plato die heilige Scheu,womit er sich der Natur nähert, die Vorsicht,womit er sie gleichsam nur umtostet, und bei 35näherer Bekanntschaft vor ihr sogleich wiederzurücktritt, jenes Erstaunen, das, wie er selbstsagt, den Philosophen so gut kleidet.
Den übrigen Gehalt der Meinungen Plato'süber die Farbe bringen wir in dem Folgenden 50nach, indem wir unter dem Namen des Ari-stoteles alles versammeln können, was den Al-len über diesen Gegenstand bekannt gewesen.
Die Alten glaubten an ein ruhendes Lichtim Auge; sie fühlten sodann als reine kräftige 35Menschen die Selbstthätigkcit dieses Organsund dessen Gegenwirken gegen das Aeußcre,Sichtbare; nur sprachen sie dieses Gefühl so wiedes Fassens, des Ergrcifens der Gegenständemit dem Auge durch allzu krude Gleichnisse 40aus. Die Einwirkung des Auges nicht aufsAuge allein, sondern auch aus andre Gegen-stände erschien ihnen so mächtig wundersam,daß sie eine Art von Bann und Zauber gewahrzu werden glaubten. 45
Das Sammeln und Entbinden des AugeSdurch Licht und Finsterniß, die Dauer des Ein-drucks war ihnen bekannt. Von einem farbi-gen Abklingen, von einer Art Gegensatz findensich Spuren. Aristoteles kannte den Werth 50und die Würde der Beachtung der GegensätzeÜberhaupt. Wie aber Einheit sich in Zweiheitselbst auseinander lege, war den Alten verbor-gen. Sie kannten den Magnet, das Elektron,bloß als Anziehen; Polarität war ihnen noch 55nechc deutlich geworden. Und hat man bis ausdie neuesten Zeiten nicht auch nur immer derAnziehung die Aufmerksamkeit geschenkt, unddas zugleich geforderte Abstoßen nur als eineNachwirkung der ersten schaffenden Kraft bc- 60trachtet?
In der Farbenlehre stellten die Alten Lichtund Finsterniß, Weiß und Schwarz, einanderentgegen. Sie bemerkten wohl, daß zwischendiesen die Farben entspringen; aber die Art 65und Weise sprachen sie nicht zart genug aus,obgleich Aristoteles ganz deutlich sagt, daß hiervon keiner gemeinen Mischung die Rede sei.
Derselbe legt «inen sehr großen Werth auf
die Erkenntniß des Diaphanen, als des Mittels,und kennt so gut als Plato die Wirkung destrüben Mittels zur Hervorbringung des Blauen.Bei allen seinen Schritten aber wird er denndoch durch Schwarz und Weiß, das er baldmateriell nimmt, bald symbolisch oder vielmehrrationell behandelt, wieder in die Irre geführt.
Die Alten kannten das Gelbe, entspringendaus gemäßigtem Licht; das Blaue bei Mitwir-kung der Finsterniß; das Rothe durch Verdich-tung, Beschattung, obgleich das Schwankenzwischen einer aromistischen und dynamischenVorstellungsart auch hier oft llndeutlichkeit undVerwirrung erregt.
Sie waren ganz nahe zu der Eintheilnnggelangt, die auch wir als die günstigste ange-sehen haben. Einige Farben schrieben sie dembloßen Lichte zu, andere dem Licht und denMitteln; andere den Körpern als inwohnend,und bei diesen letztern kannten sie das Ober-flächliche der Farbe sowohl als ihr Penetrativesund hatten in die Umwandlung der chemischenFarben gute Einsichten. Wenigstens wurdendie verschiedenen Falle wohl bemerkt und dieorganische Kochung wohl beachtet.
Und so kann man sagen, sie kannten alledie hauptsächlichsten Punkte, worauf es ankommt;aber sie gelangten nicht dazu, ihre Erfahrun-gen zu reinigen und zusammen zu bringen.Und wie einem .Schatzgräber, der durch diemächtigsten Formeln den mit Gold und Juwe-len gefüllten blinkenden Kessel schon bis an denRand der Grube herausgebracht hat, aber einEinziges an der Beschwörung versieht, das nahgehoffle Glück unter Geprassel und Gepalterund dämonischem Hohngelächcer wieder zurück-sinkt, um auf spüre Epochen hinaus abermalsverscharrt zu liegen; so ist auch jede unvollen-dete Bemühung für Jahrhunderte wieder ver-loren; worüber wir uns jedoch trösten müssen,da sogar von mancher vollendeten Bemühungkaum noch eine Spur übrig bleibt.
Werfen wir nun einen Blick auf das allge-meine Theoretische, wodurch sie das Gewahrge-wordne verbinden, so finden wir die Vorstellung,daß die Elemente von den Farben begleitetwerden. Die Einlheilung der ursprünglichenNaturkräfte in vier Elemente ist für kindlicheSinnen faßlich und erfreulich, ob sie gleich nuroberflächlich gelten kann; aber die unmittelbareBegleitung der Elemente durch Farben ist eil!Gedanke, den wir nicht schelten dürfen, da wirebenfalls in den Farben eine eleinentare überalles ausgegoffene Erscheinung anerkennen.
Ueberhaupt aber entsprang die Wissenschaftfür die Griechen aus dem Leben. Beschaut mHldas Büchelchcn über dir Farben genau, unfgehaltvoll findet man solches. Welch ein Am*merken, welch ein Aufpassen auf jede Bevi»'gung, unter welcher diese Erscheinung zu beob^achten ist. Wie rein, wie ruhig gegen spätesZeiten, wo die Theorien keinen andern Z^fzu haben schienen, als die Phänomene bei Se>
zu bringen, die Aufmerksamkeit von ihnen " 'zulenken, ja sie wo möglich aus der Natur svertilgen. „
Das was man unter jenen Elementen vstand, mir allen Zufälligkeiten ihres Erscheint 'ward beobachtet; Feuer so gut als Rm