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Johann Wvlfgang
Nach langem Harren, Drangen und Wogenvernahm denn zuletzt das Volk den Name» Jo-sephs des zweiten, der zum Römischen Königausgerufen wurde-
Der Zudrang der Fremden in die Stadt 5ward nun immer stärker. Alles fuhr und gingin Gallakleidern, sp daß man zuletzt nur dieganz goldenen Anzüge bemerkenswerth fand.Kaiser und KLnig'waren schon in Heusenstamm,einem gräflich Schönbornischen Schlöffe, ange- kolangt und wurden dort herkömmlich begrüßtund willkommen geheißen; die Stadt aber feyertediese wichtige Epoche durch geistliche Feste sämmt-licher Religionen, durch Hochämter und Pre-digten, und von weltlicher Seite, zu Beglei- k5tung des Le-Deum, durch unablässiges Ka-noniren.
Hätte man alle diese öffentlichen Feyerlich-lichkeilen von Anfang bis hierher als ein über-legtes Kunstwerk angesehen, so würde man 20nicht viel daran auszusetzen gefunden haben.Alles war gut vorbereitet; sachte fingen dieöffentlichen Auftritte an und wurden immerbedeutender; die Menschen wuchsen an Zahl,die Personen an Würde, ihre Umgebungen wie 25>>e selbst an Pracht, und so stieg es mit jedemTage, so daß zuletzt auch ein vorbereitetes ge-faßtes Auge in Verwirrung grrielh.
Der Einzug des Churfürsten von Mainz,welchen ausführlicher zu beschreiben wir abge- 30lehnt, war prächtig und imposant genug, umin der Einbildungskraft eines vorzüglichen Man-nes die Ankunft eines großen gcwciffagten Welt-herrschers zu bedeuten. Auch wir waren dadurchnicht wenig geblendet worden. Run aber spannte 35sich unsere Erwartung aufs höchste, als es hieß,der Kaiser und der künftige König nähertensich der Stadt. In einiger Entfernung vonSachsenhausen war ein Zelt errichtet, in wel-chem der ganze Magistrat sich aufhielt, um 40dem Oberhaupte des Reichs die gehörige Ver-ehrung zu bezeigen und die Stadtschlüssel an-zubieten. Weiter hinaus, auf einer schönengeräumigen Ebene, stand ein anderes, ein Pracht-gezelt, wohin sich die sämmtlichen Churfürsten 45Und Wahlbolschafler zum Empfang der Maje-stäten verfügten, indessen ihr Gefolge sich denganzen Weg entlang erstreckte, um nach unddach, wie die Reihe an sie käme, sich wiedergegen die Stadt in Bewegung zu setzen undgehörig in den Zug einzutreten. Nunmehr fuhrder Kaiser bei dem Zelt an, betrat solches, und"ach ehrfurchtsvollem Empfange beurlaubten sich°ee Churfürsten und Gesandten, um ordnungs-gemäß dem höchsten Herrscher den Weg zubahnen.
, Wir andern, die wir in der Stadt geblie-dn, um diese Pracht innerhalb der MauernUnd Straßen noch mehr zu bewundern, als esuf freiem Felde hätte geschehen können, warenurch von der Bürgerschaft in den Gassen^'g^stellte Spalier, durch den Zudrang des°lks, durch mancherlei dabei vorkommende, *^ße und Unschicklichkeiten einstweilen garunterhalten, bis uns das Geläute derda 0Een und der Kanonendonner die unmittel-ein? des Herrschers ankündigten. Wasw Frankfurter besonders wohlthun mußte,
- daß bei dieser Gelegenheit, bei der Ge-
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von Götho.
gcnwarr so vieler Souveräne und ihrer Reprä-sentanten, die Reichsstadt Frankfurt auch alsein kleiner Souverän erschien: denn ihr Stall-meister eröffnete den Zug, Reitpferde mit Wap-pendecken , worauf der weiße Adler im rolhenFelde sich gar gur ausnahm, folgten ihm. Be-diente und Officianten, Pauker und Trompe-ter, Depulicle des Raths, von Rakhsbedienrenin der Stadtlivree zu Fuße begleitet. Hieranschloffen sich die drei Kompagnien der Bürger-cavallerie, sehr wohl beritten, dieselbigen, diewir von Jugend aus bei Einholung des Gelei-tes und andern öffentlichen Gelegenheiten ge-kannt hatten. Wir erfreuten uns an dem Mit-gefühl dieser Ehre und an dem Hundcrnausend-theilchen einer Souveränetär, welche gegenwär-tig in ihrem vollen Glanz erschien. Die ver-schiedenen Gefolge des Reichserbmarschalls undder von den sechs weltlichen Churfürsten abgeord-neten Wahlgcsandten zogen sodann schrittweisedaher. Keins derselben bestand aus wenigerdenn zwanzig Bedienten und zwei Staatswagen;bei einigen aus einer . noch größcrn Anzahl.Das Gefolge der geistlichen Churfürsten warnun immer im Steigen; die Bedienten undHausofsicianten schienen unzählig, Chur-Kölnund Chur-Trier hatten über zwanzig Sraats-wagen, Chur - Mainz allein eben so viel. DieDienerschaft zu Pferde und zu Fuß war durch,aus aufs prächtigste gekleidet, die Herren inden Equipagen, geistliche und weltliche, hattenes auch nicht sehken lassen, reich und ehrwür-dig angethan, und geschmückt mit allen Le-benszeichen , zu erscheinen. Das Gefolg derkaiserlichen Majestät ühcrtraf nunmehr wie bil-lig die übrigen. Die Bereiter, die Handpferde,die Reitzeuge, Schabracken nnd Decken zogenaller Augen auf sich, und sechzehn sechsspännigeGallawagen der kaiserlichen Kammerherren,Gehcimcnräthe, des Oberkämmerers, Oberhof-meisters, Oberstallmeisters beschlossen mit gro-ßem Prunk diese Abtheilung des Zugs, welcheungeachtet ihrer Pracht und Ausdehnung dochnur der Bortrab sein sollte.
Run aber concentrirte sich die Reihe, in-dem sich Würde und Pracht steigerten, immermehr. Denn unter einer ausgewählten Be-gleitung eigener Hausdiencrschaft, die meistenzu Fuß, wenige zu Pferde, erschienen die Wahl-botschafter so wie die Churfürsten in Person,nach aufsteigender Ordnung, jeder in einemprächtigen Staatswagen- Unmittelbar hinterChur-Mainz kündigte» zehn kaiserliche Läufer,einundvierzig Lakayen und acht Heiducken die55 Majestäten selbst an- Der prächtigste Staats-wagen, auch im Rücke» mit einem ganzenSpiegelglas versehen, nur Malerey, LackirungSchnitzwerk und Vergoldung auzgeziert, mitrothem gesticktem Sammt obenher und inwen-60 big bezogen, ließ uns ganz bequem Kaiser undKönig, die längst erwünschten Häupter in allerihrer Herrlichkeit betrachten. Man hatte denZug einen weiten Umweg geführt, theils ausNothwendigkeit, damit er sich nur entfalten65 könne, theils um ihn dxx großen Menge Men-schen sichtbar zu machen. Er war durch Sach-senhausen, über die Brücke, die Fahrgasse, so-dann die Zeile hinunter gegangen, und wen-dete sich nach der innern Stadt durch die Ka-
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