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Johann Wolfgang von Gothe.
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Bürger auf deutsche kleinstädtische Gelehrten-verhällniffe herüber, und war eben nirgends,am wenigsten bei sich zu Hause.
Wie aber schon in dieser Epoche genialischeWerke entsprangen, so regte sich auch hier derdeutsche Frei- und Frohsinn. Dieser, begleitetvon einem aufrichtigen Ernste, drang darauf,daß rein und natürlich, ohne Einmischung frem-der Worte, und wie es der gemeine, verständ-liche Sinn gab, geschrieben würde. Durch diese«löblichen Bemühungen ward jedoch der vater-ländischen breiten Plattheit Thür und Thorgeöffnet, ja der Damm durchstochen, durch wel-chen das große Gewässer zunächst eindringensollte. Indessen hielt ein steifer Pedantismusin allen vier Fakultäten lange Stand, bis ersich endlich viel später aus einer in die andereflüchtete.
Gute Köpfe, freiaufblickende Naturkinderhatten daher zwei Gegenstände, an denen siesich üben, gegen die sie wirken und, da dieSache von keiner großen Bedeutung war, ihrenMulhwillen auslasten konnten; diese waren einedurch fremde Worte, Wortbildungen und Wen-dungen verunzierte Sprache, und sodann dieWerthlosigkeit solcher Schriften, die sich vonjenem Fehler frei zu erhallen besorgt waren;wobei niemanden einfiel, daß, indem man einUebel bekämpfte, daß andere zu Hülfe gerufenward.
Liscow, ein junger kühner Mensch, wagtezuerst einen seichten, albernen Schriftsteller per-sönlich anzufallen, dessen ungeschicktes Beneh-men ihm bald Gelegenheit gab, heftiger zuverfahren. Er griff sodann weiter um sich undrichtete seinen Spott immer gegen bestimmtePersonen und Gegenstände, die er verachteteund verächtlich zu machen suchte, ja mit lei-denschaftlichem Haß verfolgte. Allein seine Lauf-bahn war kurz; er starb gar bald, verschollenals ein unruhiger, unregelmäßiger Jüngling.In dem was er gethan, ob er gleich weniggeleistet, mochte seinen Landsleuten das Talent,der Eharakter schätzenswerth vorkommen: wiedenn die Deutschen immer gegen frühabgeschie-dene, gutes versprechende Talente eine beson-dere Frömmigkeit bewiesen haben; genug, unsward Liscow sehr früh als ein vorzüglicher Sa-tyriker, der sogar den Rang vor dem allgemeinbeliebten Rabener verlangen könnte, gepriesenund anempfohlen. Hierbei sahen wir uns frei-lich nicht gefordert; denn wir konnten in sei-nen Schriften weiter nichts erkennen, als daßkr das Alberne albern gefunden habe, welchesuns eine ganz natürliche Sache schien.
Rabener, wohl erzogen, unter gutem Schul-Nnterricht aufgewachsen, von heilerer und kei-neswegs leidenschaftlicher oder gehässiger Natur,ergriff die allgemeine Satyre. Sein Tadel der^genannten Laster und Thorheiten entspringt^us reinen Ansichten des ruhigen Menschen-verstandes und aus einem bestimmten sittlichen^egriff, ,vie die Welt seyn sollte- Die RügeEs Fehler und Mangel ist harmlos undveiter; und damit selbst die geringe KühnheitMner Schriften entschuldigt werde, so wirdarausgcsctzt, daß die Besserung der Thoren^>rchs Lächerliche kein fruchtloses Unlerneh-
Rabeners Persönlichkeit wird nicht leicht wiedererscheinen. Als tüchtiger, genauer Geschäfts-mann thut er seine Pflicht, und erwirbt sichdadurch die gute Meinung seiner Mitbürgerund das Vertrauen seiner Oberen; nebenherüberläßt er sich zur Erholung einer heiterenNichtachtung alles dessen, was ihn zunächstumgibt. Pedantische Gelehrte, eitle Jünglinge,jede Art von Beschränktheit und Dünkel bescherzter mehr als daß er sie bespottete, und selbstsein Spott drückt keine Verachtung aus. Ebenso spaßt er über seinen eigenen Zustand, übersein Unglück, fein Leben und seinen Tod.
Die Art, wie dieser Schriftsteller seine Ge-genstände behandelt, hat wenig ästhetisches. Inden äußern Formen ist er zwar mannnichsaltiggenug, aber durchaus bedient er sich der direk-ten Ironie zu viel, daß er nämlich das Ta-delnswürdige lobt und das Lobenswürdige ta-delt, welches rednerische Mittel nur höchst sel-ten angewendet werden , sollte: denn aus dieDauer fällt es einsichtigen Menschen verdrieß-lich, die schwachen macht es irre, und behagtfreilich der großen Mittelklasse, welche, ohnebesondern Geistesaufwand, sich klüger dünkenkann als andere. Was er aber und wie er esauch vorbringt zeugt von seiner Rechtlichkeit,Heiterkeit und Gleichmüthigkeit, wodurch wiruns immer eingenommen fühlen; der unbe-gränzle Beifall seiner Zeit war eine Folge sol-cher sittlichen Borzüge.
Daß man zu seinen allgemeinen Schilderun-gen Musterbilder suchte und fand, war natür-lich; daß einzelne sich über ihn beschwerten,folgte daraus; seine'allzulangen Vertheidigun-gen, daß seine Satyre keine persönliche sei,zeugen von dem Lerdruß, den man ihm erregthat. Einige seiner Briefe setzen ihm als Men-schen und Schriftsteller den Kranz auf. Dasvertrauliche Schreiben, worin er die DresdnerBelagerung schildert, wie er sein Haus, seineHabseligkeiien, seine Schriften und Perrückenverliert, ohne auch im mindesten seinen Gleich-mut!, erschüttert, seine Heiterkeit getrübt zusehen, ist höchst schätzenswerth, ob ihm gleichseine Zeit- und Sladtgenoffen diese glücklicheGemüthsart nicht verzeihe» konnten. DerBrief, wo er von der Abnahme seiner Kräfte,von seinem nahen Tode spricht, ist äußerst re-spektabel, und Rabener verdient, von allen hei-teren, verständigen, in die irdischen Ereignissefroh ergebenen Menschen als Heiliger verehrtzu werden.
Ungern reiße ich mich von ihm los, nur dasbemerke ich noch: seine Satyre bezieht sichdurchaus auf den Mittelstand; er läßt hie undda vermerken, daß er die höheren auch wohlkeime, es aber nicht für räthlich halte sie zuberühren- Man kann sagen, daß er keinenNachfolger gehabt, daß sich niemand gefunden,der sich ihm gleich oder ähnlich hätte hallendürfen. .
Run zur Kritik! und zwar vorerst zu dentheoretischen versuchen. Wir holen nicht zuweit aus, wenn wir sagen, daß damals dasIdeelle sich aus der Welt in die Religion ge-flüchtet hatte, ja sogar in der Sittenlehre kaumzum Vorschein kam; von einem höchsten Prin-cip der Kunst halte niemand eine Ahnung.
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