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Johann Wolfgang von Göthe.
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verherrlicht werden. Der Erlöser sollte derHeld sein, den er, durch irdische Gemeinheitund Leiden, zu den höchsten himmlischen Tri-umphen zu begleiten gedachte. Alles was Gött-liches, Englisches, Menschliches in der jungenSeele lag, ward hier in Anspruch genommen.Er, an ver Bibel erzogen und durch ihre Kraftgenährt, lebt nun mir Erzvatern, Prophetenund Vorläufern als Gegenwärtigen; doch allesind seit Jahrhunderten nur dazu berufen, einenlichten Kreis um den Einen zu ziehen, dessenErniedrigung sie mit Staunen beschauen, undan dessen Verherrlichung sie glorreich Theilnehmen sollen. Den» endlich, nach trüben undschrecklichen Stunden, wird der ewige Richtersein Antlitz entwölken, seinen Sohn und Mit-gott wieder anerkennen, und dieser wird ihmdagegen die abgewendeten Menschen, ja sogareinen abgefallenen Geist wieder zuführen. Dielebendigen Himmel jauchzen in tausend Engel-stimmen um den Thron, und ein Liebesglanzübergießt das Weltall, das seinen Blick kurzvorher auf eine gräuliche Opferstätte gesammelthielt. Der himmlische Friede, welchen Klop-stock bei Conception und Ausführung dieses Ge-dichtes empfunden, theilt sich noch jetzt einemjeden mit, der die ersten zehn Gesänge liest,ohne die Forderungen bei sich laut werden zulassen, auf die eine fortrückende Bildung nichtgerne Verzicht thut.
Die Würde des Gegenstandes erhöht» demDichter das Gefühl eigner Persönlichkeit. Daßer selbst dereinst zu diesen Chören eintreten,daß der Gottmensch ihn auszeichnen, ihm vonAngesicht zu Angesicht den Dank für seine Be-mühungen abtragen würde, den ihm schon hierjedes gefühlvolle, fromme Herz, durch manchereine Zähre, lieblich genug entrichtet halte:dieß waren so unschuldige kindliche Gesinnun-gen und Hoffnungen, als sie nur ein wohlge-schaffenes Gemüth haben und hege» kann. Soerwarb nun Klopstock das völlige Recht sich alseine geheiligte Pe'rson anzusehen, und so beflißer sich auch in seinem Thun der aufmerksam-sten Reinigkeit. Noch im späten Alter beun-ruhigte es ihn ungemein, daß er seine ersteLiebe einem Frauenzimmer zugewendet hatte,die ihn, da sie einen andern heirathcte, in Un-gewißheit ließ, ob sie ihn wirklich geliebt habe,ob sie seiner werth gewesen sei. Die Gesin-nungen, die ihn mit Meta verbanden, dieseinnige, ruhige Neigung, der kurze, heiligeEhestand, des überbliebenen Gatten Abneigungvor einer zweiten Verbindung, alles ist von derArt, um sich desselben einst im Kreise der Se-ligen wohl wieder erinnern zu dürfen.
Dieses ehrenhafte Verfahren gegen sich selbstward noch dadurch erhöht, daß er in dem wohl-gesinnten Dänemark, in dem Hause eines gro-ßen, und auch menschlich betrachtet, fürrreffli-che» Staatsmannes eine Zeit lang wohl aufge-nommen war. Hier, in einem höher» Kreise,der zwar in sich abgeschlossen, aber auch'zu-gleich der äußern Sitte, der Aufmerksamkeitgegen die Welt gewidmet war, entschied sichseine Richtung «och mehr. Ei» gefaßtes Be-tragen, eine abgemessene Rede, ein Lakonismus,selbst wenn er offen und entscheidend sprach, ga-ben ihm durch sein ganzes Leben ein gewisses
diplomatisches, ministerielles Ansehen, das mitjenen zarten Naiurgesinnungen im Wiederstreitzu liegen schien, obgleich beide aus Einer Quelleentsprangen. Von allen diesen geben feine er-5 sten Werke ein reines Ab- und Vorbild, undsie mußten daher einen unglaublichen Einflußgewinnen. Daß er jedoch persönlich andereStrebende im Leben und Dichten gefördert, istkaum als eine seiner entschiedenen Eigenschaften10 zur Sprache gekommen.
Aber eben ein solches Forderniß junger Leuteim literarischen Thun und Treiben, eine Lust,hoffnungsvolle, vom Glück nicht begünstigteMenschen vorwärts zu bringen, und ihnen den15 Weg zu erleichtern, hat einen Deutschen Mannverherrlicht, der, in Absicht aus Würde die ersich selbst gab, wohl als der zweite, in Absichtaber auf lebendige Wirkung als der erste ge-nannt werden darf. Niemanden wird entge-20 hen, daß hier Gleit» gemeint sei. Im Besitzeiner zwar dunkeln, aber einträglichen Stelle,wohnhaft an einem wohlgelegenen, nicht allzu-großen, durch militärische, bürgerliche, litera-rische Betriebsamkeit belebten Orte, von wo25 die Einkünfte einer großen und reichen Stif-tung ausgingen, nicht ohne daß ein Theil der-selben zum Vortheil des Platzes zurückblieb,fühlte er einen lebhaften produktiven Trieb insich , der jedoch bei aller Stärke ihm nicht ganz30 genügte, deßwegen er sich einem andern viel-leicht mächtigern Triebe hingab, dem nämlich,andere etwas hervorbringen zu machen. BeideThätigkeiten flochten sich während seines ganzenlangen Lebens unablässig durcheinander. Er35 hätte eben sowohl des Alhemholens entbehrt alsdes Dichtens und SchenkenS, und indem er be-dürftigen Talenten aller Art über frühere oderspätere Verlegenheiten hinaus und dadurch wirk-lich der Literatur zu Ehren half, gewann er40 sich so viele Freunde, Schuldner und Abhän-gige, daß man ihm seine breite Poesie gernegelten ließ, weil man ihm für die reichlichenWohlthaten nichts zu erwiedern vermochte alsDuldung seiner Gedichte.
45 Jener hohe Begriff nun, den sich beide Män-ner von ihrem Werth bilden dursten, und wo-durch andere veranlaßt wurden, sich auch füretwas zu halten, hat im Oeffentlichen und Ge-heimen sehr große und schöne Wirkungen her-50 vorgebracht. Allein dieses Bewußtsein, so ehr-würdig es ist, führte für sie selbst, für ihreUmgebungen, ihre Zeit ein eigenes Uebel her-bei. Darf man beide Männer, nach ihren gei-stigen Wirkungen, unbedenklich groß nennen»55 so blieben sie gegen die Welt doch nur klein,und gegen ein bewegteres Leben betrachtet,ivaren ihre äußeren Verhältnisse nichtig. DerTag ist lang und die Nacht dazu; man kannnicht immer dichten, thun oder geben; ihr60 Zeit konnte nicht ausgefüllt werden, wie djder Wellleure, 'Vornehmen und Reichen: m .legten daher auf ihre besondern engen Znstn"einen zu hohen Werth, in ihr tägliches Tillund Treiben eine Wichtigkeit, die sie si eh "
65 unter einander zugestehen mochten; sie steu ^sich mehr als billig ihrer Scherze, die, m ^sie den Augenblick anmurhig machten, dochder Folge keineswegs für bedeutend ge ^konnten- Sie empfingen von andern Lob