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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
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97-98
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Johann Wolfgang von Göthe.

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Ehre wie sie verdienten, sie gaben solche zurück,wohl mit Maaß, aber doch immer zu reichlich,und eben weil sie fühlten', daß ihre Neigungviel werth sei, so gefielen sie sich, dieselbe wie-derholt auszudrücken, und schonten hierbei we-der Papier noch Dinte. So entstanden jeneBriefwechsel, über deren Gehallsmangel dieneuere Welt sich verwundert, der man nichtverargen kann, wenn sie kaum die Möglichkeit

galante und gefällige Wesen, wovon ich schonhalte sprechen hören, ließ mich keineswegs zwei-feln, daß er der berühmte Ankömmling sei,sind meine Anrede mußte ihn sogleich überzeu-gen, daß ich ihn kenne. Er fragte nach mei-nem Namen, der ihm von keiner Bedeutungsein konnte; allein meine Offenheit schien ihmzu gefallen, indem er sie mir großer Freund-lichkeit erwiederte, und als wir die Treppe

einsieht, wie vorzügliche Menschen sich an einer 10 hinaufstiegen, sich sogleich zu einer lebhaften

solchen Wechselnichtigkeit ergötzen konnten, wennsie den Wunsch laut werden läßt, dergleichenBlätter möchten eingedruckt geblieben sein. Al-lein man lasse jene wenigen Bände doch immerneben so viel andern auf dem Bücherbrece ste-hen, wenn man sich daran belehrt hat, daß dervorzüglichste Mensch auch nur vom Tage lebtund nur kümmerlichen Unterhalt genießt, wenner sich zu sehr auf sich selbst zurückwirft und in

Mittheilung bereit finden ließ. Es ist mirentfallen, wen wir damals besuchten; genug,beim Scheiden bat ich mir die Erlaubniß aus,ihn bei sich zu sehen, die er mir denn auchfreundlich genug ertheilte. Ich versäumte nicht,mich dieser Vergünstigung wiederholt zu bedie-nen, und ward immer mehr von ihm angezo-gen. Er hatte etwas Weiches in seinem Be-tragen, das sehr schicklich und anständig war.

die Fülle der äußern Welt zu greifen versäumt, 20 ohne daß es eigentlich adrett gewesen wärewo er allein Nahrung für sein Wachsthum und Ein rundes Gesicht, eine bedeutende Stirn,

zugleich einen Maßstab desselben finden kann. eine etwas stumpfe Rase, einen etwas aufgc-

Die Thätigkeit jener Männer stand in ihrer worsenen, aber höchst individuell angenehmen,

schönsten Blüthe, als wir jungen Leute uns liebenswürdigen Mund. Unter schwarzen Au-

auch in unserem Kreise zu regen ansingen, und 2 g genbraunen ein Paar kohlschwarze Augen, dieich war so ziemlich auf dem Wege mit jüngern ihre Wirkung nicht verfehlten, obgleich das eineFreunden, wo nicht auch mit älteren Personen, roth und entzündet zu sein pflegte. Durchin ein solches wechselseitiges Schönerhun, Gel- mannichfaltige Fragen suchte er sich mit mirtenlasscn, Heben und Tragen zu gerathen. In und meinem Zustande bekannt zu machen, undmeiner Sphäre konnte das was ich hervor- 30 seine Anziehungskraft wirkte immer stärker aufbrachte immer für gut gehalten werden. Frauen- mich. Ich war überhaupt sehr zutraulicherzimmer, Freunde, Gönner werden nicht schlecht Natur, und vor ihm besonders hatte ich garfinden was man ihnen zu Liebe unternimmt und kein Geheimniß. Es währte jedoch nicht lange,dichtet; aus solchen Verbindlichkeiten entspringt als der abstoßende Puls feines Wesens eintratzuletzt der Ausdruck eines leeren Behagens an 3 g und mich in nicht geringes Mißbehagen ver-einander, in dessen Phrasen sich ein Charakter setzte. Ich erzählte ihm mancherlei von meinenleicht verliert, wenn er nicht von Zeit zu Zeit Jugcndbeschäfligungen und Liebhabereien, unterzu höherer Tüchtigkeit gestählt wird. andern von einer Siegelsammlung, die ich haupt-

Und so hatte ich von Glück zu sagen, daß, sächlich durch des correspondrnzrcichen Haus-durch eine unerwartete Bekanntschaft, alles was 40 freundes Theilnahme zusammengebracht. Ichin mir von Selbstgefälligkeit, Bespiegelungslust, hatte sie nach dem Staatekalender eingerichtet,Eitelkeit, Stolz und Hochmuth ruhen oder und war bei dieser Gelegenheit mit sämmrli-wirken mochte, einer sehr harten Prüfung aus- chen Potentaten, größer» und geringern Mäch-gesetzt ward, die in ihrer Art einzig, der Zeit ten und Gewalten, bis auf den Adel herunterkeineswegs gemäß, und nur desto eindringender AS wohl bekannt geworden, und meinem Gedächt-und empfindlicher war. „iß waren diese heraldischen Zeichen gar oft.

Denn das bedeutendste Ereigniß, was die und vorzüglich bei der Krönungsfeierlichkeit zuwichtigsten Folge» für mich haben sollte, war statten gekommen- Ich sprach von diesen Din-die Bekanntschaft und die daran sich knüpfende gen mit einiger Behaglichkeit; allein er warNähere Verbindung wir Herder. Er harre den so anderer Meinung, verwarf nicht allein diesesPrinzen von Holstein - Eutin, der sich in trau- ganze Interesse, sondern wußte es mir auchdigen Gemüthszuständen befand, auf Reisen bc- lächerlich zu machen, ja beinahe zu verleiden.Steiler und war mit ihm bis Slraßburg ge- Von diesem seinem Widersprechungsgeiste

kommen. Unsere Societät, sobald sie seine Ge- sollte ich noch gar manches ausstehen; denn er

Senwart vernahm, trug ein großes Verlangen 55 entschloß sich, theils weil er sich vvm Prinzensich rhm zu naher», und mir begegnete dieß abzusondern gedachte, theils eines Augenübcls

^iück zuerst ganz unvermulhet und zufällig. wegen, in Slraßburg zu verweilen- Dieses

-^ch war nämlich in den Gasthof zum Geist Uebel ist eines der befchwerlichstx,, „„z

Ssgangen, ich weiß nicht welchen .bedeutenden genehmsten, und um desto lästiger, als es nur

vuemden auszusuchen. Gleich unten an der 60 durch eine schmerzliche, höchst verdrießliche und^cheppe fand ich einen Man», der eben auch unsichere Operation geheilt werden kann. Das

Plwufzusteigen im Begriff war, und den ich Khränensäckchen nämlich ist „ach „„ten zu ver-

wt einen Geistlichen hallen konnte. Sein ge- schloffen, so baß die darin enthaltene Feuchrig-

si^bertes Haar war in eine runde Locke aufge- keil nicht nach der Nase hin und um so weni-

sieckt .

das schwarze Kleid bezeichnete ihn gleich-

., vu» luzwarzr ae

laus, mehr noch aber ein langer schwarzer sei-dener Mantel, dessen Ende er zusammengenom-men und in die- Tasche gesteckt hatte- Dieseseinigermassen auffallende, aber doch im GanzenKurz, pros. pn. II.

65 gcr abfließen kann als auch dem benachbartenzp,lochen die Ocffnung fehlt, wodurch diese Sekre-tion naturgemäß erfolgen sollte- Der Boden desSöckchens muß daher aufgeschnitten und der Kno-chen durchbohrt werden, da denn ein Pferde-

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