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Johann Wolfgang von Gvthe.
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wandten, ja über die ganze Menschheit, vomAnfange des Jahrhunderts her verbreitet.
Er konnte nicht lange in Erfurt wirken,ohne der Herzogin Regentin von Weimar be-kannt zu werden, wo ihn der für altes Guteso thätige Carl von Dalberg einzuführen nichtermangelte. Ein auslangend bildender Unter-richt ihrer fürstlichen Söhne war das Haupt-augenmerk einer zärtlichen, selbst höchst gebil-deten Mutter, und so ward er herüber beru-fen, damit er seine likerarischen Talente,seine sittlichen Vorzüge zum Besten des fürst-lichen Hauses, zu unserm Wohl und zum Wohldes Ganzen verwendete.
Die ihm nach Vollendung des Erziehungs-geschäfles zugesagte Ruhe wurde ihm sogleichgegeben, und als ihm eine mehr als zugesagteErleichterung seiner häuslichen Umstände zuTheil ward, führte er seit beinah vierzig Jah-ren ein, seiner Natur und seinen Wünschenvöllig gemäßes Leben.
Die Wirkungen Wieland's auf das Publi-kum waren ununterbrochen und dauernd. Erhat sein Zeitalter sich zugebildet, dem Geschmackseiner Jahreegenoffen so wie ihrem Urtheil eineentschiedene Richtung gegeben, dergestalt, daßseine Verdienste schon genugsam erkannt, ge-schätzt, ja geschildert sind. In manchem Werkeüber Deutsche Literatur ist so ehrenvoll alssinnig über ihn gesprochen; ich gedenke nurdessen was Kütrner, Eschendurg, Manso,Eichhorn von ihm gerühmt haben.
Und woher kam die große Wirkung, welcheer auf die Deutschen ausübte? Sie war eineFolge der Tüchtigkeit und der Offenheit seinesWesens. Mensch und Schriftsteller hatten sichin ihm ganz durchdrungen, er dichtete als einLebender und lebie dichtend. In Versen undProsa verhehlte er niemals was ihm augen-blicklich zu Sinne, wie es ihm jedesmal zuMuthe sei, und so schrieb er auch urtheilendUnd urtheilte schreibend. Aus der Fruchtbar-keit seines Geistes entquoll die Fruchtbarkeitkeiner Feder.
Ich bediene mich des Ausdrucks Feder nichtchis einer rednerischen Phrase; er gilt hier ganzeigentlich, und wenn eine fromme VerehrungManchem Schriftsteller dadurch huldigte, daß siek'ch eines Kiels, womit er seine Werke gebildet,bemächtigen suchte, so dürfte der Kiel, dessenüch Wieland bediente, gewiß vor vielen dieserAuszeichnung würdig sein. Denn daß er alles"ur eigener Hand und sehr schön schrieb, zu-Üieich mit Freiheit und Besonnenheit, daß ers>s Geschriebene immer vor Augen halte, sorg-ialrig prüfte, veränderte, besserte, unverdrossenUdere und umbildete, ja nicht müde ward,^trke von Umfang wiederholt abzuschreiben,uses gab seinen Produktionen das Zarte, Zier-He, Faßliche, das Natürlichelegante, welchescht durch Bemühung, sondern durch heilere,Lsniale Aufmerksamkeit auf ein schon fertiges"k hervorgebracht werden kann-ent' ^ sorgfältige Bearbeitung seiner Schriftenwei!^"^ einer frohen Ueberzeugung,
halt- Ende seines Schweizerischen Aufent-die mag hervorgetreten sein, als
lea, "^duld des Hervorbringens sich in etwasu°e, und der Wunsch, ein Vollendetes dem
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Gemeinwesen darzubringen, entschiedener unddeutlicher rege ward.
Da nun bei ihm der Mann und der Dich-ter Eine Person ausmachten, so werden wir,wenn wir von jenem reden, auch diesen zugleichschildern. Reizbarkeit und Beweglichkeit, Be-gleiterinnen dichterischer und rednerischer Ta-lente, beherrschten ih„ m einem hohen Grade;aber eine mehr eingebildete als angrborne Mä-ßigung hielt ihnen das Gleichgewicht. UnserFreund war des Enthusiasmus im höchstenGrade fähig, und in der Jugend gab er sichihm ganz hin, und dieses um so lebhafter undanhaltender, als jene schöne Zeit, in welcherder Jüngling den Werth und die Würde desVortrefflichsten, es sei erreichbar oder uner-'reichbar, in sich fühlt, für ihn sich durch meh-rere Jahre verlängerte.
Jene frohen, reinen Gefilde der goldenenZeit, jene Paradiese der Unschuld, bewohnteer länger als andere. Sein Geburtshaus, woein gebildeter Geistlicher als Vater waltete,das uralte, an den Ufern der Elbe lindenum-gebene Kloster Bergen, wo ein frommer Lehrerpatriarchalisch wirkte, das in seinen Grundfor-men noch klösterliche Tübingen, jene einfachenSchweizerwohnungen, umrauscht von Bächen,bespült von Seen, umschlossen von Felsen;überall fand er sein Delphi wieder; überall dieHaine, in denen er, als ein schon erwachsenergebildeter Jüngling, noch immer schwelgte.Dort zogen ihn die Denkmale mächtig an, dieuns von der männlichen Unschuld der Griechenhinterlassen sind. Cyrus, Araspes und Pan-rhea und gleich hohe Gestalten lebten in ihmauf, er fühlte den Platonischen Geist in sichweben, er fühlte, daß er dessen bedurfte, umjene Bilder für sich und für andere wiederher-zustellen, und dieses um so eher, als er nichtsowohl dichterische Schattenbilder hervorrufen,sondern vielmehr wirklichen Wesen einen sittli-chen Einfluß zu verschaffen hoffte.
Aber gerade daß er so lange in diesen hö-heren Regionen zu verweilen das Glück hatte,daß er alles was er dachte, fühlte, in sich bil-dete, träumte, wähnte, lange Zeit für dievollkommenste Wirklichkeit halten durfte, ebendieses verbitterte iym die Frucht, die ervon dem Baum des Erkenntnisses zu pflückenendlich genöthigt ward.
Wer kann dem Conflict mit der Außenweltentgehen? Auch unser Freund wird in diesenStreit hineingezogen; ungern läßt er sich durchErfahrung und Leben widersprechen, und da ihmnach langem Sträuben nicht gelingen will, jeneherrlichen Gestalte» mit denen der gemeinenWelt, jenes hohe Wollen mit den Bedürfnissendes Tags zu vereinigen, entschließt er sich, dasWirkliche für das Nothwendige gelten zu las-sen, und erklärt das ihm bisher Wahrgeschie-nene für Phantasterei.
Aber auch hier zeigt sich Eigenthümlich-keit, die Energie seines Geistes bewunderns-würdig Bei aller Lebensfülle, bei so starkerLebenslust, bet herrlichen innern Anlagen, beiredlichen geistigen Wünschen und Absichten,fühlt er sich von der Well verletzt und umseine größten Schätze bevortheilt. Nirgendskann er nun mehr in der Erfahrung wieder-