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Wilhelm Heinse.
Und so geht mit guten KindernSeliger Engel gern zu Rath,Böses Wollen zu verhindern,
Zu befördern schöne That.
So beschwören, fest zu bannenLieben Sohn ans zarte Knie,Ihn, des Waldes Hochlyrannen,Frommer Sinn und Melodie.
Wilhelm Heinse.
I. Johannes in -er Wüste. Von Naphael. (An Glenn.)
Das erste Meisterstück der Kunst auf der 20Düsseldorfer Gallerie.
Die Stellung ist schwer zu beschreiben, daes sogar Maler gibt, die sich im wirklichen Ge-mälde nicht fassen, ob sie gleich deutlich in dieAugen fällt, und beim ersten Blick schon den 25größten Meister in der Kunst verräth
Eine Anhöhe von einem in die Höhe stei-genden Felsen, unter Moos und Kraut, unddaran herum verzogenen Epheu, linker Seitedes Gemäldes, woraus eine Quelle kömmt, die 30aus einem kleinen Damm in einigen Sprüngenin dämmerndem Licht herunter fällt, sich da einwenig wirbelt, und vereinigt im grünen Uferweiter hinab rinnt, und, unken, wo das Ge-mälde aufhört, fortrieselt. 35
Daran hat sich Johannes, in Lebensgröße,gänzlich ohne Gewand (außer daß er eine Tiger-haut, die ihm eigen sein muß bei den Malern,unter sich gebreitet; wovon ihm ein schmalerStreif über das Gelenk an der rechten Hüfte 40fällt, und die Schaam so eben bedeckt) mit demFuß des gestreckten rechten Beins auf eine festesichre Stelle tretend, an und hinter hohenBäumen von der Rückenseite rechter Hand,über sie mit dem Oberleib etwas schräg, hinauf 45gehoben: und seine Schwere ruht auf der erstenHälfte des linken hineinsitzenden Schenkels —und ein wenig auf dem Ballen der linken, auf-gestützten Hand, (worin er ein rundes Holz,mit einem Spalt vorn, hält, indem ein anderes 50kleines queer durch im Kreuze liegt). wodurchdie Schulter oben etwas erhöhet wird, und nochein wenig auf dem Fuße des gestreckten rechtenBeins, die dieselbe im Gleichgewichte halten.
Der rechte Arm (in dessen Hand er eine runde 55hölzerne Schaale zum Wasserschöpfen an denFelsen hält, und die am Knöchel über dem Knö-chel der wie aufgestämmten Linken gehalten ist)hängt mit seiner Schulter und der Brust vondaher, sanft nach dem linken Borderschenkel 60hinüber, wo der Mittelpunkt der Schwere ist,(dessen Bein nach dem rechten sich wendet, undunter dieses Knie felsenab den Fuß stemmet,an dessen Zehen Wiederschein von Abendlicht
leuchtet.) 65
Sein Kopf, mir krausen lichtbrauncn Lockenbedeckt, wovon einige in den rechten Theil derStirn, und über das linke Ohr herüber gehn,steht aufrecht, gegen den linker Hand hin etwas
schrägen Oberleib, vorwärts nach der rechtenhinunter dem rinnenden Wasser nachsehend.
Vergeben Sie mir die Einschiebsel, viele Un-terscheidungszeichen , Verbindungswörter undBeziehungssplben; es ist mir nicht möglich, mitandern Worten Anschaun und Sinnlichkeit inBeschreibung dieser herrlichen Stellung hervor-zubringen.
Da sagen nun einige, die das Zeichnen besserverstehen wollen, als Raphael in seiner bestenZeit und in einem seiner besten Stücke, wo ersich das richtigste Maaß von schöner Natur undden Antiken schon zu augenblicklichfcrrigem Fin-gergefühl gemacht halte; man müsse sich wahr-haftig in Verzückung befinden, wenn man die-sen St. Johannes wie eine süperbe akademischeFigur betrachtete; aber doch wäre zu wünschen,daß er eine andere rechte Schulter, und einenandern linken Schenkel hätte. Als ob manüber die bloße Figur eines Hinkenden und Ver-wachsenen sich in Verzückung befinden, und daseine prächtige akademische Figur nennen könne!die Leute wollen reden, und gern als Meisterund Kenner kritisiren, und wissen nicht was,und glauben, verständiger als Gott gewesen seinzu wollen, wenn sie den Mond nicht voll sehen,ohne die Schönheit seiner Hörner zu empfinden-Wenn sie sich selbst nur in die Stellung an ir-gend einen Berg versetzen wollten, wie Johan-nes da ist, so würden sie finden, daß der Scheinihres linken Schenkels eben nicht länger, undihre rechte Schulter eben so gesunken sein würde,die im Original so reizend zur Ruhe der gaN'zen Stellung harmonirk. Man muß nichts vander Perspektiv wissen, wenn man hier tadelnwill, wo schon ein Billardsauge das recht
Maß erblickt; dessen völlige Richtigkeit aus deSehpunkt, der hier leicht zu finden ist, erwiesswerden könnte, wenn die Anklage wegen einSchülerschnitzers gegen den größten Zeichner iseiner besten Zeit nicht schon im Vortrageungereimt wäre: und nicht zu augensche'Nwäre für jcdcii- der nur so viel Herz Hut, ^getäuscht zu werden, und weiß, was esdaß es ein hohes Meisterstück perspektiv'! lZeichnung sei. Doch genug davon! ,^,e
Die ganze Scene ist in einem Lichte, ^
es einige Stunden vor Sonncnunterg ^
ist; in dem seeligsten, das auf die Erde t ,,— in einem Tone von Luft und Hw