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Wilhelm Heinse.
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gleichsam wie der des schönsten JomellischenLiedes:
„Wenn auf dem Antlitz je ein leises LüftchenDu wehen fühlst, das langsam um dich schweift,"Stille, innrer Friede, Ruhe, vor welcher nach- 5her der Tiefsinu des ersten der Menschen, aufwelchen gleich der Sohn des Herrn folgte, vonder Stirn über die scharfe Nase und Oberlippehcrabflammt; der sich nun von der aus demFelsen quellenden und unten hinfließenden Fluth 10willig kühlen, und sich die Gegenwart von ihremLauf ergreifen laßt
Erscheinung eines himmlischen Geistes, dessenHeimalh nicht auf dieser Erde ist, so eben nursichtbar in höchster Schönheit. Ein reizender 15Jüngling, den, bei aller Huld, ein Schein ed-ler Wildheit vor dem Getümmel der Menschenumschwebt, und der nun ablassen will von Be-trachtung, wie die sich neigende Sonne: undnoch ganz lebendig in heißen Gefühlen, die in 20den leichten Lüften wieder in sich gehn. Wahr-haftiger Johannes, und kein anderer Sterb-licher!
Wie alle die bedeutenden Theile im Lichte
stehen, und die andern im Schatten, der an derrechten Seite, von den Bäumen her, beinaheins dunkle sich verliert; und nun von dem Gan-zen so nach und nach unaufhörlich, wie vonQuell, erquickendes Wohlthun einem ins Herzüberfließt, ist unaussäglich. O wie oft, heili-ges Bild, hast du mich, am stillen Abend, ein-sam unter deinem Einfluß sitzend, alles in derWelt vergessen gemacht! In dir, und durchdich bin ich in Tiefen versunken; und bin vonihnen verschlungen worden, wie ein Nichts;und bin mit Schrecken und Furcht in Thränenwieder daraus erwacht; und ich habe in dir,und durch dich wieder Ruhe der Seele gefunden.
Stündest du in einer alten Kapelle, im Ge-sträuch vom grünen Thal hinauf, am Fuß eineswaldichten einsamen Gebirgs; dann würdest durecht die Wallfahrt der Weisen sein.
Hinter den Bäumen rechter Hand hin stehteine Einsiedelei in alter Säulenordnung nachdem Felsen zu, zwischen einzelnen Bäumen, imersten schönen Gefühl der Natur erbaut; undjenseits dieser in der Mitte, kaum sichtbare Ge-bäude, und hinter diese» ein hoher Berg.
II. Der Nlicinfall.
Den 15. Aug. Nachmittags um 5 Uhr.
Es ist, als ob eine Waffcrwelt in den Ab-grund aus den Gesetzen der Natur hinausrollte.
Die Gewölbe der Schaumwoge» im wüthenden 35Schuß flammt ein glühender Regenbogen, wieein Geist des Zorns, schräg herab. Keine Er-innerung, der stärkste Schwung der Phantasiekann's der gegenwärtigen Empfindung nachsa-gen, Die Natur zeigt sich ganz in ihrer Größe. 40Die Allmacht ihrer Kräfte zieht donnernd diekochenden Fluthcn herab, und gibt den unge-heuern Waffermassen die Eile des Blitzes. Esist die allerhöchste Stärke, der wüthendste Sturmdes größten Lebens, das menschliche Sinnen 45fassen können. Der Mensch steht klein wie einNichts davor da, und kann nur bis ins In-nerste gerührt den Aufruhr betrachten. Selbstder Schlaffste muß des Waffergebürggetümmelsnicht satt werden können. Der kälteste Philo- 50soph muß sagen, es ist eine von den ungeheuer-sten Wirkungen der anziehenden Kraft, die indie Sinne fallen. Und wenn man es das hun-dertste Mal sieht, so ergreift's einen wieder vonNeuem, als ob man es noch nicht gesehen hätte. 55ist ein Riesensturm, und man wird endlichUngeduldig, daß man ein so kleines, festes, me-chanisches, zerbrechliches Ding ist, und nicht"ist hinein kann. Der Perlenstaub, der überall^ie von einem großen wüthenden Feuer herum- 60dampft und wie von einem Wirbelwind herum-öftagt wird, und allen den großen Massen einenschatten ertheilt, oder sie gewitlerwolkichc macht,"der ein so fürchterliches Ganzes mit dem Flugnd Schuß und Drang, und An- und Abprallen, 65^.hd Wirbeln und Sieden und Schäumen in derund dem Brausen und dem majestätischen
Z,. .ebenartigen Kochen dazwischen, daß alle
löwne, Rubens und Werners vor der Natur
müssen zu kleinen Kindern und lächerlichen Af-fen werden. O Gott, welche Musik, welchesDonnerbrausen, welch ein Sturm durch all meinWesen! heilig! heilig! heilig! brüllt es in Markund Gebein. Kommt, und laßt euch die Natureine andere Oper vorstellen, mit anderer Archi-tektur und anderer Feenmalerei und andrerHarmonie und Melodie, als die von jämmerli-cher Verschneidung mit einem winzigen Messereuch entzückt. Es ist mir, als ob ich in dergeheimsten Werkstatt der Schöpfung mich be-fände, wo das Element von fürchterlicher All-gewalt gezwungen sich zeigen muß, wie es ist,in zerstürmren ungeheuern großen Massen. Unddoch läßt das ihm eigenthümliche Leben sich nichtganz bändigen, und schäumt und wüthet undbrüllt, daß die Felsen und die Berge nebenanerzittern und erklingen, und der Himmel davorsein klares Antlitz verhüllt, und die flammendeSommersonne mit mildern Strahlen drei» schaut.
Es ist der Rheinstrom; und man steht da-vor wie vor dem Inbegriff aller Quellen, soaufgelöst ist er; und doch sind die Masse» sostark, daß sie das Gefühl statt des Auges er-greifen, und die Bewegung so trümmernd hef-tig, daß dieser Sinn ihr nicht nach kann, unddie Empfindung immer neu bleibt, und ewigschauervoll und entzückend.
Man hört, und fühlt sich selbst nicht mehr,das Auge sieht nicht mehr, und läßt nur Ein-druck auf sich machen; so wird man ergriffen,und von nie empsundnen Regungen durchdrun-gen. Oben und unten sind kochende Staub-wolken, emd in der Mitte wälzt sich blitzschnelldie dicke Fluth wie grünlichtes Metall mit Sil-berschaum im Fluß; unten stürzt es mit all-mächtiger Gewalt durch den kochenden Schaumin Abgrund, daß er wie von einer heftigen