151 Friedrich Heinrich Incodi. 152
Feuerbrunst sich in Dampf und Rauch auflöst, Becken und gibt Stöße an die Felsenwand wie
und sich über das weite Becken wirbelt und ein Erdbeben. Rundum weiterhin ist alles
kräuselt. An der linken Seite, wo sein Strom Toben und Wüthen, und das Herz und dieam stärksten sich hinein wälzt, fliegt der Schuß Pulse schlagen dem Wassergotte, wie einemwie Ballen zerstäubter Kanonenkugeln weit ins 5 Alexander nach gewonnener Schlacht.
Friedrich Heinrich Jneobi.
Ein Atück Philosophie des Lebens und der Menschheit.
Es gibt keinen Ort und Stand, keine Fa-milie auf Erden, worin nicht eigenthümlicheSitten, Gebräuche, Angewöhnungen, die einzel-nen Glieder der Gesellschaft minder oder mehreinschränken, und eine Art von Gewaltthätig- 25keil an ihnen ausüben. Vielen Menschen fließtallein aus dieser Quelle, was sie ihre Grund-sätze und Gesinnungen nennen, und es ist zubewundern, welche Tugend sie von dieser Seiteoft beweisen. Die Pflichte», die Bande, die 30ihnen daher kommen, sind ihnen heiliger als hei-lig: sie ahnden hier, gedankenlos und demüthig,ich weiß nicht was für ein mächtiges Interesse,dem sie jedes andere, auch ihr liebstes, aufzu-opfern im Stande sind. 35
Dorenburg und Biderthal gehörten nichtzu diesem blinden Haufen. Aber Sitte undGebrauch standen bey ihnen in sehr großemAnsehen. Jede Form, der nur etwas Gutesnoch anklebte, war ihnen ehrwürdig, sie woll- 4 oren auch nicht den Schatten einer Tugendbeleidigen. Diese bidermännische Denkungsartverleitete sie, nicht nur jedem übertriebenen Ge-setze des Wohlstandes, sondern auch manchemeitlen Gesetze der Mode sich zu unterwerfen, /«5und überhaupt sich zu sehr von Meynungen be-herrschen zu lassen. Nichts desto weniger wa-ren sie zu B'* als Sonderlinge verschrieen.
Da sie bey allem ihrem Nachbequeme» dennochihren eigenen Sinn behielten, eigene selbstge- 5 «>wählte Freuden harten, die sie große Sorgetrugen nicht dahinten zu lassen; so konnte diesnicht fehlen.
Woldemar fand, daß sie des Zwanges sichnoch viel zu viel anthaten; enthielt sich aber 55anfänglich, ihnen Vorstellungen darüber zu thun,weil es seine Art nicht war, jemanden in denWeg zu treten. Da sie aber von ihm verlang-en, daß er sich den ihrigen sollte gefallen las-st», und öfter dringend wurden, so kam es gi)nach und „ach zu Erklärungen, wo er ihnendenn, bald bey diesem, bald bey jenem Anlassedas Eitle in jhrom Thun, das Unnütze in ihrerMühe nachdrücklich yor Augen legte.
^Bey allen den Besuchen, die ihr gebt und gsannehmet, fragee Woldemar, bey alle» den Zu-sammenkünften die ihr haltet, bey euren kostba-ren Schutäusen; wird da wohl irgend ein ge-selliges Band fester angezogen, nur ein Funken
ächter Zuneigung je hervorgeschlagen? Ist wohljemals von da eine Freundschaft ausgegangen?
„Und wißt ihr irgend ein namhaftes Gutes,von welcher Art es sey, daß ihr durch eure Ge-wissenhaftigkeit in Befolgung der Regeln desWohlstandes und der Geheiße der Mode bewirkthättet?
„Es ist elende Spiegelfechterei damit; Ihrverschleudert eure Zeit, und setzt euch allerhandLerircungen der Sinne, des Geistes und desHerzens, - einer zunehmenden Verblendungaus.
„Sehet euch um und glaubt euren Augen:je weiter und mannichfaltiger sich die Verbin-dungen unter Menschen ausbreiten, desto loserund flacher werden sie; und je loserund flacher,desto beunruhigender. Wer in einen weitläufi-gen ununterbrochenen Umgang tritt, der mußsich um die Gegenstände aller der Menschen,die ihn umgeben, unaufhörlich bekümmern, inihre Leidenschaften sich einlassen, und ähnlicheLeidenschaften seine eigene Seele öffnen: dennwas singe er sonst unter diesen Menschen an?da wäre ihm eine einsame Langeweile wenig-stens bequemlicher. Was das aber für Gegen-stände sind, um welche das unselige Getümmelsich wälzt und wirrt, ist bekannt genug. Unddie muß er nun doch schlechterdings als wichtigansehen, als wichtig empfinden lernen- Stilledes Geistes, Ruhe des Gemüths können damitnicht bestehen. Wie diese abnehmen, so ver-schwinde» alle herzlichen Gefühle, verschwindetalle gründliche Lheilnehmung. Die Seele er-mattet unter endlosen kleinen Bestrebungen, unterendlosen kleinen Widerwärtigkeiten; wird so lang^gezerrl und getrillt, bis alles mit ihr heruinläuiund sie von sich selbst nichts mehr weiß.
„Mit euch, das erkenne ich, kann es dalsinicht kommen; dafür ist lange gesorgt, llntt"dessen: wie viel Glückseligkeit, wie viel Dasthopfert ihr nicht auf? .,
„Mir kommt das vor, als verkleidetenbendige Personen sich in Puppen, um u:>Marionetten eine Rolle, ein Chor oder ei»polo auszufüllen, weil das PuppenspielGefahr liefe, nicht so gut von Stalle» -
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„Da ihr a» dem lose» eitlen Wesen ILeute kein Gefallen habt, mit euren Neig» v