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Friedrich Heinrich Iacobi
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mag, daran wird alle Nachahmung zu Schan-den. Also verlange ich von einem Garten, daßer ein ausgemachter Garten, Garten in einemhohen Grade sey; er soll mir an Zierde undAnmuth ersetzen, was er an Fülle und Maje-stät nicht haben kann, und gewiß dann am we-nigsten hätte, wenn er in abgeschmackter Zwergs-gestalt den Riesen nachmachen wollte. Die freienNaturalisten, wenn ich zu befehlen hätte, soll-ten es mir einmal in vollem Ernste seyn, undihr System in seinem ganzen Umfange erfah-ren. Erst wollte ich sie nur mit Kleinigkeitenplagen; sie bekämen z. B. keine Pfirsich zu ko-sten, keine Aprikose, nicht einmal Kirschen,Pflaumen und Birnen; aber Wurzeln, Holz-apfel und wilde Kastanien so viel ihnen beliebte.Ich würde ihnen vorstellen, wie so ganz außeraller Natur in unserem Himmelsstrich ein Pfir-sichbaum sey. Wieweit hergeholt! Wie erkün-stelt! Stamm und Aeste zersägt und zerschnit-ten; alle Glieder verrenkt, in hundert Ban-den, wie ein armer Sünder, wie ein Schacheram Kreuz! Andere Fruchlbäume nicht viel we-niger, wenn schon nicht an Mauer und Lattengezogen; denn was muß nicht dennoch alles anihnen gethan werden, wenn sie gute Früchteund in Menge bringen sollen?"
Henriette, die an Woldemars Eifer genug-sam merkte, daß er mehr als das Parterr imSinne halte, wollte ihm Gelegenheit verschaf-fen, sein Herz noch bester auszuschütten, undmachte ihm daher den Einwurf: — Aber —er hätte ja vormals Biderlhalen und Doren-burgen den Aufwand, den sie in ihren Gärtengemacht, verwiesen, und sie fast über jede An-lage zu derselben Verschönerung zum Besten ge-habt. Nun redete er so ganz anders und wider-spräche sich.
Woldemar antwortete: Damals wäre vonPuppensachen die Rede gewesen für vornehmeKinder, von Aufwand zum Staat, nicht vonAufwand zu eigener Lust, nicht von Gartenbau.
„Mit Erlaubniß! siel Caroline ei», Sie ha-ben sehr allgemein allen Aufwand zu sogenann-ter Vermehrung des Lebensgenusses getadelt;Sie haben unaufhörlich zu beweisen gesucht,daß es mit dergleichen Vermehrungen leeresBlendwerk sey, bei deren Erhaschung nichts ge-wonnen, wohl aber beträchtlich verloren zuwerden pflege."
„Ganz recht, erwiederte Woldemar. WennSie keinen Garten hätten, und mich fragten,ob Sie viel an Glückseligkeit gewinnen würden,wenn Sie einen anschafften; so antwortete ichIhnen wahrscheinlich: „Ich weiß nicht!"Haben Sie aber einen Garten, und Sie fragenmich, wie er am besten sey, schön oder häßlich;oder gar: ob Sie ihn schön lasten, oder häßlichmachen sollen; so werde ich mich, ohne allesBedenken, für das Schöne erklären."
„Nein, sagte Dorenburg, wer so albern fra-gen könnte, dem solltest du rathen: häßlich. —Ich weiß nicht, wie du mir dir selbst zurcchtkommst. Gewiß war es cymals deine ernstlicheMeinung, daß je näher der Natur, je einfäl-tiger, je beschränkter Mensche» lebten, destoglücklicher wären sie. — Mit welchem Entzü-cken priesest du nicht die Sitte» der Patriar-
chen, der Homerischen Helden? Hingegen mitwelcher Verachtung, mit welchem Grimm" . ..
„Sacht, sacht! rief Woldemar. Es kommtgar sehr auf die Beziehung an, worin etwas5 gesagt wird, auf den bestimmten eigentlichenSinn, den es dadurch erhält. Nie war ich sounbesonnen, schlechterdings im allgemeinen fest-zusetzen, diese oder jene äußerliche Verfassungmache nothwendig glücklich oder unglücklich: ich10 getraue mir dies nicht einmal von innerlichenVerfassungen und von Charakteren auszumachen— O, der Mensch ist ein unermeßlicher Ab-grund - ein unendliches Labyrinth! — Nurhabe ich immer euch gerathen, zu lassen was15 euch im Grunde plagte, und allein zu thunwas euch wirklich Freude machte; nur mit euchselber einig zu werden, für eigene Rechnungzu leben; kurz, Menschen zu seyn, und keineSchimären. — Aber ihr wäret zu lange ge-20 wohnt in fremder Rücksicht zu handeln, euerWesen in der Einbildung zu haben, zu reprä-sentiern. Meine Absicht war gut, aber derErfolg ist mißrathen. . - — Ihr wollt nun zueiner ganz einfachen Lebensart durchaus herab -25 steigen, und seht nicht, daß ihr noch weit mehraus eurer Sphäre hinaus schweift, als da ihreuch zu hoch hinauf zu winden bemüht wäret.Lieben Freunde, man muß sich dem Standeund dem Jahrhunderte, in dem man sich be-30 findet, gemäß verhalten. Wenn ihr gegenwär-tig die Lebensart der Patriarchen annehmenwolltet, so würdet ihr eine Comödie spielen,ein Schattenspiel an der Wand machen; unddas war ja vor allen Dingen was wir nicht35 wollte»; genießen wollten wir, was ist undwas wir haben können; nie was nicht ist unduns nicht werden kann; unserer und der gegen-wärtigen Zeit wollten wir uns mächtig machen,ohne nach Vergangenem und Zukünftigem ver-40 geblich zu schnappen. — „Verwendet eurenReichrhum" , sagte ich euch hundertmal, „nachbestem Gefallen, habt schöne Zimmer, zierlicheund gemächliche Kleider, Kunstwerke, Glanz undPracht, — nur hütet euch vor Prahlercy und45 Hoffart, weil ihr euch dadurch von eurem Zweckentfernen und euch unzählige Kränkungen be-reiten würdet; spielt nicht den Ueberfluß; machtnicht daher, was nicht da ist; sucht nicht z"scheinen, was ihr nicht seyd; habt vor allen50 Dingen für euch selbst was ihr habt, und laßtandere bloß mit euch genießen! — Eigene Sinne,eigenen Verstand, eigenen Willen - Wahrheit,Harmonie — nur das:"
„Sophist über alle Sophisten! fuhr Bider-55 thal auf. - O ja, dergleichen Ermahnungenzur Ueppigkeit haben wir mehrmals von t»rerhalten: Und das war also im eigentlichstenVerstände zu nehmen ?" — „Im allereigentlich°sten ! " — „Rein, sagte Caroline, das ist einer-60 träglich I Sprich doch, Luise: Was hat er unnicht für Predigten gehalten? — Man hatnur mögen geschwinde allen Ueberfluß zum Fe> -ster hinaus werfen."
„Jawohl! hub Luise an: Ich weiß noch"65 mir das einleuchtete, als er die Frage an uthat: ob wir durch alles, was wir uns angöschall -an Glückseligkeit, oder auch nur an BchUlichkeit gewonnen hätten; ob wir dcrZufrirheit uns jetzt näher fühlten? Es siel mir 9