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Friedrich Heinrich Jaeobi.
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unmittelbar angebt, uns unendlich über allesandere wichtig sein. Die Quaalen des Gewissensund der heimlichen Schaam, die Freuden derTugend und die Gewalt der Ehre nehmen da-her ihren Ursprung, und geben, in ihren wun-derbaren Erscheinungen, tausend Beweise fürmich an die Hand. Freylich muß, wie du er-innertest und ich zugab, unser Bewußtseyn durchEinwirkung von außen zuerst geweckt werden;bestehen aber und fortdauern kann es nur insich selbst durch deutliche Erkenntniß, die demMenschen Persönlichkeit, Freyheit, inniges Ge-fühl der Seele, eigentliches Leben gibt. Alsoist der Begriff, wenn gleich sinnliche Empfin-dung unmittelbarer und früher ist, dennochwichtiger, fruchtbarer, höher und besser. Wirsehen auch die Menschen viel weniger durchwirkliche, angenehme und unangenehme, Em-pfindungen, als durch Meinungen und auf Mei-nungen gegründete Vorurtheile regiert. Undwas am merkwürdigsten ist, und eine tiefe Er-wägung verdient: wir werden jeder sinnlichenVorstellung und ihres Gegenstandes überdrüssig,so bald sich die innere Vorstellung, der Begriffvollkommen gebildet hat. Der Kern ist alsdanngenossen, die Hülse leer, und wir lassen sieliegen. Unser Leben hienicden ist nichts andersals eine solche fortgesetzte Bcrgeistigung derKörperwclt, und eine Verwandlung von Seelein Seele durch gesellschaftliche Bewegung. Wirwürden unseres liebsten Freundes, wir würdenunserer selbst überdrüßig werden, wenn in sei-nem oder unserem Daseyn sich ein Stillstandereignete. Willkührlich demnach und unwill-kührlich, aus Instinkt und aus Vernunft strebenwir insgesammt, unsere Empfindungen in Be-griffe zu verwandeln, Seele mit Seele zu durch-drungen, und in dem Gefühl eigener, unabhän-giger, immer weiter sich ausdehnender Wortrcf-lichkcit den höchsten Grad unseres Daseyns zuerhalten."
„Worin aber menschliche Vortrcflichkeit be-stehe, darüber ist unter Menschen von gesundemVerstände nie ein Zweifel gewesen. Die Gabensind mancherley; aber jeder ist vortreflich inseinem Maaß, dessen Vernunft seine Empfindun-gen, Begierden und Leidenschaften überschautund beherrscht."
»Ich sage beherrscht! denn Empfindungen,Begierden und Leidenschaften müssen da seyn,wenn menschliche Vernunft da seyn soll. Ausstumpfen Sinnen werden nie helle Begriffe her-vorgehen; und wo Schwäche der Triebe undBegierden ist, da kann weder Tugend nochWeisheit eine Stelle finden. Kein Volk; keineObrigkeit! Keine Obrigkeit; keine Gemeine!Je zahlreicher aber und je rüstiger die Menge,desto größer das Fürstenthum!"
„Und gleich einem Fürstenthum ist die Ver-nunft, wovon ich rede. Ihr gehört jenes herr-schende Gefühl, jene herrschende Idee, wodurchallen übrigen Ideen und Gefühlen ihre Stelleangewiesen wird, und ein höchster unveränder-licher Wille in die Seele kommt; sie entwickeltin sich selbst jenen auf unüberwindliche Liebegegründeten unüberwindlichen Glauben, undmir diesem Glauben jenen heiligen Gehorsam,der die edelste und höchste Kraft des Menschen,der die Krone seiner Freyheit ist.«
„Unter allen Völkern und zu allen Zeiten isthierüber nur Eine Stimme gewesen. Nichtden feurigen Sinn und das glühende Herz fürsich allein, sonder» den starken Geist, der Herz5 und Sinn nach Gesetzen zu lenken wußte, ha-ben sie über alles bewundert. Einen Agesilausbewunderten sie, wenn er den Preis der sauer-sten Arbeit, die Erfüllung seiner heißesten Wün-sche, den Ruhm Asien eräbert und den Thron1 <> des großen Königs umgestürzt zu haben, aufden ersten Wink der Ephoren dahin gibt, undnach Sparta zurück eilt, indem er, wie Xeno-phon sagt, dem Gehorsam gegen die Befehleseines Landes und einem durch die Gesetze ein-15 geschränkten Ansehen, vor jenen großen Besitz-thümern in Asien und vor der unumschränktenGewalt, die sich ihm anbot, den Vorzug er-theilte. - Eben diesen Agesilaus, wenn er sichdem Kusse der Liebe entzieht, seiner Leidenschaft,20 der Betrübniß ihres Gegenstandes, und demgefälligen Rathe seiner Freunde widersteht, undendlich zu diesen sagt, nachdem er eine Zeitlangnachdenkend und ganz in sich gekehrt da gestan-den hatte; — „Laßt mich; denn ich kann euch25 versichern, daß ich eine größere Wonne genieße,indem ich von neuem diesem Kuß entsage, alswenn ich in diesem Augenblicke die Gewalt er-hielte, alle meine Wünsche zu befriedigen.« —Einen Lysander bewunderten sie, wenn er von50 seinem Freunde, den er zum Könige, und, wasin den Augen dieses Freundes noch mehr war,zum Heerführer der verbundenen Griechen widerdie Perser gemacht hatte; wenn er von diesemFreunde auf die schändlichste Weise gekränkt,35 seine andern Freunde ermähnt, von ihm selbstabzulassen, und sich an den König zu hängen;wenn er dann diesem Könige in den gemäßigtsteu Ausdrücken Vorstellungen thut, und ausPflicht gegen sein Vaterland sich als den em-10 sigstcn in seinem Dienste zeigt. - Einen" . - -„Woldemar!" siel Biderchal lächelnd ein ^„Bruder! Mit wem redest du? Woher sind dieLeute, die du anführst? — Sind sie aus un-serm Jahrhundert? Oder reißt das Feuer dunk-45 ler Weissagung dich hin?«
„Ich rede mir dir", antwortete Woldemaktreuherzig, und meine Leute sind Lacedämoniee,gerade aus dem Volke, welches du vor andernangezogen haben würdest, um deine Lieblings50 Meinung zu unterstützen, und welches am ^gcnthümlichsten den Ruhm der Tugend besaß-Und da wollte ich nur ganz sachte dich auf d>Bemerkung leiten, daß es nirgend Mensch^gegeben hat, die weniger nach Trieben und Le>-55 denschaften gehandelt, und sich mehr um kaltBlut und ruhige Vernunft bemüht haben, ^eben diese Lacedämonier. Ihre ganze ZuchtEinrichtung ging dahin, sich von allen men!^lichcn Gefühlen unabhängig zu machen, "
00 nachher nur so viel davon wieder anzunehw 'als nöthig war, um einen brauchbarentaner vorzustellen. Sie sind der auffallen "Beweis von der Uebermacht des Begriffsdie Empfindung; sind, von dieser Seite ^trachtet, die erhabensten Menschen gewesen- --„So zeigten sie sich aber nur in dem/«scheu Bezirk ihrer Verfassung, - .welchzweyte Bemerkung ist, worauf ich dichren dachte. Wurden sie aus diesem mag
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