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Friedrich Heinrich Jacobi.
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hasten Mann erblicken, es sey denn, daß sichunmittelbar ein Gott zu ihm herab lasse."Daher das Lob derjenigen, als der weiserenund besseren Menschen, die ihr Leben in derStille hinzubringen suchten, so daß auch vom 5Epaminondas gerühmt wird: Er hätte sich nieeine Partey gemacht, als nur, um mit öffent-lichen Aemtern verschont zu bleiben. Die nem-lichr Denkungsart finden wir bey den Römern,wo Geiz und Herrschsucht, auch schon in den 10frühesten Zeiten, die gemeinen Triebfedern waren."
„Ich kenne die gute Seite neben dieser schlim-men, und verhülle mir nicht ohne Mühe ihrenGlanz. Aber folgende Satze bleiben unbeweg-lich: — Daß, wo Menschen bloß durch Nei- 15gunqen und Leidenschaften, welche Lage undUmstände in ihnen erwecken, zu Tugenden ge-führt werden, ihre Tugenden nicht anders alssehr unrein und mit großen Lastern vermischtseyn können. Ferner: Daß selbst auch diese 20unreinen und mit so vielen Lastern vermischtenLugenden, nur sehr schwankende und hinfälligeLugenden seyn können. Ersteres ist an sich so. klar, wird durch die alltäglichste Erfahrung sosehr bewiesen, und von eines jeden eigenem Her- 25zen, wenn er es aufrichtig fragen will, so tieferkannt, daß es ekelhaft seyn würde, es nochlange beweisen zu wollen. Das zweyte ist einenothwendige Folge des ersten, und findet sichüberdem in der hicbin einschlagenden Geschichte, 00durch die auffallendsten Begebenheiten, auf jederSeite bestätigt. Umstände und Lagen verwan-deln sich beständig; und sie werden um so we-niger durch vorhandene Anstalten und Gesetzebefestigt, je mehr die eigentliche bürgerliche Ver- 35fassung selbst nur ein Umstand — eine Folgebloß natürlicher Triebe, eine Art von Ungefährwar. Ein Ruck nach dem andern muß da baiderfolgen, und immer größere Unordnungen zuWege bringen. Das Uebel erscheint desto grö- 10ßer, je eingeschränkter die Lage, und je ange-messener dieser eingeschränkten individuellen Lagedie Verfassung war. Alle Lugenden kommenum ihre .Krücken und fallen danieder. Neigun-gen und Meinungen sind nicht mehr dieselben; 15jeder Privatmann hat seinen Sinn geändert:der öffentliche Verstand muß zu rasen scheinenund die alten Gesetze leerer Dünkel werden.
Da ist keine Rettung, wenn nicht irgendwoherein freyer, aufgeklärter — philosophisch-heroi- 50scher Geist ins Mittel tritt und dem Unwesenabhilft. — — Es ist nicht zu erzählen und istnicht abzusehen, was ei» Solon, Numa, Py-lhagoras, Sokrates, Zeno, mit ihren Schülerngewirkt und Gutes gestiftet haben. Des gött- 55lichew Nazareners, der in dem kleinen Judäa,wie verborgen, eine kurze Zeit umher wandelte;von jedermann verlassen, unter Spott undSchlägen, den Tod am Kreuze litt, und dessenhinterlassenes Wort die Welt umgestaltet hat, 00erwähne ich nicht, weil ich nur menschlicheKräfte und Mittel in Anspruch nehmen, wägenund vergleichen will. — Und da ist es unleug-bar, daß philosophischer Geist, das ist überle-gende, durchgreifende, nach ewige» Gesetzen 65waltende Vernunft, von jeher das Salz derErde gewesen ist. ^ Aber es will jetzt Modewerden, setzte Woidemar, etwas aufgebracht,hinzu — von Kenntnissen zu reden, als wenn
sie dumm, von Theorie und Weisheit, als wennsie thöricht machten. Man verschmäht Unter-richt, Studium, Gelehrsamkeit, Bücher, als un-wirksame Dinge, und erwägt nicht, oder weißnicht, wie viel das zu allen Zeiten gewirkt hat;erwägt oder weiß nicht, daß es die Gelehrtenwaren, die zu allen Zeiten im Grunde dieWelt regierten."
Biderthal war in Nachdenken versunken.Dorenburg aber faßte Woldemars letzte Worteauf, verbreitete sich darüber, und führte, umes Woldemarn entgegen zu setzen, nach undnach alles herbey, was von Ancisthenes an,bis auf Mohamed, Montaigne und Rousseau,über das Unnütze in den Wissenschaften, unddas Schädliche in den Künsten: wider Philo-sophen und Philosophie — Wahres, Falschesund Scheinbares gesagt und gefabelt worden.Biderthal erwachte darüber und half. Hen-riette hetzte. So glitten sie über die Haupt-sache weg; ließen bey Seite und vergaßen allesandere, um nur auffallend darzulhun: daß dieWissenschaften der Schlamm und die Grund-suppe menschlicher Erkenntniß wären, die Ge-spenster des ehmals Wirklichen und Lebendigen,welche nun im Hause umgingen und es un-wohnbar machten. Ein Gelehrter, wurde be-hauptet, wäre das unthätigste Geschöpf unterdem Monde, das am Wesenlosen seine einzigeLust hätte, eben so träge als unfähig, einenwahrhaft nützlichen Bürger abzugeben. Ver-stand hätten wir immer genug, um gut zuseyn; die Einsichten gingen nicht in den Willenüber, und machten — wie schon gesagt — dasHerz nicht anders, worauf es doch allein an-käme; es wäre noch niemals nur ein einzelnerMensch, geschweige denn eine Gesellschaft, durchGeistes-Anbau besser geworden.
Woldemar hörte geduldig zu. Er sah gerndie Unterredung diese neue Wendung nehmen-Der Eifer seiner Freunde ergötzte ihn; er ließihm den Lauf. Zuweilen sah er aus wie be-troffen, und als ob er nachdenkend würde. -Endlich fing er an, an seinen Fingern auf undab zu zählen, und dabey mit dem Kopfe, Huldzu nicken, bald zu schütteln, wie einer, der nEwüßte, was er von dem Dinge sagen sollte, da»er dächte.
Eine Pause kam, und er fiel ein. —minondas! — Lenophon! — Dion! — Arehtzjtas! — Perikles! — Lhucydides! — Phocian^— Dcmetrius von Phalera! — Scipio u»Polyb! — Cato! — Cäsar! — Brutus!Cicero! — Plinius! — Antonin! — MissAurel! — und wie viele andre? Lauter Mg ^»er, welche der Philosophie und den WW 'schoflen ergeben; größten theils mit Leidens^ergeben waren! — Und man mußdaß sie in bürgerlichen Geschäften sich doch anoch ziemlich thätig zu beweisen pflegten
„Eine wunderbare Sache! meinte Wo ^mar; denn im Ernste ließe sich nicht wolstfür etwas leeres und nichtswürdiges acywas Männer, die gewiß im Falle gewesenren, den Werth der Dinge und ihren ^ Mlauf die menschliche Seele aus eigenemund aus eigener Erfahrung zu schätzen, lso großes Gut gehauen hätten, daß I