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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
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Seite
185-186
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Friedrich Heinrich Iacobi.

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nicht gescheut, es gegen jedes andre auf dieWage zu legen."

»Der erste auf meiner Liste, fuhr er fort,war Epaminondas. Lon ihm merkte ich schonvorhin an, daß er öffentliche Bedienungen ge-flohen habe. Liebe zu den Wissenschaften, denener alle seine Muße widmete, soll hicvon dieHauptursache gewesen seyn. Dabey, sagt dieGeschichte, sang er und schlug die Zitier wieDämon; spielte wie Olympiodorus auf derFlöte: ranzte wie Calliphronus. Und dennochwo ist ein Held, der größer, wo ein Bürger,der besser genannt zu werden verdiente? - Ichübergehe die andern Namen, weil es mir ge-nug scheint, an sie erinnert zu haben, undweil mir so eben noch etwas viel ärgeres ein-fällt."

„Es sind die drey Mönche aus dem Hiero-nymiler - Orden, welche Lymencs, selbst einMönch, mir unumschränkter Vollmacht nachAmerika schickte, um in den Colonien neueEinrichtungen zu treffen. Diese Mönche, wel-che aus der Einsamkeit des Klosters und demsogenannten Müßiggänge der Sludirstube aufeinmal in die Geschäfte der Welt versetzt wur-den , sah man Wunder der Thätigkeit, derSrandhafligkeir und der Weisheit verrichten.Sie bewiesen ein so tiefes Einsehen, eine soweit umfassende Klugheit, eine so große Mä-ßigung, Uneigennützigkeit und Herzhaftigkeit,daß ihr Verdienst über alles Lob erhaben ist. —Ein ähnliches Beyspiel finden wir an Petra dela Gasca, welcher, um den Aufruhr des Pi-zarro beyzulegen, nach Peru abgeschickt wurde.Er wollte keinen Ehrentitel, kein Gehalt, keineBegleitung; sondern machte sich allein, mir ei-nem Bedienten, seinem Kirchenrock, und seinemBrevier auf den Weg. So langte er an, undversuchte alles Mögliche, um in dieser unschein-baren Gestalt seine Absichten zu erreichen, undweiter nichts als ein Diener des Friedens zuseyn. Aber als Nothwendigkeit und Pflicht eschm geboten, ergriff er den Degen, stellte sichan die Spitze des Heers und der Flotte, siegle,ordnete, kam wieder nach Spanien, und zogsich in seine Einsamkeit zurück. Ueberhauptwaren die Geistlichen noch zu jener Zeit, durch-gängig, die besseren, tüchtigeren Menschen, weilsie säst die einzigen waren, deren Verstanddurch einen gewissen förmlichen Unterricht einigeAusbildung erhielt, und deren Lebensart stillesanhaltendes Nachdenken begünstigte, und anOrdnung gewöhnte. Wie viele Grausamkeitenhaben sie nicht in Amerika verhindert; wie vie-^n sich mir Nachdruck und Gefahr, obgleichvorgeblich, widersetzt: wie manches Gute hieund da noch gestiftet: sie, und sie allein!"

. .. „Was ein Grad mehr oder weniger von Auf-larung vermag, davon erblicke» wir im Gro-

ei,, sehr auffallendes Beyspiel, wenn wir'd Eroberung von Mexico durch den Cortes,bd die von Peru durch den Pizarro, miruandcr vergleichen. Bis zu den kleinsten Um-> »den ist hier alles lautschreyendcs Zeugnißwider Eure Lehre."

^ . »ddud haben wir nicht an den Katholikenin ^ ^vlestanten in Deutschland ein BeyspielUne ^ Bähe? Wo liegt die Ursache, daß sich

er diesen so bald, in jedem Fache, die tüch-

tigeren Männer fanden? Daß sie nicht nur inallen Wissenschaften entschieden sich hervortha-ten, sondern auch die besten Geschäftsmänner,die größten Aerzte, Künstler und Erfinder lie-5 ferle»? Daß sittenerhaltender Fleiß, blühendesGewerbe, und Völker verbindende Betriebsam-keit gleichsam ihr Eigenthum wurden? Schonins dritte Jahrhundert dauert diese Erscheinungfort: denn noch sind die Protestanten überall,10 bis zur niedrigsten Klaffe herab, und Zahl ge-gen Zahl, bey weitem die Geschickteren, Sitt-licheren, Emsigeren und Klügeren. Der Unter-schied ist auffallend, wo beyde Parteyen nebeneinander wohnen. — Wie erklären wir dieses?15 Doch wohl nicht aus der Verschiedenheit destheologischen Lehrbegrisses! Wie denn Frank-reich? das ganz katholisch ist, und doch keincs-weges auf die angeführte Weise conlrastirenkönnte. Also nicht in der Religion, sondern in20 etwas Zufälligem, wenigstens mit ihr nicht we-sentlich Verknüpftem, muß jene merkwürdige,Deutschland eigenthümliche Erscheinung ihrenGrund haben. Mir däucht, es bedarf keinesungewöhnlichen Scharfsinns um diesen Grund25 im Ganzen der Erziehung und Anführung, inder Materie und Form des Unterrichts, wie er,vom lallenden Kinde an bis zum Lehrer derBeredsamkeit auf hohen Schulen, an beydenSeilen ist und nicht ist, zu entdecken. Die er-30 sten Beförderer der Reformation waren Hu-manisten, und so wurden die Humaniora biszum ABC Buche herab bey der Gegenpartei)verdächtig. Das Wort sollte nicht weiter Fleischwerden! . . . Genug an diesem Winke, da eS35 an sich schon klar ist, und keiner Ausführungan Beyspielen bedarf, daß mit fantastischen oderabergläubischen Vorstellungen verschonte Köpfe,desto mehr Raum für wahre und fruchtbareBegriffe behalten, und eigentliche Grundsätze40 nur in ihnen recht gedeihen können; daß Ver-ständigung des Gewissens das Herz nothwendigläutert, seine Bewegungen richtiger und zuver-läßiger macht; daß wahre Erleuchtung denMenschen, unter allen Umständen, auch bessert,45 und darum selbst die geringste wirkliche Ver-besserung der Erziehung und des Unterrichtsvon unendlich guten Folgen seyn muß."

„Noch eine sehr merkwürdige Erfahrung!fuhr Woldemar fort; und die ganz hierhin ge-50 hgrr — diese nxmlich: daß, gewöhnlich, wirden protestantischen Missethäter getroster zumGcrichtsplatz wandclg sehen, als den katholischen.Gleichwohl kann de« Katholische, wenn er esvon ganzer Seele ist, sich des Himmels viel-55 leicht gewisser glauben, als der Protestant.Aber dieser ist durch das bischen mehr Unter-richt, das er in seiner Kindheit genossen hat,eines geizigern Enthusiasmus fähig, sein Be-gleiter weiß lebhaftere und zusammengesetztere60 Vorstellungen in ihm hervorzubringen, und daSist genug um seinen Muth und seine Kräfteso merklich zu erhöhen."

„Noch ein letztes Wort, und ich schweige!"

„Die Welt ist voll von dem Ruhme der65 Männer, welche die Stoische Schule hervorge-bracht hat; und gewiß sind ihre Tugenden undgroßen Eigenschaften doch mehr dem Geistedieser mächtigen Philosophie, als dem Patrio-tismus oder irgend einer aus bürgerlichen Wer-