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195 Johann Heinrich Peflalozzi.
Es erhebt ihr Innerstes, die Wonne derLiebe, den Himmel des Dankes, die Ruhe desVertrauens, und die Unschuld der in Anhäng-lichkeit und Gehorsam entwickelten Kräfte alsdas Heiligthum Gottes zu erkennen, das in ih- 5rcm Kinde lebt und dessen Leben und Gedeihenihnen als das Produkt einer höher» Mensch-lichkeit seelenerhebend am Herzen liegt als dasLeben und Gedeihen seines Leibes.
Mit diesen Gefühlen belebt muß sie ihr Ba- 10ter- und Mutterherz, es kann nicht anders,mit einer unwiderstehlichen Gewalt antreiben,jeden Augenblick ihrem Kinde ganz und rechtzu seyn, was sie ihm ganz und recht seyn sol-len, und jeden Aungenblick ganz und vollends 15zu meiden, was ganz und fest vermieden werdenmuß, um dieses Heiligthum Gottes rein in ih-rem Kinde zu erhalten und in allen Theilenseiner Kraft wachsen und gedeihen zu machen.
Umhüllt von dem unreinen Boden der Welt -0sprosset dieses Heiligthum aus dem Innerstenseines Wesens hervor; es bedarf, wie die zar-teste Pflanze im Boden der Erde, Wärme,Nahrung, Schutz und schonende Wartung undfindet dieses alles in der Kraft und Liebe des 25Vater- und Muttersinnes.
Und wenn es dir dann gelingt und das in-nere Leben eines heiligen Sinnes durch die war-tende, schützende, helfende Thatkraft deiner vä- ...tcrlichen und mütterlichen Treue sich dann in 'der Unschuld deines Kindes bewegt, rege wird,und wächset und reifet zum vollen Ausdruckder Liebe und Kraft, und es dann liebend undhandelnd als der Abglanz deiner selbst vor dirdasteht und als dein Kind fühlt, wünscht undhandelt, wie du als Kind Gottes fühlst, wün-schest und handelst - Vater und Mutter —was ist dann deine Kraft?
Sie ist eine göttliche Kraft, alles Edle und 40Gute, das in der Mcnschennatur liegt, in dei-nem Kinde durch die heilige Tugend deiner War-tung und Pflege sich entwickeln zu machen undzu seiner Reifung zu bringen. Sie ist einegöttliche Kraft auch die, dem Heiligen unserer 45Entwicklung so nöthigen, aber ihr auch so leichtübermächtig und zerstörend werdenden Sinn-lichkeit von ihrem Erwachen an mit Weisheitzu leiten und mit Festigkeit in Schranken zuhalten. Du vermagst dann in deiner Kraft 5 gdas Größte, das die vollendete Erziehungskunstsich zum Ziele setzt, — du vermagst es, denAblenkungen seiner Natur von Unschuld undWahrheit mit gesichertem Erfolg zu widerstehen,ohne dadurch seine Liebe zu verliere» und seine 55kindlich trauliche Offenheit zu untergraben.
Je fester sich die Gewalt deiner Liebe seinemIrrthum und seinem Verderben entgeqenstemmt,desto mehr gewinnst du das Heilige seines Ver-trauens und kettest das Reinste seines Herzens 60»och mehr an dich. Du erweckest sogar durchdein Thun im beginnenden Streit der sinnlichenNatur mit seinem bessern Selbst Augenblickeder Unschuld, i,, denen die Ueberzeugung, dieStrenge deines Widerstandes wolle mit der 65Sanftheit deiner Güte Eins und eben Dasselbe,sein ganzes Innerstes in Bewegung setzt, miteben dieser Strenge i» sich seihst sich allem demzu widersetzen, dem Du dich widersetzest und alle
Gewalt anzuwenden, deine Kräfte für feine Ver-edlung zu den seinigen zu machen.
Und nun hingerissen von dem Bilde des ge-reinigten und veredelten Vater- und Mutter-Sinnes und der heiligen Kraft, den Einflußihrer Stellung auf die Bildung ihres Kindesganz auf alles das zu gründen, was von Got-teswegen und nothwendig als unabänderlichesFundament dieser Bildung angesehen werdenmuß, und hingegen sich über alles das zu er-heben und alles das zu entfernen, was immerdiesem Fundament in den Umgebungen undVerhältnissen der Welt, wäre es an sich auchnoch so anziehend, verfänglich und hinreißend,entgegensteht, — hingerissen von dem Bildeder hohen Kraft des Vaters und der Mutter,die sich also unverwirrt und unabgelenkt aufdiesem schmalen, aber einzigen Weg, der ihrKind zum höhern Leben seiner Natur hinführt,durch alle Hindernisse siegend durchschlagen —sehe ich mich umringt von einer Welt, wo ichdiesen Vater und diese Mutter weit und breitsonst suche.
Die Welt, wie sie in ihrem, der Sinnlich-keit und Selbstsucht dahingegebenen Sinnewirklich ist, liegt so schwer, so drückend und soallgemein auf dem Menschen wider das innere,göttliche Wesen seiner Natur und wider seinLeben in Wahrheit und Liebe. Auch der Vaterund die Mutter sind Genossen dieser Welt. Esist auch in ihnen, es ist in dem Vater und inder Mutter, es ist in deinen Umgebungen, inder Noth und in den Genüssen seiner Verhält-nisse , in der Härte und in der Schwulst derFormen der bürgerlichen Bande und ihrem —der wirklichen Veredlung der Menschennatmimmer gefährlicher werdenden — Raffinementallenthalben so viel Geist und Herz verwirren-der, Liebe tödtender, Kraft erstickender und Ge-fühl entheiligender Widerspruch, Anstoß undGewalt gegen das höhere Wesen, auf welchemdie Erziclung des hohen Zweckes der Bildungdes Kindes ruht, daß man sich über die immersteigende Entfernung des lebenden Geschlechtsvon der Bahn, die zu diesem Ziele führt, nichtverwundern muß, wohl aber darüber, daß esder Macht dieser Umstände nicht ganz unterle-gen, sondern das Streben nach innerer Erhe-bung in sich selber erhalten und mitten unterallen seinen Verirrungen und 'seiner Schwächeimmer noch Liebe und Thätigkeit in der Liebeals das einzige Mittel seiner Erhebung aner-kennt.
Dieses Streben und dieses Anerkennen dereinzigen wahren Fundamente der Bildung un-sers Geschlechts kann und wird sich ewig »^in unserer Natur verlieren. Sie, diese Natur,müßte sich eher selbst in uns verlieren.
Die besten und edelsten Menschen werde»ewig, und in allen Verhältnissen, leben sie a»!dem Throne oder in den Hütten des Staubesdie Fundamente ihres Edelsinnes und ihrer in-nern Höhe nur in der Wahrheit ihres Vatc>-und Muttersinnes anerkennen, und was sich "der Erziehung unsers Geschlechts immer »probhältig und genugthuend erzeigen wird, b»wird ewig und unabänderlich mir dem heibgiWesen dieses väterlichen und mütterlichen SM-nes zusammenhangen; es wird auch dann »n