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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
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199-200
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Johann Heinrich Pcstalozzi.

reger neuer Sinn reizt es mit hoher Gewalt Vierter (siebenter) Brich

zu dieser Sclbsthülsc, deren allmähligcs Wachs-thum die erste Ansicht des Menschengeschlechts An das Menschengeschlecht, das dem Kinde

immer mehr in ihm mindert und auslöscht, nach Vater und Mutter als das erste gegebenihm aber zugleich in der neuen Ansicht der 5 ist, wodurch es zur Liebe und zur ThätigkeitDinge kraftvolle mit seinem jetzigen Seyn über- gereizt, geweckt und gebildet werden soll, schließteinstimmende Reize zu eben der Liebe und der sich dann die ganze Natur, alles Belebte undThätigkeit in der Liebe ertheilt, deren wohl- Unbelebte, das in der Welt ist, und die Sinnethätiges Gefühl es in der Unschuld seiner ersten des Kindes berührt, unmittelbar an-Epoche gleichsam verschlungen hatte. 10 Eben so wie dem Kinde das Menschcnge-

Es braucht jetzt nicht nur nicht mehr von schlecht zuerst nur als ihm dienend, helfend undVater und Mutter angelächelt und auf den gleichsam um seinetwillen daseyend ins AugeHänden getragen zu werden, um den Ausdruck fällt, also fällt ihm hinwieder das, was in sei-der Liebe in seinem Auge und auf seinen Wan- nen Umgebungen außer dem Menschengeschlechtegen zu wecken. Dieser Ausdruck strahlt jetzt 15 seine Sinne berührt, zuerst nur von Seiteauf seinem Auge und auf seinen Wangen, wenn seines unmittelbaren Einflusses auf die Bcfrie-es sein jüngeres Geschwister selbst in seine Ar- digung seiner Bedürfnisse und zur Erquickungme nimmt und ihm lächelt, wie ihm die Mut- seiner Sinnlichkeit ins Auge, und es steigt dannter einst lächelte. Es wird jetzt aus dem Kinde, gleichfalls von dieser beschränkten Anfangsansichtdem seine Eltern alles waren, ein Kind, das 20 der Dinge zu einer von seinen Bedürfnissenseinen Eltern auch etwas ist, das ihnen täglich und seinen Gelüsten unabhängenden Ansicht Ver-mehr ist, und durch Liebe und Thätigkeit in der selben empor, in welcher alle Gegenstände derLiebe täglich mehr wird. Welt ihm immer mehr in einem Lichte erschei-

Jn dieser Liebe und ihrer Thätigkeit immer nen müssen, das mit dem, was sie an sich selbst,wachsend, von jedem seiner Verhältnisse gleich- 25 und in andern dem Kinde fremden Beziehungensam ergriffen — reift es allmälig zum innern sind, übereinstimmt; das Brod, bloß als seinenSelbstgefühl und zu einem immer mehr sich Hunger stillend, das Wasser, bloß als seinenverdeutlichenden Bewußtseyn seiner innern und Durst stillend, die Birne, die Traube, die Kir-äußern Selbstständigkeit heran und dehnt den sche, bloß als seinen Gaumen reizend, haben fürKreis der Verhältnisse, in denen es liebend zu 30 das Kind ein großes Interesse, ehe ein Gedankehandeln vermag, immer mehr aus. in ihm aufsteigt, daß das Brod aus Erzeug-

Es steigt, wenn die Wonne seiner Kraft nisten des Pflanzenreichs verfertigt werde, daßund seiner Liebe in ihm gesichert ist, auf der das Wasser zu den Flüssigkeiten der Erde ge-gedoppelten Leiter der innern Mcnschlichkcits- höre, und Birnen, Kirschen und Trauben ei-und der äußern Bürgerverhältniffe von der Un- 35 gentliche Saamenbehältnisse von Bäumen undschuld seiner Unmündigkcics-Lage bis zur höch- Gesträuchen seyen. Seine gute Mutter hülletsten Ausdehnung aller Verwicklungen, die der es in Leinwand ein, ehe sie ihm den wachsen-Kreis des Wallens und Webcns der Menschen den Hanf und den wachsenden Flachs zeigt; es

umschreibt, hinauf, und benutzt den erwciter- kennt seine Schuhe, ehe es weiß, daß sie von

ten Kreis seiner Verhältnisse gegen sein Gc- 40 der Haut eines Thieres herrühren. Es schläftschlecht mit eben der Liebe, mit der es in sei- unter der wollenen Decke, ehe es weiß, daß diener Unmündigkeit den engern, seine häuslichen Wolle, von der Haut des Schosses abgescho-Verhältnisse umfaßte. Es wächst jetzt in und ren, der Stoff dieser Decke ist.durch die Reinheit und Hoheit der Kräfte, die Aber auch dieser Zustand dauert nicht lange

die Bildung seiner Unmündigkeit in ihm cnt- 45 und kann nicht lange dauern. So wie das

wickelten, von Jahr zu Jahr immer mehr da- Menschengeschlecht, also erscheinen ihm auch alle

hin an, mit eben der Hoheit und Menschlich- Dinge der Welt bald unabhängend von dem,keit, mit der es in -seiner häuslichen Familie was sie ihm als bloße Befriedigung seiner Be-Kind seines Vaters und seiner Mutter war, dürfniffc, und als Genießungen seiner S>uu-jetzt Bruder und Schwester der größer» Fa- 50 lichkeit sind.

milie, deren Allvater Gott ist, zu werden. Es sieht jetzt die Wolle unabhängend vo»

Die Gemeinschaft alles Guten und alles seiner Decke auf der Haut des Schaafcs; ^

Edlen dieser großen Gottes - Familie wird jetzt sieht Flachs, Korn und Fell unabhängend »o

der unveräußerliche Antheil seines Geistes und dem Hemde, das es trägt, von dem Bro°e,seines Herzens und der Mittelpunkt seiner An- 55 das es ißt, von dem Schuhe, in dem es geh,strengungen sowohl als seiner Genießungen. und unabhängend von dem Einflüsse der -

Es hat sich durch die Bildung seines häus- ter, deren Hand ihm alles dieses zuerst ^lichen Kindersinnes zum höhern Sinne der Kind- seine Sinne brachte. ' ^

schafc Gottes und zum Vater- und Muttersinne Also erscheint ihm die Welt immer m d

unter seinem Geschlechte erhoben und benutzt 60 in sich erweiternden Verhältnissen. Alle ^jetzt als Bruder seines ganzen Geschlechtes und genständc zeigen sich ihm immer mehr als ^ (

als Vater der Armen den Spielraum seiner was sie an sich selbst und in entfernter»

neuen Verhältnisse zu immer größerer Belebung ziehungen auf dasselbe sind. . .

seiner Liebe und zu immer steigender Erhebung Es fällt aus den Mutterarmen, dor>u l ^

seiner Ki^st, j,, dieser Liebe thätig zu seyn und 65 Unbehülflichkeit eine» so nöthigen Schutz l ^sich durch dieselbe immer mehr zu vervoll- in das unermeßliche Meer aller von der

kommnen- ter unabhängenden Umgebungen der Wels, ,

wird von diesen durch tausend neue sst

gen berührt, an denen es nimmermehr I»