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Johann Heinrich Pestalozzi.
und Speise für die Hungernden zu bitten. —Knabe und Jüngling bis auf den schwankendenGreis eilen dem Nachbar zu helfen, dessen Hausbrennt; und wenn sie es nicht zu retten ver-mochten , so kommen sie wieder und bringendem Unglücklichen Gaben, daß er sich wiederein Haus baue, wie er eines hatte. In jedemFall, je größer die Noth ist, desto mehr walletim Busen der mit Sorgfalt zur Liebe gebilde-ten Menschen der heilige Funke dieser göttli-chen Gabe zur lodernden Flamme auf, undauch die starke Gewalt der mächtigen Selbst-hülfe erwachet bey der zur Liebe erhobenenMenschheit in solchen Augenblicken mit Macht.Der Mann, dessen Feld von den Fluchen ver-heeret worden, arbeitet mit Weib und Kindern,wie ein angeketteter Sklave, an der Wiederher-stellung seines verheerten Landes, und die armeWittwe, deren Trostbissen der schreckliche Hagelfür ein ganzes Jahr zernichtet hat, durchwachetdieses Jahr die Hälfte aller Nächte, und er-müdet sich mit täglichem Spinnen, damit ihrSäugling nicht hungere, und alle ihre Kinderessen und sich kleiden können, wie sie gegessenund sich gekleidet hätten, wenn der schrecklicheHagel den Trostbissen ihres Schweißes ihnennicht also vernichtet hätte.
Also erregt nicht bloß die Schönheit undder Segen der todten Natur, sondern auch ihrGlück und Ruhe störender und Verheeren brin-gender Einfluß bey den Kindern der MenschenLiebe und ihre Segen bringende Thatkraft, aberfreylich nur bey solchen Kinder», die von Mut-tertreu und menschlicher Theilnahme sanft undedel gebildet, für die Gefühle der Liebe empfäng-lich gemacht worden.
Es würde mich hier zu weit führen, diesenEindruck der Umgebunqen des Kindes auf seineGesinnung bis zu seiner Vollendung zu ver-folgen. Ich kehre um und werfe nun, um dasGesagte durch das Entgegengesetzte noch mehrans Licht zu setzen, einen Blick auf die eben sounvermeidlichen Folgen, wo dem Kinde die ersteund höchste Wohlthat der Natur, von der alleandern in Hinsicht auf seine Erhebung zu einemmenschlichen innerlich befriedigten Daseyn aus-gehen, mangelt.
Wo dem Kinde der Anfangspunkt allerLiebe, wo ihm Muttertrcue und Menschentheil-nahme mangelt; wo Eltern in ihrem Verhält-niß gegen ihr Kind von der Natur so weit ab-weichen, daß sie ihm das Heiligste, das sie ihmschuldig sind, ihre Mitwirkung zur Liebe ver-sagen, wo ein böser Sinn der Welt das Weibdes Mannes seines Kindes vergessen macht, da-mit es selbst glänzend und in den Kreisen groß-städtischer guter Tongesellschaften oder auch nurinnert den Thoren von Kleinstädten, Landstädt-chen und selber eines Fleckens von sich redenmachen könne, was es gern will, das man vonihm rede; wo das Unglück des Landes und dieNoth von Tausenden nur eine Spekulationmehr für den Wucherer wird; wo selbst derVater sein Unmündiges den Mutterarmcn ent-reißt, damit diese keinen Tag und keine Stundedes Sinnesgenusses berauschender Weltfreude»entbehre und dann, nachdem er die lebendigeQuelle des Heils seinem Unmündigen also ge-waltsam verstopft, ganz geschäftig herum läuft,
in lockerm Boden, der kein Wasser hält, fürdas arme Geschöpf durchlöcherte Erziehungs-brunnen zu graben, um für dasselbe an Vaterund Mutter statt Erzieher zu suchen, denen5 auf Gottes Boden in der Welt nichts so sehrmangelt, als unschuldiger Vater- und Mutter-sinn und gebildete Vater- und Mutter-Kraft.Sie werden sie nicht finden, diese Kraft, dennihre Reinheit ist im fremden Mann so selten10 zu finden, als eine Quaterne im Lottospiel;wenn sie sie dann nicht finden und an ihrerStatt Menschen erhalten, die nur den Scheinvon dem an sich tragen, dessen Wesen sie be-dürfen, dann ist es auch sicher um die Bildung15 zur Liebe und zur Thätigkeit in der Liebe fürihr Kind geschehen. Betrug und Land über-wallet das arme Geschöpf von der Wiege an.Wenn auch seine Amme es in ihrem Grimmenicht kneipet, so steht sie doch, seiner nicht ach-20 tend, unter dem Fenster, wenn es schreyt, undschöpft unter der Last, die sie nicht gern trägt,Athem und Luft, und sein Lehrer, wenn er auchgut ist, hat doch sicher in einem Hause, dasihn nur darum aufnahm, damit alles, in dem-25 selben, und nur er nicht, sich den Kindern ent-ziehen und der Welt leben könne, lange Zeit.Die Folge dieser Umstände für seine Ausbildungzur Liebe und zu aller ihrer Kraft ist heiter.Da ihm der Urpunkt, von dem diese Ausbil-30 düng ausgehen sollte, mangelt, so findet es auchin allen seinen Umgebungen keinen Faden, anden es die höhern und ediern Gefühle seinerNatur an sein ödes Inneres anknüpfen könnte.Vater und Mutter sind ihm für diese Bildung35 zur Liebe nicht, was sie ihm seyn sollten; alsomangelt ihm diese Liebe durch die Schuld seinesVaters und seiner Mutter. Es wird durch sielieblos in sich selbst und kommt in diesem Sinneder Lieblosigkeit, der täglich in jhm aufwächst40 und stärker wird, unter diesen Umständen da-hin , das Menschengeschlecht allgemein als einböses Geschlecht, vor dem es sich nur ärgert,anzusehen. Der Trug dieses Geschlechts, selbSchleichen, ^ein Schimmern, sein Heucheln,45 nähren in ihm nur Gefühle niederer Härte undSelbstsucht. Es wirb nicht edel, es wird nEsanft. Wenn seine Taube vom Geyer geraubtund sein Schäfchen vom Wolfe zerrissen wird,ist es ferne davon, des Vaters Hand zu suchen50 und ihn zu bitten, den Taubenschlag und denHühnerstall in eine Ordnung zu bringen, bukdiesen armen Thieren kein solches Unglück webbegegnen könne. Im Gegentheile kommt callmählig dahin, am Quälen und Plagen simc55 Mitgeschöpfe selbst Gefallen zu tragen, und Iwie es dahin kommt, und nun mit Wohlgcchbdem Hunde, dem Fuchse, dem Geyer und deMarder zusieht, wenn sie ihrem Raube uageben, wird es auch gegen das Leben dcr Dti>0 schen, das dem Leben dieser Thiere ähnlich ^und gegen seine böse Gewalt allmählig tzgültig — und der Gedanke: nein, unterMenschen muß es nicht also seyn, — cntsi?' cesich nicht mehr in ihm, wenn es das sthm".-r^Thier vom stärkeren zertreten und Asieht. Es kommt bald dahin, wenn nich ^Worten auszusprechen, doch in dunkeln ^ ^len sich vorzustellen: es kann nicht andermuß also seyn, wenn es auch den schm