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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
Entstehung
Seite
209-210
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Johann Heinrich Pestalozzi.

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und der Glaube an Gott macht hinwieder dieLiebe und die Kraft, die sie zu diesem Glaubenhinführte, reiner und stärker.

Die edelste Mutter glaubt um ihres Kindeswillen reiner und fester an Gott, sie sieht, daßsie ihm um dieses Glaubens willen täglich mehrist, als sie ihm ohne denselben je werden konnte.

Es ist wahr, es ist unwidersprcchlich: dieedelste Mutter fühlt sich in ihren Bemühungenfür ihr Kind in dem Grad stark und mächtig,als sie sich in denselben von der Welt trennt,und den Erfolg derselben in den täglich anhal-tenden Thaten ihrer Hingebung und Aufopfe-rung für ihre Kräfte ihrem Gott und ihremVater anheimgestellt, und auch ihr Kind mehrals zu irgend etwas in der Welt zu diesemGlauben an ihren Gott, ihren Schöpfer undVater hinlenkt.

Sie sieht es, sie kann es sich nicht verheh-len, dieser Glaube ist das Band der Liebe undder Kraft, die sie für ihr Kind sucht, sie siehtes, sie kann es sich nicht verhehlen, durch diesenGlauben erhöhen sich ihre Kräfte für das Wohlihres Kindes. Sie sieht e?, sie kann es sichnicht verhehlen, so wie dieser Glaube ihrer zuGott erhobenen Liebe in ihr Kind hinübergeht,und in ihm zur Sicherung seiner Liebe undseiner Kraft wird, was er in ihr ist, so wächstseine Empfänglichkeit für alles Gute in ebendiesem Grade.

Das Innerste, das Heiligste ihrer Naturruht auf diesem Glauben, und die Erfahrungzeigt ihr in ihm den Faden, an welchem dieVeredlung des Menschengeschlechts nothwendigangeknüpft werden muß. Je reiner, je edlersie ist, desto mehr zeigt ihr die Erfahrung dieWahrheit und die Nothwendigkeit dieses innernRufes zur Sicherstellung aller Fundamente derBildung des Kindes.

Je reiner das Auge der Edeln ist, mit demsie sich in der Welt herumsieht, desto mehr wirdsie durch ihre Erfahrung unwidersprechlich über-zeugt, wie der Mensche» Tausende, die in ihrerSchwäche nicht fähig scheinen, sich zu versorge»,dennoch versorgt werden; wie das Meiste, dasBeste, was den Menschen für ihre Versorgung,für ihr Heil, für ihre Beruhigung zu Theilwird, ihnen so oft gleichsam von selbst, ohne'hr Zuthun, in die Hand fällt. Je reiner ihrAuge ist, desto mehr wird die Ahndung der ewi-gen Hand, die über uns waltet, ihr zu einerunerschütterlichen innern Wahrheit.

Das Schicksal der Menschen erscheint ihrwglich mehr von der Hand ihres Gottes, wie

Schicksal des Kindes von der Hand seiner-Rutter abhängig.

Je edler sie ist, desto mehr wallet ein un-wtdersprechlicher Trieb in ihrem Herzen, das/^hl jhxxs Kindes bester und höher zu sichern,w sie es in der Schwachheit ihrer Menschen-rnfle ihm zu sichern im Stande ist.

Je edler sie ist, desto unwiderstehlichernllet der Trieb in ihr, dem Kinde ihres Her-- »s einen Führer, einen Leiter, einen Vaterder sich nie zu seinem Schaden irren,Gr ö" seinem Schaden sehten, den keinihm entreißen und keine Welt ihm ver-üben kann.

Ihre Natur selbst führt die Edle dahin, in

Kurz, prok. Ljt, ,,

der vertrauenden Anhänglichkeit an eine allesumfassende Liebe, an eine für jedes Bedürfnißüberschwengliche Macht, und eine — jeden Au-genblick und in alle Ewigkeit mit dieser Liebe5 und mit dieser Kraft über ihrem Kinde walten-den Hand, die einzige, sie befriedigende Sicher-heit gegen das Ungenugchuende aller Mittel derWelt für seine Bildung zur Liebe und Kraft,deren es zur Beruhigung seiner Tage so un-10 umgänglich bedarf, zu suchen. Sie findet indieser Anhänglichkeit an Gott für ihr Kind dieseiner Natur unumgängliche Zugabe zu allenMitteln, die für die Bildung desselben zu denZwecken ihres reinen Muttersinnes in ihrer15 Hand und in der Welt liegen.

Diese Mittel werden ihr durch ihren Glau-ben an Gott selber heilig, sie fühlt sich durchihn fähiger und williger, sie für ihr Kind kraft-voller zu benutzen; sie findet in ihm selbst ein20 für ihr Kind rettendes Gegengewicht gegen dieSchwäche ihrer Natur, und die Welt mit allemihrem Trug und mir allem Druck wird ihr durchdenselben eine höhere Welt, in der sie täglichfreyer, dankend und liebend mehr innere Kräfte25 erhält zur Ausbildung alles Edeln und Guten,das in ihrem Kinde liegt, zu wirken und zuhandeln.

Und das Kind, das an der Seite seinerMutter die ersten Keime seiner Neigungen,30 seiner Ahndungen und Kräfte entfaltet, diesesKind, das sie täglich einen Vater im Himmelanbeten sieht, der ewig kein Menschenkind ver-läßt, das an ihm hanget und seine Liebe sucht;dieses Kind, das seine Mutter täglich, um des35 Vaters im Himmel willen, die Menschen lieben,'ihnen dienen, sich ihnen aufopfern, und in die-ser Geduld, in dieser Liebe, und in dieser Auf-opferung ihr einziges Glück suchen und findensieht, — dieses Kind wird durch das Innerste40 seiner eigenen Natur gedrungen, neben seinerbetenden Mutter auf die Knie zu fallen, unddiesen Vater seines Vaters und seiner Muttermir ihr anzubeten.

Es ist nicht anders möglich, die Unschuld45 seiner Natur zwingt es, für diesen Vater etwasähnliches zu fühlen, was seine Mutter für ihnfühlt.

Es ist nicht anders, dieses erste Fühlen einerübersinnlichen Vereinigung der Menschcnnatur80 mit einem überirdischen, aber liebenden, helfen-den , göttlichen Wesen, muß jedes reine Gefühl,das in der Natur des Kindes liegt, höher he-ben. Es wird seinen Vater, seine Mutter mehrlieben, es wird ihnen inniger danken und wahr-55 hafter vertrauen, wenn es an einen Gott glaubt,der seines Vaters Väter, der aller Vater Vaterund aller Kinder Vater ist.

Es wird, es muß jedes Geschöpf seiner Art,in dem es ein Kind seines Gottes und seines60 Vaters erkennt, reiner lieben, ihm mir höheremGemüthe und aus höheren Trieben die Handbieten.

Die ganze Natur wird ihm als Offenba-rung der Liebe und der Kraft seines Gottes65 und seines Vaters heiliger seyn, als sie ihmsonst war.

Es wird in der scheinenden Sonne, in derträufelnden Wolke, im wachsenden Korne, inder Tiefe des Thals und in der Höhe der Berge

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