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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
Entstehung
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213-214
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Johannes von Müller.

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gräflichen in Besatzung zu halten, ihr Volkvom Bielersee in den bedrohten Paß am Bayar-denthum zu legen, die Landenge zwischen demNeufchateller und Bielersee mit vierhundertMarkgräflichen zu verwahren. Dem Vater 5verhießen sie alte Treu, und gaben zu, daß derSohn bei dem Herzog bleibe. Hierauf schriebensie Marquarden von Stein, Ritter, welcher mitSchweizern Mümpelgard besetzt hielt, mannhaftzu widerstehen und ihrer Hülfe gewiß zu seyn; 10der Stadt Basel, ihn zu unterstützen; denStraßburger» und dem crzherzoglichen Feld-herrn Oswald Grafen von Thierstein, besondersmit Reisigen auf jeden Fall bereit zu seyn.„Wir hoffen", schrieben sie freudig, „den Sa- 15chen ein kurzes Ende zu machen." Schon wa-ren kleine Haufen der feindlichen Reiterei durchden Lescleespaß oder einen der unzähligen Pfadedes Viehs in die Waadt gekommen, hattenAubonne, des Grafen von Greyerz, überrascht, 20und Werner Fußboten am Genfersee ausge-raubt; man wußte auch, daß bei Ehamberyachttausend Mann von Savoyen die Annähe-rung der Burgunder erwarteten, um zu ihnenzu stoßen. Da ließen die Werner durch Zürich 25an alle Eidgenossen eine Warnung, und nachwenigen Tagen die Mahnung ergehen. Zu der-selben Zeit schrieben sie den Reichsstädten inTeutschland: „Eingedenk zu seyn der gemein-samen teutschen Sprache, des Reichs, dessen 30auch sie sich nicht entäußern, der Ehre des Kai-serrhnms, das dieser unruhige Mann, wenn erdie Schweiz überwinde, sich zueignen werde,und angeerbter alter Freundschaft. Sie möch-ten Reisige, Schützen, Pulver und Büchsen 35senden, und wir wollen Teutschland seiner ent-laden."

(Jverdun.) Die Vorposten Joigne undDrbe waren von den Eidgenossen aus unzeiti-ger Sparsamkeit oder trotzender Sicherheit ver- 40Bussen: Jverdun und Granson hielten sie besetzt,äverdun hatte dem Grafen von Romont bisüi die äußerste Gefahr Treu bewiesen und warvon den Siegern so schonend behandelt worden,daß diese glauben durften, die Einwohner wür- 45' den ruhig den Ausgang des Kriegs abwarten.Aber den Männern von Jverdun schien durchdie anrückende Uebermachr letzterer schon ent-schieden- Also, nach einem Verdienst um diewiederkehrende Herrschaft begierig, ließen sie 50durch Barfüßer, deren Kloster an der Stadt-mauer lag, mit dem Grafen von Romont dieStunde und Manier der Ueberlieferung ihrer«ladt verabreden. Hiczu wählte man die Rächtd>nes Tages, wo Albin von Sillinen, Luzerner, 55M Bischofs von Grenoble Bruder, nach abge-gebenem Kommando heimzog. Bei diesem An-alst verehrten die Bürger ihm Wein, damitwan an ihren guten Willen glaube, auch aufdie Kriegsmänner mit ihm trinken. Diese 60lchlicfen, als wie nicht in Feindes Land; ihrwaren siebenzig. Die Mitternachtstunde schlug.

urch zwey Häuser an der Mauer wurde Ro-wvnt mit anderthalbtausend Mann über denGefrornen Fluß in die Stadt gelassen; ver- 65^tflte sich; p^iich. Rumor, Harsthörner,

- vwpelen, hohes Geschrei: „Burgund! hier^urgund! unser die Stadt." Und alle Jver-uer auf, jeder über die Einquartirten; fünf

in einem Gasthof ermordet. Sonst rannten dieSchweizer, meist kaum bekleidet, mit ihrenSpießen in die Gasse, stellten sich unter Han-sen Schürpf, einem Luzernischen Rathsherrn,behaupteten sich, verwundeten, erschlugen, bahn-ten sich endlich den Weg zum Schloß, wo derzweite Hauptmann, Hanns Müller von Bern,wider so viele Feinde und die ganze Stadtmühsam die Fallbrücke behauptete. Es fehltensechs Mann, als er die Pforte zuwarf. Diesezu retten, wurde die Fallbrücke noch einmalherabgelassen. Nur ein Schwert und ein Pfeilblieb einem der Männer; der wandte sich, schoßden verfolgenden durch den Kopf, zog seinSchwert, schlug ihn todt und nahm den Pfeil;zum zweiten Mal that er so, bis er noch vomSchloßthor den Pfeil zum dritten Mal, nichtvergeblich, fliegen ließ. Der Graf von Romontforderte auf; er drohete Tod. Sie bezeugten,alles ruhig zu erwarten: zerbrachen die Ofenund warfen von den Zinnen Steine. Denn eseilten alle Bürger mit Weibern und Kindern,den Schloßgraben mit Stroh zu füllen, dessenBrand hierauf.das Holzwerk fasse.' Unverse-hens die Eingeschlossene» heraus; der Grafwurde verwundet; der Pöbel floh, der Feinderstaunte. Jene, da sie die Umgebung frei ge-macht, leerten alle benachbarten Keller undSpeisekammern; sie rannten an die Kirche, wodie Feinde wider sie Rath hielten, und ent-führten die Feldschlangenbüchse. Jetzt sandtensie nach Bern: „sie getrauen, sich zu halten.«Als der Bote unlerwegens den Zufall ruchbarmachte, eilte der Bernische Hauptmann in Pe-terlingen, mit achtzig Mann sie zu verstärken.Sie wurden vor ihrer Ankunft bemerkt, undfür eine Vortruppe der Eidgenossen gehalten.Da beludcn alle Jverduner ihre Weiber undKinder und sich mir dem Besten, so sie hatten,und nahmen mit Romont eilende Flucht; schonrauchten die Vorstädte, aus dem Schloß inFlammen gesetzt.

(Granson ) In der Nacht wurde dasMordgeschrcy bis in Granson gehört. Brandolfvon Stein, Hauptmann der Besatzung, begabsich, als in ungewissen Dingen, mir seinen zweyDienern von der Burg in die Stadt, Anstaltenzu ordnen. Da brachen aus Ställen Verrälherhervor, ein Theil der Bürger fiel ihnen zu.Der Herr von Stein gefangen, wurde vor dieBurg gebracht. Aber die Besatzung bezeugte,zu wissen, daß er lieber sterben, als mit öffent-lichem Schaden sein Leben erkaufen möchte.Also wurde er nebst seinen Dienern, hart be-handelt, nach Burgund geführt. Albin vonSillinen eilte nach Jverdun zurück; der Schult-heiß von Wabern besetzte den Ort mit zwcyhun-dert Bernern und Freiburgern; drey, den Eid-genossen vertrauende, Männer waren allein inder Stadt. Als der Feind alle Dörfer, täglichstärker, besetzte, wurde das Schloß von der Be-satzung angezündet; sie schlug sich „ach Gran-son durch-

(Karls Anrunft.) Der Herzog vonBurgund verließ Besanyon am sechsten Hor-nung; da er zu Chateauneuf bei Willafons lag,erkundete Herr Ludewig von Chatcauguyon denPaß über die Verrieres von Joux. Diesemwurde der Bayardenthurm durch Heinrich Mal-