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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
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225-226
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Ioliamil'6 von Müller.

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ihrer Sitte gemäß, drei Tage behauptet, brachenalle Banner siegfreudig aus, in ihre Städte undLänder; die ganze Schweiz war ein großesFeldlager. Ludwig der Eilfte hatte sich, gleichbei Anfang des Kriegs, unter dem Lorwand 5einer Andacht und vieler wichtigen Geschäfte,nach Lyon begeben, um dem Schauplatz näherzu seyn, und nach den Umständen schneller zuwirken. Der erste Eindruck von Karls Er-scheinung oder irgend ein möglicher Nachtheil 18konnte der burgundischen Partei die Oberhandgeben; die Schweizer, über des Königs Betra-gen mißmüthig, ließen Friede mit Karl, undeinen Bund wider Ludwig fürchten. Also ließLudwig durch Philippe» von Eomines, seinen 15vertrauten Minister, viele Kundschafter als Bett-ler, Pilgrimc, Handwerksgesellen in die teut-schen Städte und Länder senden; er wartete ingroßer Unruhe. Die Botschaft von Gransonentschädigte ihn; er konnte sie sich nicht oft ge- 28nug wiederholen lassen. Was ihn kränkte, war,daß nicht mehr Burgunder geblieben. SeineFreude, die geheim war, wurde durch ganzLyon in Siegeslicdern kund. Da kam vonKarin der Herr von Contay: „wie der Herzog 25auf des Königs Freundschaft rechne, bedaure,daß er zu Auxcrre ihn nicht habe sehen können,und überall zu seinem Willen seyn werde."

Er wurde mit Auszeichnung empfangen, unddie schönsten Worte gesucht, ihn zu beruhigen. 38Dem König schien der Tag von Granson gut,nur nicht hinreichend. Die stärksten Zusagenund reiche Geschenke, wurden an die Sieger ver-wendet.

Schon anders empfing er die Mailändische 35Gesandtschaft. Galeazzo, durch seine Gemah-lin des Königs Schwager, seit wenigen Wo-chen im Bund mit Karl, der in Italien dieMächtigsten Verbindungen hatte, ließ durch einenheimlichen Boten dem König hunderttausend 48Ducaren bieten, wenn er ( woran er wirklichnie gedacht) mit Karl jetzt nicht Friede halte.

Als Comines hierüber Bericht erstattet, ließ derKönig den Mailänder rufen, und sprach zu ihm:„das Geld mag euer Herr behalten; ich habe 45jährlich dreimal so viel, und nicht Geld ist wasüber Krieg und Friede meinen Willen bestimmt;wenn dem Herzog ernstlich leid ist, daß er sichbelhören ließ, so mag unser Bund hergestelltwerden." Der Bote ließ nicht ab; Nachmic- 58wgs wurde der Bund neu proclamirt. UmDieselbe Zeit kam der König durch aufgefangenetriefe in die Kenntniß des heimlichen Vertrags,wodurch Rund von Anjou, Gras der Provence,

°tr sich König Siciliens nannte, dem Herzog 55

Burgund Provence überließ; Philipp vonsavoyen, Graf des Landes Breffe, nahm^Ug'en von Chatcaugüyon die zwanzigtausend^haler, woraus er für Karin in Piemont wcr-

sollte. Da ließ der König dem alten Rene 66wgen, er möchte nach Lyon kommen, oder, ob?wn ihn holen soll? Er kam , Rene der Gute,er Wissenschaften und Künste, der Damen undMnes Volks Freund, wurde nach seinem Ge-Ichmack vortrefflich bewirthet, brachte Einiges 63°ur Entschuldigung vor, und ergab sich, wiesücht zu ändern war, in die Hand Ludwigs,ibe ^ ^ redlich gab die Herzogin von SavoyenL ein Bruder, dem König, heimlich eine Aen-

K»rz, Pros. °j,. II.

derung ihres Willens zu erkennen; er, unge-räuschi, äußerte aufs freundlichste den Wunsch,die Fürstin selbst zu sehen. Große teutscheStädte erklärten sich wider Karl. So schnellsank Hoheit, Ehrfurcht, Vertrauen, daß mannicht anders eilte, sieh von ihm zu trennen,als wenn ein großer Ablaß dadurch zu verdie-nen wäre.

(Neue Rüstungen.) Er, in tiefemschwarzem Schmerz, nicht niedergeschlagen, aberwüthend, strengte alles an, den Krieg zu er-neuern. Der sechste Mann wurde aufgeboten;von allen Unterthanen der sechste Pfennig ein-gefordert, und, wo die Kirchenglocke tauglichschien, oder wo in einem Hause mehr als Eineherner Kessel oder anderes entbehrliches Erzwar, Ablieferung in die Stückgicßerei befohlen.Es murrten die Völker; selbst Hofleuten schienEigensinn, was ihm Festigkeit; allein der Muth,nicht aufzugeben, machte gleichwohl, daß er nochnicht siel; daß weder Frankreich noch der Kaisersich getraute, Krieg wider ihn zu erklären;daß die Herzogin von Savoyen Seide, Lein-wand, und köstliche Kleider für ihn zusammen-raffte, und Galeazzo neuen Werbungen, wiesonst, den Durchpaß gab, auch Geld und Waf-fen ihm nicht versagte. Dem Unglück trotzen,ist groß; aber unweise, die Maßregeln durch-setzen zu wollen, wodurch das Unglück kam.

Nach der Schlacht wurde Granson und dernach Neufchatel führende Paß, nicht aber KarlsHeerstraße, durch die Clausen von Joigne undLescles, besetzt; als ob man den Herzog fernersdahin leiten wollte, oder weil die gebrochenenBurgen wieder haltbar zu machen nicht so schnellmöglich war. Auf die Freigrafschaft wurde,als zu Lilie Jahrmarkt war, und bei der Land-wehre zu Granges, aus derselben auf Sund-gau, während einem Hochzeitschmause zu Dat-tenried, immer mit Vortheil der Schweizergestreift. Die Hülfe der teutschen Städte wurdedurch ein kaiserliches Verbot gelähmt. SeitKarl gcdemülhigt scheinen mochte, >uchte Fried-rich, so wie der Papst, entweder den Kriegbeizulegen, oder die Maßregel» der Eidgenossenzu verzögern. Sie lürchleien die UebermachtFrankreichs und den schweizerischen Trotz. Aberalle burgundischen und niederländischen Besatzun-gen und ihre Artillerie in Bewegung, Karl mitmehr als anderthalbhundert Stücken und mehrals sechszigtausend Mann umgeben, voll wü-thender Slreitbegier, Romonc voraus und schonwieder Herr seiner Waadt, Savoyen, Italien,für die Herstellung des Herzogs thätig, hinderteBern, sich einschläfern zu lassen.

Sie erließen an alle Bürger und Ausbür-ger ein Aufgebot, wie in den Tagen vor Lau-pcn, wo i» einem Hause neben dem Vater einerwachsener Sohn, oder wo zwei Brüder seyen,soll der eine auf seyn zu Behauptung der StadtMurlen, Vorburg von Bern; und an alle Un-terthanen, auf bestimmte Zeit mit Waffen, Ge-schütz und Vorrath auf einen Monat in Bernzu erscheinen. Da wurde auch der Allschull-heiß Hadrian von Bubenberg, Ritter, welcherals Burgundisch gesinnt auf seinen Landsitz nachSpiez entfernt war, von seiner Zunft für dasVaterland aufgemahnt. AIs der Held in dieStadt kam, erkannte jeder in ihm den Feld-15