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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
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Seite
227-228
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Ivsiannes von Müller.

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Herrn. Also schwur die Gemeinde-, Murtenunter ihm zu behaupten, Schultheiß und Rath,ihm nichts Nöthiges fehlen zu lassen. Andert-halblausend Man» von Bern zogen aus; Frei-burg sandte Wilhelmen von Affry mit achtzig 5Mann. Sie, diese Stadt selbst, wurde vontausend Eidgenossen besetzt, welche Hanns Wald-mann von Zürich, den sie wegen der Vortreff-lichkeit seiner militärischen Tugend alle alsobersten Hauptmann ehrten, in der genauesten 10Kriegszucht hielt. Waldmann, sinnlichem Ver-gnügen sonst nicht feind, stärkte das Volk aufden entscheidenden Tag durch Religion undernste Ordnung; durch Streifzüge hielt er das-selbe in unaufhörlicher Bewegung. Die Reist- 15gen von Oestreich unter Eptingen, die gutwil-ligen Straßburqer, welchen der Neid des Glücksam Tag von Granson Ruhm versagt, wichennicht von den Schweizern: letztere Stadt sandtefreywillig ihre Büchsen. 20

(Karl zu Vausanne.) Da kam derHerzog Karl mit erneuerter Macht und Hoff-nung aus den unverwahrien Pässen über Orbedurch die Waadt nach Lausanne; hieher strömtealles Volk, das von Gent bis Rapoli aus war, 25seinen Krieg zu thun. Sieben Wochen lag erdaselbst. Mehr durch diese Freunde, als vorund nach durch Schweizer, wurde die umlie-gende Landschaft, unter den grausamsten Miß-handlungen aller Stände,, Aller und Geschlcch- 50ler, ausgeraubt, so daß, wer nicht in die Alpenentwich, die einzige Wahl zwischen dem Bettel-stab und Hungertod hatte.

In den Osterfeierragen, welche er herrlichbeging, erschienen vom Augstthal her viertau- 55send Lombarden, welche sich in den vcnetiani-schen Staaten für seinen Dienst gesammelthatten; in den Pässen des Bernhardsbergesfanden sie die Männer von Wallis, welche siebis zum Spital verfolgten, viele Hauptleute 40und Edle, überhaupt bei anderthalblausend Mannerschlugen, und viele Gesangene machten; werim unwegsamen Gebirg Rettung suchte, fandin Eisschründen oder durch Hunger den Tod.

Die Oberhand war bey den Landeskundigen. 45Unter Anton von Orly, Gubernator zu Nizza,zogen von Savoyen viertausend Mann auf diefeindliche Gränze; diese wurden von den Fm-burgern theils versprengt, theils niedergemacht.

In Romont selbst vermochte eine starke Besä- 50tzung dix Abbrennung der Vorstädte nicht zuhindern. Kaum hatte sich Karl wenige,Stun-den von Lausanne entfernt, so zog Nikiaus zurKinden, in Obersibenthal bernischer Landvogt,mit seinen tapfern Leuten und den Männern 55von Sanen auf die Städte Bevay und bey demThurm du Peyl, welche den Savoyern undItalienern Vorschub geleistet; welches mit demVerlust ihres Eigenthums, dem Tod aller waf-fenfähigen Mannschaft und einer gänzlichen Zer- 00störung belohnt wurde.

(KriegSordonncrnz.) Ohne Furcht, solang Einigkeit und Ordnung nicht fehlte, be-schäftigte sich der zu Luzern versammelte Tagder alten Eidgenossen und niedern Vereinigung 05nur mit Anordnung der jedem zukommendenRüstung und mit Bändigung wilden Muthes.Jedem Hauptmann wurden Räthe, jedem Ban-ner vier Mann zugeordnet, wenn dxr Ban-

nerherr sinkt, empor zu halten; hundert vor,eben so viele hinter dasselbe, zu seinem Schirm.Das Raubgesindel, genannt Freiwillige, wirdnicht mehr geduldet. Jeder zieht aus mit Har-nisch und Waffen, die er, so lang er im Feldist, weder Tags noch Nachts, je ablegt. Un-ordentliche Wagstücke, Zweikampf, Spiel, wo-von Zank entsteht, und böse Schwüre sind wieEntfernung oder das rohe Geschrei im Anfangverboten. Der Mann rückt in seiner Ordnungan ; ein Wort an Gott! alsdann die Augenauf, und der Arm unermüdlich, auf daß mög-lichst viele Feinde fallen; man will keine Ge-fangenen. Wer die Flucht nehmen will, dentödte der Nächste. Wer auf der Flucht er-griffen wird, stirbt als meineidig. Niemandbeleidige das hülflose Alter oder Geschlecht, odervergesse, in Kirchen und an Priestern Gott,des Kriegs Schiedrichter, z» ehren. Eine Mühlesoll nie zerstört werde». Keinen Ort verbrennedie Vortrupp, die Nachtrupp mag noch Speiseda finden. Kein Proviant werde aus demFelde gefahren, kein Stück Beute berührt; eshält auf, macht Mißmuth, gebiert Streit,lähmt den Sieg und bringt Unglück; die Aus-theilung soll obrigkeitlich mit Billigkeit ge-schehen.

(Karl an das Heer.) Als der Herzogvon Burgund sowohl aus Niederland als Ita-lien genügsame Verstärkung erhalten, um selbstgegen Frankreich den höhern Ton wieder anzu-stimmen, ließ er das ganze Heer auf einer fla-chen Höhe ob Lausanne zusammentreten. Erübersah dasselbe von einer erhabenen Bühne; er,nicht mehr jener, wie zu Lüttich, oder Trier,Verwirrung in seinem Blick; Bläffe entfärbteseine Wangen; seine Stimme schien Ausbruchder beklommenen Brust, nicht ruhiger Zuver-sicht; sein Inneres war von Zorn, Haß, Ver-achtung, Scham, wie zerfleischt; er haßte, ver-schmähte nun den Rath seiner redlichen Buk-gunder, fand Gefallen a» welscher Großsprecherei,suchte Wahrsager über die Zukunft und scheutesich davor; in der That außer sich, seit Gransonfür immer. „Wahr!" rief er endlich, „dasGlück verließ uns jenen Einen Tag . . . Doch,tapfere Männer! Ihr, vor denen Frankreichbebt, ihr, durch die mein Schwager sicher Kö-nig von England ist, durch welche Lüttich stehvor deren Anblick Lothringen verschwand, »ichwahr, ihr wollt ihn rächen, euer» Herrn, nndem Bauerntrotz? Was habe ich der Sch"e>»gethan? Wer hat Hagenbach erinordet, weineAmtmann? Haben sie mir den Krieg nicht am-gezwungen? mir Feuer und Schwert ihn 'meine ruhigen Lande gebracht? welche Graue,welche Herausforderung unversucht gelasstss'Soll die Würde Burgunds, das Andenken" 'nes Vaters, unsere Ehre vor den Völket 'durch dieses rohe Volk in Koth getreten " .den? Bei St. Georgen, sie soll es nicht, -e./zur Rache; für euch wie mich! Nichtmir etwas erobern. Auf Ehre geht mein Szer Sinn. Das Land sollen meine F"haben; in den Häusern der Berner und vkurzer sollen meine Krieger wohnen; euewas sie zusammengeraubt, die weinetfriedbrüchigcn, schändlichen Verräther. ^auf; wir marschiern Bei St. Georgen,