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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
Entstehung
Seite
235-236
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Johannes von Müller.

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chern Reiter«) das Heer durch eine Wagenburgoder einen Verhau zu sichern- Vermuthlichwurde von der Leibwache auf den Höhen be-fürchtet, daß sie den Eidgenossen zu der Zeitin die linke Seite falle, wo das Geschütz hin-ter dem Grünhaag ihre Fronte in Unordnungbringe. Stillschweigen; man sah verbissenenMißmuth- Endlich redete Felix Keller, Wald-manns Freund, ein Züricher: „wollen die Bunds-genossen , uns zur Seile, redlich streiten, somögen sie kommen: wir schreiten fort, anzu-greifen, wie unsere Altvordern; künstlich Dingist nicht unsere Art." Sofort fuhr er dahin,und gebot, aufzumarschiren.

Die Burgunder, welche Stunden lang imRegen gewartet, schlössen aus der Haltung desFeindes, derselbe habe sie aus ihrer guten Stel-lung locken wollen. Da mehrere Pulverwagenund die Bogen der Schützen durch die Nässesehr gelitten, wollten sie gegen Mittag in dasLager zurück, indeß vermittelst einer plötzlichenWendung die schweizerische Vortrupp die Lückedes Grünhaags bedrohet« In zwey Treffenrückten sie an, links Hallwyl, der Gewalthauferechts, Hertenstein hinter ihnen, bereit auf alles.Also begann das burgundische Geschütz zu spie-len; so daß vielen Eidgenossen die großen Ku-geln den Kops wegschössen, viele Reisige vonLothringen aus dem Sattel geworfen, dem Her-zog Rönv selbst sein Leibpferd erschossen, überdriithalbhundert Mann, bei hundert und dreißigder Gewalthaufens niedergelegt, und besondersdie Lothringer von den burgundischen Reisigenin die äußerste Noth gebracht wurden. Dochfuhren die meisten Schüsse zu hoch, in dieBäume, hinweg über den Feind, welcher ihreWirkung mit unaufhaltbar starkem Schrittbald unterlief. Indeß an diesem Ort für Karlnicht ohne Hoffnung und mit gesummter An-strengung gestritten wurde, umzog den Grün-haag eine von Hallwyl heimlich beorderte Trupp,fiel von oben her mit großem Geschrey demFeind in die Seite und erschoß den leitendenBüchsenmeister, worauf Schrecken und Unord-nung das Geschütz in die Hände der Schweizergebracht. Alle Eidgenossen entflammt sprangenin den Graben, rissen, traten den Grünhaagnieder; die Entlibucher, die Oberländer trugenmit ihren gewaltigen Armen die schweizerischenBüchsen hinüber, wandten die burgundischen,und nöthigten den Feind, seine Stellung auf-zugeben. Er zu seinem Herrn. Denn unan-getastet stand von Cour-lcvon bis zum Bec-le-Greng der burgundische Schlachthaufe unterdem Prinzen von Oranien und Pbilipp vonCrevecoeur, links am See der große Bastardmit Adolphen von Ravestein, rechts Karl, per-sönlich vor der Fronte, der NeapolitanischePrinz und ein Herzog von Somerset bey ihm,die Leibwache, die tapfere Schaar der Englän-der, die beste Rcitcrey: hinter Murlen Romont,*"?skirt, wenn er aber Luft bekäme, eingefährlicher Feind. Zu nichts wurde dem Her-zog Zeit grossen; indem Hallwyl und nun mitMacht auch Hertenstein die Höhen von Cour-gevaur tdlmgten, Lotkringen rachevoll, undGreyerz, Thierstein mit dem Fußvolk wettei-fernd, Waldmonn aber mir dem Grwallhau-fen das Hauptheer zu keiner Fassung kommen

ließen, und Bubenberg sich nicht scheute, desBastard Antons Lombarden unter den Bäumenam See durch einen Ausfall in Verwirrung zubringen. Es hatte der Herzog von Burgund5 in seinem wohlgeordneten großen Heer vieledieses Kriegs äußerst unwillige Unterthanen,viele besoldete Ausländer, welche den furcht-baren Kampf scheuten, zwischen beiden Haß undMißtrauen, eine überhaupt unglückliche Stim-10 mung, und wenige Befehlshaber, welche nichter beleidiget oder König Ludwig oder Unglaubean sein Glück in ihrer Treu erschüttert hatte.Der Feind war einig für die Stadt Bern, undjeder für sich, kecker, wenn er gelitten, und,15 als zum Tod entschlossen, ganz heiter und fest.

Entschieden wurde, nicht weil- von Karllder es sehen konnte) durch ein äußerst lebhaftesGefecht, worin die Garde und vorzüglich dieEngländer mit überaus großer Tapferkeit strit-20 ten. Sie wurden durch den Vortheil des Ortsund die überlegene Wuth und Menge zurück-geworfen, brachten in die Reiterey Verwirrung,in die Seele des Herrn das Entsetzen vor seinemGeschick, Flucht in das Heer. Und, noch Ein-25 mal sich ermannend, warf Somerset die Gra-fen von Thierstein und Greyerz, als zugleichKarl ihm auftrug, den Rückzug des Fußvolkszu decken, und eine feindliche Kugel ihm denTod brachte. Andcrthalbtausend Edle lagen, er-30 schlagen; Philippen von Grimbergh, den rei-chen vortrefflichen Jüngling, hatte Karl fallengesehen. Als die Noth nahe kam, so daß Ja-kob von der Maes das ihm vertraute Banneroder sein Leben aufgeben myßte, wand er das35 Banner um seinen Arm und Leib und nahmden Tod. Um diese Zeit erschien auf den Hö-hen im Rücken des Heers ein starkes KorpsHertensteins. Indem sank das Banner des gro-ßen Bastards; es hatte ein Mann von Hasli40 dasselbe gewonnen. Da siel dem Herzog Karlsein Muth, es verdroß ihm der Schlacht unddes Lebens, er wandte sich, dreytausend Pferdemit ihm; er floh. Jenseit der Wahlstatt zer-streuten sich jene; daß der Fürst, außer sich,45 ohne zu sprechen, mit kaum dreißig Mann,Tag und Nacht, am liebsten des Nachts, rei-tend an den Gcnfersee kam.

Auf dem Schlachtfeld aber bey Murten wal-teten über dem verlassenen Heer alle Arten des50 Todes. Alle eidgenössischen Banner und Fah-nen ergossen sich stromweise auf dem zwey Stun-den langen Weg nach Wivlisburg, und übedem Geschrey: „Briel Granson! " wurde kei-nem Bittenden das Leben geschenkt. In de55 allgemeinen Verzweiflung beschlossen mehretlausend Kürassiers und Lombarden durch t>eweithin beschilften See an Murlen vorbey ödem Grafen Romont zu kommen. Dicht a

einander standen die Männer im Wasser

als

60 durch die Schwere der Pferde und prächtigenRüstung der morastige Grund einsmals sa u '

andere, durch Nachen und Schüsse derweiter hinausgctriebcn, wurden plötzlich vTiefen verschlungen; so daß von viel tausend65 ein einziger Kürassier wunderbar sein beben brettet. Sie würden jenseit Murten densen von Romont nicht gefunden haben. ^bald über die Einnahme des Grünhaageserste Freude erscholl, trug der Graf an

Stadt