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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
Entstehung
Seite
237-238
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Johannes von Müller.

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Ausgang keinen Zweifel. Indeß er aufpackenließ, befahl er zwey-, dreymal gegen die Stadtloszubrennen, um sie mit sich selbst zu beschäf-tigen. Hierauf suchte er, sein Heer über dieBroye nach Stäfis zu retten. 5

Bey Auflösung des Hauptheers und Lagerslief alles Hofgesinde, die Kaufleute, die Wei-ber in angstvoller Bestürzung durch einander; ,so daß viele im dicken Laub der Bäume, anderein Backöfen der benachbarten Dörfer, nur die 10Nacht zu gewinne», andere durch die entblöß-ten Brüste Erbarmen gesucht; sie haben es ge-funden. Bis über Wivlisburg hinaus mochtender Erschlagenen funfzehntauseno liegen; dasganze Heer war versprengt. Ohne Anführung, 15und als würden sie verfolgt, flohen sie, wie je-der konnte, durch die übelmißhandelre Waadt;die Burgunder, durch die Pässe, stahlen sichheim, ihre Furcht mit ihnen; die Lombarden,welchen Wallis den Bernhardsberg verschloß, 20flohen in die Stadt Genf; da sie schreckenvollSt. Gervais herunter an die Rhonebrückenrannten, wurden in eintm Auflauf des Kolksdiese abgeworfen, jene als unglücksdringendeMenschen erschlagen. 25

Zu Wivlisburg erwogen die Schweizer,daß der Graf von Romont, dessen Flucht sienicht wußten, ihnen in den Rücken fallen oderdoch die kostbarste Beute entführen könnte;ließen ab von dem geschlagenen Feind. Also 30wurde Romont ereilt, alles Geschütz und seinganzer Troß erbeutet, auch diese Schaar auf-gelöst; er mit sehr wenigen entkam durch dieHülfe der Nacht. Auf der Wahlstadt vor Mur-ten sielen die Sieger zum Dankgebet nieder. 35Hierauf ließen sie alle militärischen Instrumenteden Freudenschall geben. Eilends Boten mitsiegverkündigenden Zweigen auf Bern, Frei-burg, in alle Städte und Länder, und baldverkündigte allgemeines Freudengeläut, bis hoch 40>n die Alpen den ruhmvollen Sieg.

Bon der Gränze bis Lyon hatte König Lud-wig unterlegte Pferde (um große Neuigkeitenschneller zu wissen, hakte zuerst Er Posten ver-ordnet) ; als der Herr von Bouchage und Phi- 45lipp von Comines, seine vertrauten Kämmerer,ihm diesen Ausgang meldeten, gab er einemjeden zweyhundert Mark Silber.

(Beute.) Die Sieger bemächtigten sichder Beute; nicht gleich jener Gransonschen; 50jedoch war Ueberfluß an Proviant; eine zahl-reiche, wenn auch nicht gleiche, Artillerie (derHerzog von Lothringen erkannte seine Kanonen);schöne, zum Theil seltene Waffen; auf demHügel im Hauptquartier, aus dessen Mitte 55Karls künstlich gezimmertes Haus über das ganzedager sich prächtig erhob, die Kriegscasse, dieKapelle, köstliche Geräthschasten und Kleider,

^llch feine eigenen, Goldstoffe, verbrämt und^füttert mit Zobeln und Hermelin. Es wur- 60den über anderlhalbtausend wohlversehene Ge-^te und die reichgerüstelen Todten geplündert.

^ey dem freudigen, siegstolzen Heer war die^suteordnung schwer in Lollzug zu bringen,«röhlich empfing Rens von den Eidgenossen 65Haus, die Gerälhe seines Feindes. Einichongemaltes Bild von Karl wurde in das

. -,haus von Murtcn gebracht. Die Haupt-Ute ließen einige Caffen zu ordnungsmäßiger

Theilung nach Luzern führen. Sonst wurdevon jedem, so viel er konnte, auf Wagen ge-laden. Nach alter Art (ob jemand wäre, derden Sieg bestreuen wollte) blieben sie drey Tageaus diesem Feld- In große Gruben warfen dieMurtener das enödtete Heer; es wurde mirungelöschtem Kalk, hierauf mit Erde bedeckt.Später, nachdem die Menschen verwesen, hatman für die Knochen ein Beinhaus errichtet;ob dieses Denkmal des kühnen Karls, dieseErinnerung der Schlacht, Fürsten etwa mäßi-gen, und Bundesgenossen in gleicher Treu er-halten möchte!

(Rückzug.) Am zweyten Lag nach derSchlacht schrieben die von Bern an die Ihrigenim Feld, entzückungsvoll über den errungenenewigen Ruhm. „Nun", schloffen sie, „fehltunserm Glück nichts als Friede, ein fester Friede.

Nur Krieg bringt Friede, Schrecken der Waf-fen befestigt ihn. Gebe Gott uns Weisheit undKraft. Treue Brüder, auf! Erinnert euch der »blutigen Anschläge des savoyischen Hauses, dermannichfaltigen Untreu von Genf. Wann wer-det ihr wieder so zahlreich beisammen seyn?"

Der Kriegsgemeinde schien nur unbequem undüberflüssig, das erschöpfte Land mit einem sostarken Heer zu überziehen. Am dritte» Tagzog die halbe Mannschaft eines jeden Banners,voran die Nachhut mit Caspar von Hertenstein,hierauf Hallwyl, dann von Zürich Waldmann,und viele andere, mit eroberten Bannern undFahnen, vielen Wagen voll Beule und genom-mener Artillerie, von dem Schlachtfelde heim.

Sie fanden in der grünen Ebene bey Bümplitzden Jüngling von Scharnachthal, des Schult-heißen Sohn, an der Spitze der ganzen Jugendvon Bern, freudig bezeugend, wie sie die Ret-tung ihrer Väter und diesen brüderlichen Sinnlief in ihre Herzen schreiben, und auf die Nach-welt bringen wollen. Die Stadt Bern, festlichgeschmückt, bewirthete sie zwey Tage, begleitetesie weit, und nie brannte wärmer die Zuver-sicht und Liebe der sieghaften Krieger. DemHerzog Rens wurden von den Eidgenossen Büch-sen geschenkt, von allen Orten gesellte kriegs-lustige Mannschaft sich demselben zu, er eilte,sein Land einzunehmen. Das Andenken dieserDinge war häufig durch Aenderung der Bannerverewigt.

(Die Waadt.) Zwölflausend Mann zo-gen von dem Schlachtfelde in die Waadt, aufdie Herrschaften ihres Feindes Romont, undweil Savoyen eidbrüchig den Herzog unterstütztund wider die Schweiz Paß gegeben. Allge-meine Flucht über den Lemanischen See, in undüber den Jura, so daß das Alter und Geschlecht,so sie schonten, die Geistlichkeit und wenigeVorsteher allein jammervoll ihnen entgegenzo-gen- Es wurde niemand umgebracht, viel ge-plündert. Als die Banner zu Moudon lagen,wurde plötzlich durch die Flamme der hohenBurg Lucens die Nacht erleuchtet; wodurch be-wogen, die Kriegsräthe zum Schutz UnserLieben Frauen Stiftes zu Lausanne Boten ge-sandt. Greyerz war zuvorgekommen, seinRaub in langen Zügen auf den Wegen seinesGebirgs- Hier kamen zu den Eidgenossen dieGesandtschaften von Genf, Savoyen, Frank-reich um einen Friedenscongreß. Auch hörten