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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
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247-248
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Johannes von Müller.

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stcllungcn berechtigt glauben; sie waren ver-geblich. Da bat er um einen Urlaub, welchergegeben wurde. Sein Verwand war eine Wall-fahrt nach Compostell. Unterwegens, an Höfen,schilderte er den Herzog von Burgund als einenUnsinnigen, der durch Eitelkeit, Härte undEigensinn sein Verderben bereite- Da er denKönig zurückhaltend fand, welches er seinemGeiz zuschrieb, versuchte er eine Unterhandlungmit Herzog Rene, Sprößling von Anjou durchseine Mutter.

Indeß kam er wieder zu Karl, unbefangen,heiter, in sein volles Vertrauen, besonders nachdem Unglück bei Murten, wo er brauchbarer,ihm ganz ergebener Männer, mehr als je be-durfte, Ihn sandte er zu Rettung Lothringens;ihn, als Nancy verloren war, brauchte er vor-züglich bey der zweiten Belagerung. Durchseine Schuld >um sich bei Renü Verdienst zumachen) war diese Stadt übergegangen; daer den Entsatz beschleunigen sollte, schrieb erin die Niederlande: man soll sich nicht über-eilen ; sein, des Kricgsmanns Urtheil, soll ihnenmehr gelten, als das Ungestüm des Canzlers;den Winter durch stehe er gut für Nancy.Also kamen nur wenige. Mit wenigen freilichlag vor der Stadt, sie schonend, Ren«. Abernachdem der tapfere Cohen, Hauptmann derEngländer, gefallen, kam in seine Leute Miß-muth, und, sintemal vor dem Commandanten,persönlicher Tapferkeit ungeachtet (er war zugütig), nicht gehörige Furcht war, ging dieStadt über, wie wir gesagt, indem Karl her-, beyeiltc. Er kam; nicht wie sie einst ihn weg-ziehen sahen , in prachtvoller Rüstung, ein hoch-gesinnter, schöner Held; mit gesenktem Blick,verfallenen Zügen, wie verblichen sahen sieihn. Daß er die Verrälherey nicht vernahm,geschah, weil sein Eigensinn jede Eröffnungnicht allein vergeblich, sondern gefahrvoll mächte.

Da beschloß Campobaffo, sein Werk zu vol-lenden. Dem Herzog Rens ließ er sagen: umden Sold seiner vierhundert Lanzen, um zwan-ziglausend Thakdr und eine Grafschaft wolle erdie neue Belagerung seiner Hauptstadt verei-teln , und seinen unversöhnlichen Feind ihmoder dem Tod überliefern. Zu dieser Unter-handlung brauchte Renü seinen Hausmarschall,Cifron de la Vachiere, einen Provenyalen, denCampobaffo kennen mochte. Man sagt, er habeihm die Grafschaft Vaudcmont versprechen las-sen. In so gerechtem Krieg und für sein treuesVolk schien das erlaubt. Während der Bela-gerung suchte Cifron eine ermunternde Nach-richt aus der Schweiz in die belagerte Stadtzu bringen; ein Fieber hatte ihn geschwächt;indem er sich bemühete, über einen Laufgrabenzu kommen, wurde er gefangen. Campobaffound andere stellten vor, daß mehrere gegen ihnausgewechselt werden dürften. Der HerzogEr soll hängen, das ist Kriegsrccht.Graf Engelbrecht von Nassau, Croy Graf zuChimay, der große Bastard, wer immer eineRede wagen durfte, bat; vergeblich. Als Cam-.pobasso vorstellte, daß der Mann seine Pflichtgethan, und sein Tod nicht angerochen bleibendurfte, machte der Herzog mir seinem blccher-nen Handschuh eine Bewegung in sein Gesicht,welche der alte Krieger um so weniger zu ach-

ten schien, je mehr es ihn erbitterte. In die-sem Augenblick siel er in die größte Gefahr.Cifron, von Liebe des Lebens bewogen, begehrte,dem Herzog eine Entdeckung zu machen. Durch5 solche Ausflüchte, meinte Karl, wolle er seinLeben fristen. „Was er will, soll er dir sagen,"sprach er zu Campobaffo, „und hängen.« „Hän-gen soll man ihn," rief Campobaffo, als Cifronsich nicht mit ihm einlassen wollte. Und der10 Gefangene sprach, „was ich dem Herzog sagenwollte, ist mehr werth, als ein Herzogthum."Einige liefen, es zu melden; das Vorzimmerwar von Campobaffo bewacht. Also wurdeCifron im Angesichts der Stadt, von deren15 Zinnen für das Leben des beliebten Mannesalles angeboten wurde, an einem Baume auf-geknüpft. „Auch Herzog Karl, rief er noch,»wird bald hin seyn; wer weiß das besser alsder, dem er traut." Gerochen wurde er durch20 die Hinrichtung hundert und zwanzig burgun-discher Gefangenen, deren der erste vor denAugen des vergeblich ergrimmenden Karls amhöchsten Orte der Stadt aufgehangen erschien.Man kann den Rathschluß des Schicksals be-25 klagen, aber seit Karl die Wuth seiner Leiden-schaften für Charakter hielt, war ihm nichtmehr zu helfen.

(Re,,6 in der Schweiz.) Der Herzogvon Lothringen beschloß, anstatt sich einzuschlie-50 ßen, persönlich Hülfe zu suchen. Also besetzteer Nancy vorzüglich mit Lombarden, die ihmaus dem feindlichen Heer zuliefen, Franzosen,welche heimlich der König ermunterte, teutschenFreiwilligen aus der Vereinigung, und einer35 Anzahl verwegener Männer aus dem Vaude-mont, denen er, wie den Stadtbürgern, gänz-lich vertraute. Im Lande blieben Streifpar-teien, welche den Feinden die Zufuhr abschnit-ten und ihre Quartiere unaufhörlich beunru-40 higtcn. Die Stadt versprach, zwey Monatezu halten. Er mit nur zwölf Pferden über dastiefbeschneyte Gebirg in außerordentlicher Kältezu den Eidgenossen; die niedere Bereinigungbezeugte, bey dem besten Willen komme alles45 darauf an, diese zu haben. Da nahm er allesSilber seiger Großmutter von Naudemonl,ließ ein Theil schmelzen, verpfändete anderes-auch der König ließ ihm einiges Geld zufl^ßen; zehntausend Gulden bekam er von den50 Straßburgern geliehen. Das vornehmste HA'derniß fand er an dem Kardinal Legalen, >A'

cher, ganz burgundisch, durch Vorstellung °e

unbequemen Jahreszeit und durch die Ausstweines guten Friedens Zeit für Karl gewinnt55 wollte. Der Herzog in die Orte. Er wAzu Bern auf das freundlichste, aber mit «Vorstellung empfange», daß, zu einer Zciss ' ^man die Eidgenossen täglich bedürfe, diesenichts einseitig beschließen könne. Einen ä-«>0 setzte sie, sogleich, dringend. In dem Avon Zürich sprach HannS Waldmann, da'Zunslmeister, mit jener ihm alles gensenden Kraft, von dem dem jungen »An-schuldige» Dank, von der für ihn verpfl'th ^05 den Ehre. Nachdem er die Ncrsammlu'Ageistert, erschien der Herzog selbst. ,ch:

sprach. Der Tag zu Luzern versammelte Ialle Einwendungen wichen dem Verstand- »rcmal der Herzog von Lothrigen für die Kr -