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Handbuch der deutschen Prosa von Gottsched bis auf die neueste Zeit : historisch geordnete Sammlung von Musterstücken aus den vorzüglichsten Prosaikern unter Berücksichtigung aller Gattungen der prosaischen Schreibart, nebst einem literarisch-ästhetischen Kommentar / von Dr. Heinrich Kurz
Entstehung
Seite
251-252
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Johannes von Müller. 252

Uebel wäre; der Herzog möchte nur auswei-chen , was der Feind eifrigst wünsche, nämlicheine Schlacht, welche leicht mißglücken und ver-derblich werden dürfte; sie rathen ihm, nachPont-ä - Mouffon an die Mosel zu ziehen, er 5sey noch nicht im Fall, verzweifelnd alles zuwagen; auf Luxemburg liege ein beträchtlicherSchatz; das Heer könnte im Winter, obwohlsie Friede wünschten, hergestellt werden; woder Herzog Ren« das Nöthigste im Krieg, das 10Geld, hernehmen wolle, um die Eidgenossenviele Monate zu unterhalten, oder wiederkom-men zu lassen! Er, der großmächtige Karl,habe keinen Fußbreit Land, habe nichts verlo-ren , das er durch seinen Geist und Muth nicht 15wieder gewinnen könne." Da sprach der Her-zog: „Mein Later und ich haben die Lothrin-ger geschlagen: soll ich mich zurückziehen vordem Jungen? Diese Nacht wird Nancy ge-stürmt, morgen schlagen wir uns." Sie, trau- 20rig, hinweg; ihn übernahm wechselweise Grimmund eine grauenvolle Ahnung. Das Krachendes Geschützes, die Anordnung der Schlacht,übertäubte, zerstreute ihn-

Bestürmt wurde Nancy mit angestrengte- 25ster Kraft, beschossen aus dem letzten Borrathvon Steinen und Pulver, Renv hörte dieSchüsse, bemerkte Nothzeichcn- Also gegen dieMitternacht berief er die Hauptleutc; sie ver-sprachen den Entsatz auf Morgen. Beängstigt 30von der Furcht, jetzt noch möchte Nancy fallen,erwartete er unruhig den spät anbrechendenTag. Da wurde an vielen Orten zugleichMesse gelesen. Als Frühstück sie gestärkt, mar-schirten sie auf Neuville. Ueber dem Lande lag 35Nebel.

(Schlacht bei Nancy ) Dem Herzogvon Burgund wurde sein vortreffliches raben-schwarzes Pferd früh vorgeführt. Als er auf-saß, fiel von seinem Helm dessen Zier, ein 40goldener Löwe, ihm auf den Sattel. Mit ver-bissenem Unmuth seufzte er, „das ist von Gott,"gab einem seiner Diener versiegelte Befehle,was zu thun sey nach seinem Tod, sprengtevorwärts. Ein veranstalteter,-oder benutzter 45tiefer Wassergraben bedeckte die Fronte, Heckendie linke, die Meurihe die rechte Seite desHeers. Er, der große Bastard Anton, undBastard Baldwin, in der Mitte, führten dielange, riefe Säule des Fußvolks; rechts 50nach dem Fluß, die italische Reiterey, JakobGaillot, der einsichtsvolle, treue, und Campo-basso; links die übrige, der Oberlandvogt vonFlandern, Joffe von Lalain, ein tapferer Rit-ter; die Straße nach Nancy war von einer 55kleinen Höhe mit dreißig Schlangenbüchsen be-strichen.

Plötzlich wurde der rechte Flügel entblößt;Cola Campobaffo mit achthundert Lanzen rißdie rothe Schärpe und das Andreaskreuz von 60sich, ging über, kam zu Rene: „Jene ent-ehrende Heftigst Karls erlaube ihm nicht,

länger bei demselben zu bleiben; Anjou vonJugend auf, kehrte er zu alten Freunden zu-rück, um die er das Schloß Commercy, hier in 65Lothringen, einst wohl verdient; nur dessen Be-stätigung wünsche er, bereit an diesem wichti-gen Lag die größten Proben seines Eifers zugeben." Ren«, noch zu St. Niklaus, besprach

sich mit den Eidgenossen. Sie erwiederten al-sobald; „An der Seite eines verrätherischen Wel-schen zu streiten, sey weder der Art ihrer Va-ter noch der Ehre ihrer Waffen gemäß." AlsCampobaffo dieses vernahm, besetzte er eilendsdie Brücke bei Bouxieres-aux-Dames, einenhöchstwichtigen Posten, an der Vereinigung derMeurthe und Mosel, wo die Flucht, welcheer vorsah, wo Karl wohl selbst sich hinwerfenwürde, um nach Luxemburg zu kommen. Zwan-zig Leute,, zu jedem Verbrechen entschlossenund fähig, hatte er in dem burgundischen Heergelassen, alles zu sehen und möglichst viel Bö-ses zu thun.

Auf dem Marsch nach Neuville begegnetedem Heer ein Thurgauer von Frauenfeld, GeorgSchreiber, und ein Mann bon Art in Schwyz,genannt Schindler. Beide, vormals des Lan-des verwiesen, hatten in ihrem Verdruß bur-gundische Dienste genommen. Jetzt, wenn dieObrigkeit vergeben wollte, versprachen sie dieMaßregeln des Herzogs und auch die Manierzu zeigen, wie sie zu vereiteln wären. DieHauplleute, nicht weniger besorgt um das Blutbraver Männer als für das Glück des Tages,verschmähten dieses nicht; man kannte die Män-ner; sie erboten sich, Führer zu seyn.

Die Schlachtordnung machten sie an demNeuviller Teich. Das Fußvolk des ersten Tref-fens (Zürich und Freyburg dabey) führte Wil-helm Herter, durch Erfahrung, Verstand, Be-redsamkeit , wie durch den Glanz von Murren,allgemein beliebt und verehrt; Oswald vonThierstcin die Reiterey. Da trug Dom-Juliendas Banner von Laudemont, ihm, dem Falke-nier, folgte fröhlich der Bastard und viele Edlevon diesem Land. Aber den Schlachthaufencommandirle des Krieges Haupt, Herzog Rene,auf dem Pferd, welches er bey Murten ritt,in alt-lothringischer Uniform; er verbarg sichnicht, ein Mantel von Goldstoff hing über dieRüstung; seine Stellung nahm er auf dem rech-ten Flügel, an der Spitze seiner lothringischenReiterey; da waren seine Freunde von Bitsch,Leiningen, Salm, sein Hos, alle Großen desLandes. In der Mitte dieses Treffens alleBanner, zu Vermeidung von Eifersucht, ohnebesondere Ehrenzeichen versammelt; die meistenOrte der Eidgenossen, die niedere Vereinigung,die Hülfsvölker vom Erzherzog stritten in demGewalthaufen. Links an der Spitze der elsasifischen Cavallerie kämpfte feurig der großeHelm von Rappoltstein, ein ernster, unterließmender, mächtiger Mann, zu zeigen, daß ^Karin einst ungern gewichen. Einen BüchsEschuß hinter dem Treffen harrten achlhunde^Mann. Das Geschütz bey diesem Heer war un-wichtig und blieb außer dem Spiel. In ststgeschlossener Ordnung , freudig als zum Kr>'gesfest, marschirten sie auf; der Boden n>gefroren: Schnee erfüllte die Luft; als er am-hörte, blieb Nebel. Dieser betrog den 'seine Artillerie brannte los, ehe das .

Schuß war. Es wurde scharmuzirt, als t vnichts Größeres im Sinn.

Sie zogen die Jarviller Straße. Nahe ,Feind geschah das Gebet. Hierauf g«bot ^Helm Herter linksum; einen rauhen vern»w ,trii alten Weg, durch einen tiefen Bach,