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Johannes von Müller.
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ten hinauf den Berg, welcher das Schlacht-feld beherrschte; das Gestöber begleitete sie; dasie auf der Höhe waren, brach die Sonne her-vor, mit ungewöhnlicher Wärme und Pracht.
Als der Herzog von Burgund sich umgangen 5sah, befahl er eiligst, Gaillot solle den linkenFlügel verstärken, dem Geschütz eine ganz an-dere Richtung ertheilt werden. Da erklang aufder Höhe das Urihorn, dreymal. Dreymal fuhrTodesschrecken durch das Herz Karls, diesen 10Schall hatte er bey Murten gehört. Auf Ein-mal Herter, Waldmann, Eplingen, alle Ord-nungen des Fußvolks in vollem Lauf, wie einunaufhaltbarer Waldstrom herab; die leichtestenflink über die Hecke zum Tod aller Meister und 15Bedienten des feindlichen Geschützes; bald sahder Burgunder, nach schnell niedergetretenemZaun, die Schaaren voll Wulh in die eröffneteSeite vordringen. In diesem Augenblick zeigtesich Karl, über den Trübsinn erhaben, um dem 20Schicksal zu trotzen; er ermannte sich zu derkalten Besinnung eines erfahrnen Feldherrn,überall gegenwärtig, ordnend, verstärkend, er-munternd, selbst von feindlichem Blut entstellt;seiner wachte Rübemprs's unverbrüchliche Treue; 25um ihn stritten Gaillot, Contay, Naffau, vonNeufchatcl der junge Markgraf, so, daß vonihm und ihnen in der letzten Stunde des Hau-ses Burgund würdig des unerschrockenen Jo-hanns und der Ehre Philipps gekämpft wor- 50den ist. Fünfzig Schweizer und Lothringer sindhier gefallen.
Endlich vermochte niemand wider den An-drang der zahlreichern, viel stärkeren Mann-schaft, wider den Vortheil des Ortes, von dem 35sie schoflen, wider die Erinnerung der vorigenSchlachten. Also nachdem Lalain in tapfermStreit schwer verwundet gesunken, als gleichesSchicksal den Muth Gaillots dämpfte, als widerder Lothringer Willen den guten Rübemprv der 40Tvdesstreich traf, die Hoffnung auf Teutschewir ihrcin- Anführer gefallen, im Rücken dieFlamme des Lagers aufstieg, welches die Besa-mung, der Stadt angezündet, und Karl, vonBlut und Entsetzen entstellt, den unüberwind- 45üchen Unstern erkannte, warf das Heer sich indie Flucht. „Nach Luxemburg« war der letzteBefehl. Traurig ergab sich, da sein Erstge-dorner gefallen, der große Bastard, der vielcr-fahrne biedere Obersthofmeister de la Marche, 50llnd sorgenvoll der junge Philipp, Markgraf^udolfs von Welschneuenburg Sohn; sterbendkühlte Vanxmarcus das ganze Unglück, dessenkrühester Zeuge er war; schwerer als die BandeZückte Naffau der Schmerz seiner lieben Ge- 55v^hlin, den Contay der Tod seines verdienst-ollen Vaters, und Chimay des VaterlandsErstehende Noth.
Größeres Unglück erwartete das Heer. Die^sucke von Bouxieres hielt Eampobaffo besetzt. 60i *rle sielen durch sein Schwert, viele verloren^ Strom das Leben, die meisten durch den«klagenden Feind, oder bey Pont-ä - Mouffonn dx^ Landvolk in Wäldern; auch die Fran-'rn schonten jetzt nicht mehr. Da gegen zwey 65
Uhr Nachmittag entschieden worden, wütheteder Tod vier Stunden weit umher, bis Mor-gens um zwey Uhr. Nicht die Zahl vieler tau-send Erschlagenen, das war der Verlust, daßalle gute D'.ener, alle, deren Tugend Ver-trauen verdiente, und welche das Land liebten,umkamen oder gefangen wurden.
(Karls Tod.) Den Herzog, von einemSchlag in der Schlacht noch betäubt, trug derStrom der Flucht gegen St. Jean, sein Haupt-quartier. Drei Büchsenschüsse von dpr StadtNancy ist unter einer kleinen Höhe ein frucht-barer, damals sumpfiger Grund, welchen derBach Laxou durchschnitt; Vireley, Name derGegend. Als Karl über den Graben setzenwollte, fehlte dem Pferd und ihm die Kraft.Er stürzte, das Eis brach, er kämpfte empor.Hierüber fand ihn der Feind, ohne ihn zu er-kennen; verwundete ihn durch den Sitz, durchdie Hüfte, schlug das Pferd, welches (endlich,auf) ihn fallen ließ und floh. Viel burgundi-scher Adel nahm hier den Tod; niemand warbey ihm in der letzten Noth. Er rief den tau-ben Castlan von St. Diez, der ihn verwundet,um Rettung, welches dieser übel verstanden;er hieb ihn mit der Hallbarde durch den Kopf.Fallen sah ihn der Edelknaben einer, JohannBattist Colonna, ein Römer. Als der Kriegsich entfernt, wurde Karl von Unbekannten un-erkannt ausgezogen. Als an den Thoren vonMetz Rens von dem Feind abließ, fragte er nachihm; den ganzen folgenden Tag wurde er ver-geblich gesucht, bis Eampobaffo durch Colonnadie Gegend erfuhr. Eben suchte ein Weib,Karls Wäscherin, wo einer der Leichname etwanoch den Ring anhabe: sie wandte auch seinenKörper; „Gott! der Fürst!« rief sie mit gro-ßem Geschrey Großenteils eingefroren, mitgeronitvnem Blut überdeckt, im Gesicht ange-schwollen, war er wenigen kenntlich; bis nach-dem er mit Wein und warmem Wasser gewa-schen worden, die Gefangenen, Anton der großeBastard, Olivier de la Marche, der portugie-sische Arzt Lobo und seine Kammerdiener ge-bracht wurden. „Er ist's!« riefen sie, undweinten laut; man erkannte die Narbe derSchlacht von Montlhery, die Eigenheiten seinesKörpers, überaus lange Nägel, die Spur seinerFistel. Auch Feinde ergriff Rührung mitGrauen.
Zwischen Frankreich und England hatte seinVater entschieden, sein Vater dem König Lud-wig und wechselweise Lancaster und Jork, Zu-flucht gegeben; froher blühete nie ein Land;auch Karl, wenn er nicht hätte wollen Alexan-der seyn, war ein vortrefflicher Fürst. Erwurde zu Nancy feierlich ausgesetzt. Rens (nachder alten Sitte, wenn in ritterlichem Kampfeiner seinen Feind erschlug) mit einem bis anden Gürtel hängenden goldenen Bart, übrigensim Trauerkleide, trat vor ih„ an der Spitzedes Hofs, nahm seine Hand und sprach: „Lie-ber Vetter, Ihr habt uns viel Unglück gemacht;Eure Seele habe Gott.«