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Johann Georg Förster.
Johann Georg Förster.
I. Johannes in -er wüste. (2" Lebensgröße.)
Die Zeit hak diesem göttlichen Werke gege-ben und genommen: gegeben — eine Wahrheitdes Kolorits, die es vielleicht bei seiner Werfer- 15»tigung nicht hatte; genommen aber — an ei-nigen wenigen Stellen den bestimmte» Umriß,dessen dunkle Scharten sich in den noch dunkle-ren Hintergrund verlieren. Auf seinen linkenArm gestützt, den linken Fuß an sich hinaufgc- 20zogen in eine Ruhe, die doch nicht unthätig ist,den rechten vor sich hinauegestreckt, des Körpersandere Stütze, so sitzt Johannes ruhend da injugendlicher Kraft und Blüthe, sein sinnendesHaupt der rechten Schulter zugewandt. Unter 25seiner Linken liegt auf dem Felsensitze das Kreuz,und in der rechten, deren Arm, links hinge-halten, seinen Schooß beschattet, hält er dasandere Emblem des Läufers: die, mit demQuell, der unter seinem Sitze hervorströmt, zoangefüllte Schale. Diese Zeichen geben ihmfür den Christen ein eigenthümliches Interesse;sie versetzen uns in den bestimmten Gesichts-punkt, aus welchem der Künstler beurtheiltwerden muß, den nämlich, in dessen ekstatischem 55Helldunkel er das Urbild seiner Schöpfung er-scheinen sah. Doch dieser Künstler war nichtnur Christ, er war zugleich ein Mensch; und,mit Menschen menschlich zu reden, ersann .erdieses unübertreffliche Denkmal seiner Kunst 40und seines leise ahndenden, in die Tiefen derSeele göttlich Herabsteigende» Geistes! Wennim Strome wcchselbringender Jahrtausende diejetzigen Einkleidungen des Wahren längst ver-schwunden und vergessen sind, und es eben so 45unmöglich seyn wird, unsere Hieroglyphen, alses uns jetzt ist, die ägyptischen, zu entziffern;dann bliebe dieses Gemälde, falls ein glücklicherZufall es bis dahin erhielte, jener späten Nach-welt ein LereinigungSpunkt mir der Blüthezeit 50unserer heurigen Kunst: ein Spiegel, in wel-chem man die Bildungsstufe und den Geist desvergangenen Geschlechts deutlich erkennen, undein lebendiges, so lang es Menschen gibt, ver-ständliches Wort, wodurch man vernehmen 55würde, wie einst der Sterbliche empfand unddachte, der dieses Zeugniß seiner Schöpferkrafthinterließ.
Kraft in Ruhe, nicht Abspannung, sondernGleichgewicht; dieß ist das aufgelösete Problem. 00Wir sehen einen Mann in Jünglingsschönbeitsitzen: der Körper ruhet, doch nur vermittelstwirkender Muskeln; und der rechte Arm schwebtfrei mit der gefüllten Schale. Indem er siezum Munde führen will, verliert sich sei» Geist 05in seiner innern Gedankenwelt, und seine Handbleibt, ihm unbewußt, schweben. Schön undrein sind die Lippen von unenlweihter Reinheit.Mildelächelnd belohnen sie, wer ihrer Stimme
horcht; jetzt aber folgen sie dem Zuge einesweicheren Gefühls. Ist es vielleicht die stilleFreude der Hoffnung? Wenigstens umschwebenfrohe Gedanken den geschlossenen Mund, undscheinen gleichsam zu buhlen um die Hülle desLautes. Niedergesenkt ist der Blick; theilneh-mendc Bewunderung einer geahndeten Größedrückt die Augcnlieder; unter ihrer großenschwärmerischen Wölbung, die so himmlisch-rein hervortritt aus dem Scharten der Augen-braun, steht ein Göttergesicht vor der innernSehe, wogegen ihm die mit Reiz geschmückteErde nur Staub ist. Ein Ocean von Begrif-fen liegt klar auf seiner Stirn entfaltet. Wieheiler ist diese Stirn 1 Keine Begierde, keinestürmische Leidenschaft stört den heiligen Frie-den dieser Seele, deren Kräfte doch im gegen-wärtigen Augenblick so rege sind! Vom run-den , festen Kinne bis zur braungelockten Schei-tel, wie wunderschön ist jeder Zug! und wieversinkt dennoch die Sinnenschönheic in hervor-strahlender, erhabener Seelenstärke!
Die Deutung dieser Umrisse, dieser Zügebleibt durch alle künftige Aeonen unverändertdieselbe; je zarter der Sinn, je reicher derVerstand, je heiliger glühend die Phantasie-desto tiefer nur greisen sie in den unergründli-chen Reichthum , den der Künstler seinem Werkeschuf. Uns indessen kann es individuellerAnspruch nehmen; uns erinnert es an Geschichteund an tausendfache Beziehungen, deren un-unterbrochene Kelle uns selbst mit unsern Zeit-genossen umschlingt und mit dem dargestellte')Gegenstände verbindet. Wir kennen diesen er-habenen Jüngling. D»s Buch des Schicksal)einer verderbten Welt lag aus einander ös'rollt vor seinen Augen. Durch Enthaltsam^)und Bcrläugnung geschärft und geläutert, ge-gründete sein reiner Sinn die Zukunft. ^einsamen Wüsteneien*denkt er dem großen " ^dürfnisse des Zeitalters nach. Au edel, zu Ss),für sein gesunkenes Wölk, hatte er sich von >d .abgesondert, hatte es gestraft durch das ,spiel seiner strengen Lebensordnung, und g>vgezüchtigt mit brennenden Schmachreden.fühlt der ernste Sittenrichter tief, daß s'^Mittel nichts fruchten; in die ekelhafte M 'selbst muß sich der edle Gährungsstoffder ihre Auflösung und Scheidung bew»^soll. Aufopferung, Langmuth, Liebe — ,zwar in welchem, den Geschlechtern der ^ja seiner rauhe» Lugend selbst noch uubcö^,lichen Grade! — fordert die allgemeine ^ ^rürtung des sittlichen Gefühls. Hier mag ^es, diese Eigenschaften vereinigt zu denke»,Geiste das Ideal eines Menschen zu eu M.fen, der sie bis zur Vollkommenheit
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