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Ivsiann Georg Förster.
II. Der Handel.
Vaa ls. Ich habe die hiesigen Anlagen alle Punkt, wo die patriarchalische Autorität üppig
mit einem unbeschreiblichen Genusse in Augen- ward und in einen Geist und Herz tödtenden
schein genommen. Es beschäftigt die Phantasie Despotismus ausartete, der alle Kräfte desauf eine äußerst überraschende Art, hier auf 10 großen Haufens verschlang und ihnen ausschlie-
einem Punkte so mancherlei Produkte fremder,zum Theil der entferntesten Erdgegendcn an-kommen, zur Verfertigung und Bereitung einesneuen Fabrikats angewandt, und dieses wiederin eben so entlegene Länder versendet zu sehen.Mir wenigstens ist es immer ein fruchtbarerGedanke, daß hier lausende von Menschen ar-beiten, damit man sich am Euphral, am Tigris,in Polen Und Rußland, in Spanien und Ame-rika prächtiger oder bequemer kleiden könne;und umgekehrt, daß man in allen jenen Län-dern Lucher trägt, um den Tausenden hierNahrung und Lebensbedürfnisse aller Art zuverschaffen. Das Phänomen des fortwährendenAustausches verschiedener Produkte' der Naturund der Kunst gegen einander ist aber unstrei-tig desto wichtiger, weil die Ausbildung desGeistes so innig damit verbunden ist. DerHandel bleibt die Hauplursachc von dem jetzigenZustande unserer wissenschaftlichen und politi-schen Verfassungen; ohne ihn hätten wir Afrikanoch nicht umschifft, Amerika noch nicht ent-deckt , und überhaupt nichts von allem, wasuns über die andern Thiere erhebt, unternom-men und ausgeführt. Das Bedürfniß, mehrzu umfassen, als der jedesmalige Erdpunkt aufdem wir wurden, uns gewähren kann, sey ausunserer Natur hinweg gedacht, und wir kämennicht weiter als die Affen, die so gut wie wirein geselliges Leben führen und sich zu gegen-seitigem Schutze vereinigen. Nur dieses innereStreben, das Maaß in unserem Kopfe allenDingen anzupassen, macht uns zu Menschen;und je kräftiger es sich in uns regt, desto tie-fer lassen wir die bloße Thierheil unter unszurück. Durch dieses Streben ist der Russein Kamtschatka dem Bewohner der AlehulischenInseln und dem Wilden in Amerika an Ver-nunft und Jdeenreichthum überlegen, wie ani-malisch er übrigens in seinem häuslichen Lebennoch seyn mag. Nur die Sorge für unmittel-bare Erhaltung kann dem Bemühen nach einemgrößern Wirkungskreise Abbruch thun, undauch dieß nur so lange, bis die Erfahrung ge-macht ist, daß im letzteren das erstere zu findensey. Es scheint indeß doch, daß allzugroßerReichthum der Natur den Handel beinahe ebenso wenig begünstigt, wie ihre allzugroße Karg-heit. Wenn der Wilde in träger Gleichgültig-keit nach seiner Jagd oder von seinem Fisch-fang ausruht, so ist es nicht zu läugncn, dieseBeschäftigungen hatten ihn in dem Grade an-gestrengt, daß er den Reiz für fremde Gegen-stände kaum mehr empfand. Hingegen dicJn-dier, die Ehineser, die Acgyptier und alle jeneVölker, denen ihr gesegnetes Land eine unge-heure Verschiedenheit von Produkten im größ.len Ucbcrfluffe darbot, bildeten sich schnell inihrer eigenen Mitte, bis auf einen gewissen
ßender Weise nur zu seinem Nutzen eine Rich-tung gab. Bald entstand alsdann eine arbei-tende und eine bloß genießende Klaffe, undjede von diesen theilte sich wieder, je nachdem15 die besondere Veranlassung dazu aus den übri-gen Verhältnissen der verschiedenen Rationenentsprang. Das Interesse des Herrschers ver-trug sich nicht länger mit allem, was die Ein-sichten der arbeitenden Menge erweitern konnte;20 ihr blieb daher der auswärtige Handel unter-sagt. Damit aber der Despot sich selbst dieQuelle» eines vervielfältigten Genusses nichtabschnitte, gestattete er fremden Kaufleuten denVerkehr in seinem Lande. Diese Einrichtungen25 erhalten sich i» Indien und China bis auf denheutigen Tag: denn die politische Ohnmacht,die sie zur Folge hatten, reizte zwar oft dieBegierde des Eroberers; aber jeder, dem dieEroberung glückte, fand das System der Un-50 rerdrückung so unverbesserlich, daß er sich wohlhütete, daran zu künsteln.
Lage und Zusammenfluß von günstigen Um-ständen entwickelten den Handlungstrieb bei denPhöniziern und Griechen, späterhin bei den35 Karthaginensern, dann bei den Venezianernund Genueser», zuletzt bei den Holländern, denEngländern und andern europäischen Völkern-Ueberall war jedoch diese Entwickelung von bür-gerlicher Freiheit unzertrennlich und dauerte10 nur mit ihr. In Portugall konnte sie nur be-gleitendes Phänomen des ErobcrungsgeisteS sey»/und mußte, wie etwas Erzwungenes und Un-natürliches, in der Finsterniß des geistlichenDespotismus und der politischen Zwietracht45 verschwinde». In der deutschen Oligarchie ha-ste wunderbar angekämpft gegen die furchtbar'Hindernisse des barbarischen Feudalsystems, h»scheitert nur a» der mittelländischen UmgraN'zung des Landes, die jede kaufmännische Dht'50 ration zehnfach erschwert. Wie viel indeß, l-Vdieser ungünstigen geographischen Lage, dieFr-heit für den vaterländische» Handel zu lemvermag, davon zeugt der Flor von Ha""" -und Frankfurt, wie der Verfall von Nürnbe b-55 Aachen und Kölln.
Aus diesem Gesichtspunkt betrachtet, >stder große Kaufmann, dessen Spekulationen ^ganze Rund der Erde umfassen und KonUm^an einander knüpfen, in seiner Thätig^- „ x,60 Geistes und in seinem Einfluß auf das ^meine Regen der Menschheit nicht nurder glücklichsten, sondern durch die Mau ^praktische» Erfahrungen, welche jener Wbei ihm täglich vergrößert, und durch b>
65 nung und Abstraktion der Begriffe, ^arf,bei einem umfassende» Geiste voraussetzen;zugleich einer der aufgeklärtesten Me^^«mithin vor vielen andern derjenige, der ,^eä,here Bestimmung unsers Wesens izu